12.12.2009

Identifikation via IP-Adresse ist unsicher

In der Wo­chen­zei­tung Die Zeit er­schien ein aus­ge­zeich­ne­ter Ar­ti­kel, der so­wohl die Pra­xis der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, als auch die kläg­li­chen Netz­sper­ren ad ab­sur­dum führt. Beide An­sätze ba­sie­ren auf der An­nahme Ver­däch­tige bzw. straf­fäl­lig ge­wor­dene Per­so­nen an­hand ih­rer IP-​​Adresse zu iden­ti­fi­zie­ren. Die IP-​​Adresse wird dy­na­misch vom In­ter­net­an­bie­ter bei der Ein­wahl ins In­ter­net ver­ge­ben und spä­tes­tens nach 24 Stun­den ge­än­dert. Le­dig­lich den Pro­vi­dern ist also be­kannt, wem zu wel­chem Zeit­punkt eine be­stimmte IP-​​Adresse zu­ge­wie­sen wur­den. Im Falle ei­ner im In­ter­net be­gan­ge­nen Straf­tat oder ei­nes ähn­lich be­grün­de­ten Ver­dachts, kön­nen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den die Zu­ord­nung von An­schluss­in­ha­ber und IP-​​Adresse beim Pro­vi­der er­fra­gen (UrG §101), da die­ser sel­bige über sechs Mo­nate auf Vor­rat spei­chern muss. Die Schluss­fol­ge­rung, dass der An­schluss­in­ha­ber an­hand der IP-​​Adresse für eine wie auch im­mer ge­ar­tete Straf­tat ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den kann, ver­nach­läs­sigt die Rea­li­tät in der Nut­zung des In­ter­nets, weil:

  • sich in der Re­gel meh­rere Per­so­nen (Fa­mi­lie, Mit­be­woh­ner, Freunde) ei­nen An­schluss teilen,
  • sich fremde un­be­merkt des WLANs be­mäch­ti­gen kön­nen (WEP, WPA/​2 Ver­schlüs­se­lun­gen sind gar nicht bzw. nur be­dingt sicher),
  • Schad­pro­gramme (Vi­ren, Mal­ware) un­be­merkt il­le­gale In­halte aus dem In­ter­net la­den kön­nen und
  • un­will­kom­mene Wer­be­bot­schaf­ten (pop-​​ups, iframes, ...) il­le­ga­les Ma­te­rial be­zie­hen können.

Hinzu kom­men Feh­ler bei der Er­mitt­lung von IP-​​Adressen, die:

  • rein mensch­li­cher Na­tur sein kön­nen (schließ­lich muss je­mand die auf Vor­rat ge­spei­cher­ten Da­ten durchsuchen)
  • auf­grund der tech­ni­schen Funk­ti­ons­weise von Peer-​​To-​​Peer Soft­ware nicht auf den Ver­ur­sa­cher, son­der le­dig­lich auf die im Tausch­netz in­vol­vier­ten Rech­ner (auch Dru­cker und Rou­ter) ge­schlos­sen wer­den kann - und zwar un­ab­hän­gig von de­ren Aktivität.

An­ge­sichts der der­zei­ti­gen Ge­set­zes­lage stim­men diese tech­ni­schen Fall­stri­cke bei der Iden­ti­fi­zie­rung von Straf­tä­tern an­hand ih­rer IP-​​Adresse nicht ge­rade zu­ver­sicht­lich, da selbst un­be­tei­ligte und un­schul­dige ins Vi­sier der Er­mitt­ler ge­lan­gen kön­nen. Falsch-​​Positiv-​​Annahmen äußern sich für den Be­trof­fe­nen u.a. mit ei­ner teu­ren Ab­mah­nung ei­nes Rechts­an­walts oder ei­ner Haus­durch­su­chung durch Son­der­ein­satz­kräfte der Polizei.

Dar­aus er­gibt sich die Frage, wie recht schaf­fende Men­schen ohne um­fang­rei­chen tech­ni­schen Sach­ver­stand vor sol­chen ju­ris­ti­schen Schwie­rig­kei­ten, die sich aus der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung er­ge­ben, ge­schützt wer­den können?

Ab­ge­se­hen von der For­de­rung die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung wie­der ein­zu­stel­len, gibt es nur tech­ni­sche Lö­sun­gen die­ses Pro­blems, die alle samt auf das An­ony­mi­sie­ren des Daten­ver­kehrs hin­aus­lau­fen. Auch im Zit­tauer Frei­funk in­ves­tie­ren wir viel Zeit in die Lö­sung die­ses Problems.


One Response to “Identifikation via IP-Adresse ist unsicher”

  1. nise81.com » Vorratsdatenspeicherung gekippt und gefördert Says:

    [...] ge­kippt und ge­för­dert :: Die Neiße bei Zit­tau twit­tert :: Sach­sen­Por­talU - "U" wie was denn? :: Iden­ti­fi­ka­tion via IP-​​Adresse ist un­si­cher :: Wald 2.0 statt CO2.0 :::: Alle Ar­ti­kel der Kategorie [...]

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