Identifikation via IP-Adresse ist unsicher
In der WoÂchenÂzeiÂtung Die Zeit erÂschien ein ausÂgeÂzeichÂneÂter ArÂtiÂkel, der soÂwohl die PraÂxis der VorÂratsÂdaÂtenÂspeiÂcheÂrung, als auch die klägÂliÂchen NetzÂsperÂren ad abÂsurÂdum führt. Beide AnÂsätze baÂsieÂren auf der AnÂnahme VerÂdächÂtige bzw. strafÂfälÂlig geÂworÂdene PerÂsoÂnen anÂhand ihÂrer IP-Adresse zu idenÂtiÂfiÂzieÂren. Die IP-Adresse wird dyÂnaÂmisch vom InÂterÂnetÂanÂbieÂter bei der EinÂwahl ins InÂterÂnet verÂgeÂben und späÂtesÂtens nach 24 StunÂden geÂänÂdert. LeÂdigÂlich den ProÂviÂdern ist also beÂkannt, wem zu welÂchem ZeitÂpunkt eine beÂstimmte IP-Adresse zuÂgeÂwieÂsen wurÂden. Im Falle eiÂner im InÂterÂnet beÂganÂgeÂnen StrafÂtat oder eiÂnes ähnÂlich beÂgrünÂdeÂten VerÂdachts, könÂnen StrafÂverÂfolÂgungsÂbeÂhörÂden die ZuÂordÂnung von AnÂschlussÂinÂhaÂber und IP-Adresse beim ProÂviÂder erÂfraÂgen (UrG §101), da dieÂser selÂbige über sechs MoÂnate auf VorÂrat speiÂchern muss. Die SchlussÂfolÂgeÂrung, dass der AnÂschlussÂinÂhaÂber anÂhand der IP-Adresse für eine wie auch imÂmer geÂarÂtete StrafÂtat verÂantÂwortÂlich geÂmacht werÂden kann, verÂnachÂläsÂsigt die ReaÂliÂtät in der NutÂzung des InÂterÂnets, weil:
- sich in der ReÂgel mehÂrere PerÂsoÂnen (FaÂmiÂlie, MitÂbeÂwohÂner, Freunde) eiÂnen AnÂschluss teilen,
- sich fremde unÂbeÂmerkt des WLANs beÂmächÂtiÂgen könÂnen (WEP, WPA/2 VerÂschlüsÂseÂlunÂgen sind gar nicht bzw. nur beÂdingt sicher),
- SchadÂproÂgramme (ViÂren, MalÂware) unÂbeÂmerkt ilÂleÂgale InÂhalte aus dem InÂterÂnet laÂden könÂnen und
- unÂwillÂkomÂmene WerÂbeÂbotÂschafÂten (pop-ups, iframes, ...) ilÂleÂgaÂles MaÂteÂrial beÂzieÂhen können.
Hinzu komÂmen FehÂler bei der ErÂmittÂlung von IP-Adressen, die:
- rein menschÂliÂcher NaÂtur sein könÂnen (schließÂlich muss jeÂmand die auf VorÂrat geÂspeiÂcherÂten DaÂten durchsuchen)
- aufÂgrund der techÂniÂschen FunkÂtiÂonsÂweise von Peer-To-Peer SoftÂware nicht auf den VerÂurÂsaÂcher, sonÂder leÂdigÂlich auf die im TauschÂnetz inÂvolÂvierÂten RechÂner (auch DruÂcker und RouÂter) geÂschlosÂsen werÂden kann - und zwar unÂabÂhänÂgig von deÂren Aktivität.
AnÂgeÂsichts der derÂzeiÂtiÂgen GeÂsetÂzesÂlage stimÂmen diese techÂniÂschen FallÂstriÂcke bei der IdenÂtiÂfiÂzieÂrung von StrafÂtäÂtern anÂhand ihÂrer IP-Adresse nicht geÂrade zuÂverÂsichtÂlich, da selbst unÂbeÂteiÂligte und unÂschulÂdige ins ViÂsier der ErÂmittÂler geÂlanÂgen könÂnen. Falsch-Positiv-Annahmen äuÂßern sich für den BeÂtrofÂfeÂnen u.a. mit eiÂner teuÂren AbÂmahÂnung eiÂnes RechtsÂanÂwalts oder eiÂner HausÂdurchÂsuÂchung durch SonÂderÂeinÂsatzÂkräfte der Polizei.Â
DarÂaus erÂgibt sich die Frage, wie recht schafÂfende MenÂschen ohne umÂfangÂreiÂchen techÂniÂschen SachÂverÂstand vor solÂchen juÂrisÂtiÂschen SchwieÂrigÂkeiÂten, die sich aus der VorÂratsÂdaÂtenÂspeiÂcheÂrung erÂgeÂben, geÂschützt werÂden können?
AbÂgeÂseÂhen von der ForÂdeÂrung die VorÂratsÂdaÂtenÂspeiÂcheÂrung wieÂder einÂzuÂstelÂlen, gibt es nur techÂniÂsche LöÂsunÂgen dieÂses ProÂblems, die alle samt auf das AnÂonyÂmiÂsieÂren des DatenÂverÂkehrs hinÂausÂlauÂfen. Auch im ZitÂtauer FreiÂfunk inÂvesÂtieÂren wir viel Zeit in die LöÂsung dieÂses Problems.


March 2nd, 2010 at 21:46
[...] geÂkippt und geÂförÂdert :: Die Neiße bei ZitÂtau twitÂtert :: SachÂsenÂPorÂtalU - "U" wie was denn? :: IdenÂtiÂfiÂkaÂtion via IP-Adresse ist unÂsiÂcher :: Wald 2.0 statt CO2.0 :::: Alle ArÂtiÂkel der Kategorie [...]