27.01.2015

Geo Search Tool: Lokale Suche mit YouTube

Wenn sich die Welt mal wie­der schnel­ler dreht als die Me­dien dar­über be­rich­ten kön­nen, kann eine orts­be­zo­gene Su­che Ein­sich­ten ver­schaf­fen.
YouTube hat auf Grund­lage sei­ner ak­tu­el­len API nun eine Web-​​Anwendung na­mens Geo Se­arch Lo­cal ent­wi­ckelt, mit der die jüngs­ten Uploads in Ab­hän­gig­keit von Geo-​​Koordinaten oder Orts­na­men an­ge­zeigt wer­den. Die Su­che kann durch Such­be­griffe, den Ein­zugs­ra­dius von 1-​​1000 km und Zeit­räu­men zwi­schen ei­ner Stunde und ei­nem Jahr ein­ge­grenzt wer­den. In die Su­che ein­bes­zo­gen wer­den kön­nen je­doch nur Vi­deos, die mit Ortsangaben/​Geodaten ge­tagt sind.

Der­zeit kann man sich die zum Bei­spiel Vi­deos von den Kampf­hand­lun­gen in der Ost­ukraine su­chen. Aber auch die re­gio­nale Su­che in sehr länd­li­chen Re­gio­nen hat sei­nen Charme.

Der Quell­code ist bei git­Hub zu finden.

Geo Se­arch Local

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26.01.2015

In Ruhe forschen: Midreshed Ben-Gurion

Ein­gang zum Cam­pus des Ja­cob Blaustein In­sti­tut in Mid­res­het Ben-​​Gurion

Die schon am IHI Zit­tau ge­prie­sene Klein­heit kommt in Mid­res­het Ben-​​Gurion voll und ganz zum tra­gen. Die Wege sind kurz und al­les Le­bens­not­wen­dige ist ver­füg­bar. Mit 200 Stu­die­ren­den und 1600 Ein­woh­nern ist der Ort recht klein. Man kennt sich und grüßt dar­über hin­aus. Das Durch­schnitts­al­ter ist sehr ge­ring und die Ge­bur­ten­rate (wie übe­r­all im Land) mit 2,4 Kin­der pro Frau recht hoch. Hinzu kommt ein aus­ge­wo­ge­nes Maß an Ab­len­kung: Das Cafe und die zwei Bars ha­ben nicht je­den Tag ge­öff­net, wäh­rend mehre Sport­plätze, eine Turn­halle, ein Frei­bad und der Na­tio­nal­park zum Wan­dern ein­lädt. Be­mer­kens­wert ist die ge­lebte Schenk-​​ und Tau­schöko­no­mie: im Wasch­sa­lon fin­den sich täg­lich neue Ge­braucht­klei­der zum mit­neh­men; in ei­ner Open Li­brary kann man Bü­cher ein­stel­len und mit­neh­men; je­den Sams­tag or­ga­ni­sie­ren Leute ein Cafe mit selbst­ge­ba­cke­nen Ku­chen und Getränken.

Studenten-​​ und Gäs­te­häu­ser der Universität.

Auch die Un­ter­künfte sind klein, so dass man gar nicht in die Ver­le­gen­heit kommt ein Über­maß an Din­gen zu hor­ten, de­ren Pflege und Be­nut­zung Zeit be­an­sprucht.  Zu dritt be­woh­nen wir we­ni­ger als 30m². Jede Ecke des Rau­mes hat eine Funk­tion: Ko­chen, Ar­bei­ten, Schla­fen, Ausspannen/​Spielen, Bad. Der In­halt un­se­rer zwei Kof­fer füllt nicht ein­mal die Schränke, doch es fehlt uns an nichts.

Can­jon des Zin.

Am süd­li­chen Orts­rand er­streckt sich ein Tal, was sich Rich­tung Wes­ten zum Can­jon von En-​​Avdat ver­engt. Durch diese Mond­land­schaft bahnt sich ein paar mal im Jahr ein Fluss, oder bes­ser ge­sagt Wadi, na­mens Nahal Zin sei­nen Weg. Wir hat­ten das Glück die­ses Schau­spiel zu erleben.

Die ma­jes­tä­ti­schen Stein­bö­cke soll­ten sich ei­gent­lich im an­gren­zen­den Ben-​​Gurion Na­tio­nal­park tum­meln, statt des­sen zie­hen sie durch die Stra­ßen und plün­dern manch Garten.

Bun­ker.

So wie fast täg­lich Kampf­flug­zeuge ihre Pi­rou­et­ten über uns dre­hen, stellt auch der An­blick von Bun­kern et­was All­täg­li­ches dar. Diese muss­ten die Ein­woh­ner zu­letzt wäh­rend des Gaza-​​Konflikts im Som­mer 2014 auf­su­chen. Si­cher­heits­kon­trol­len an Bahn­hö­fen und Ein­kauf­zen­tren so­wie voll be­waff­nete Sol­da­ten, die zwi­schen ih­rer Ba­sis und dem Hei­mat­ort pen­deln, sind hier Nor­ma­li­tät. Die stän­dige Be­dro­hungs­lage führt je­doch auch zu ei­ner be­son­de­ren Für­sorge. Is­rae­lis pas­sen auf­ein­an­der auf und küm­mern sich um ihre Mit­men­schen. Das be­ginnt schon auf der Straße, wo man ein­an­der grüßt und den Blick­kon­takt sucht. Wer Hilfe be­nö­tigt, be­kommt sie ohne ein Nör­geln und in ei­ner zu­vor­kom­men­den Weise.

Ab­ge­se­hen von der na­tür­li­chen Grenze des Can­yon um­gibt ein Si­cher­heits­zaun den Ort.

Ein ech­ter Sand­platz mit Po­ten­tial zur Ver­grö­ße­rung des Spielfelds.

Mid­res­het Ben-​​Gurion ist also ein gu­ter Ort zum Experimentieren.

23.12.2014

Der Braune Hirsch aus Lübeck*

Die Kon­tro­verse über den Lü­be­cker Un­ter­neh­mer und Pro­fes­sor Win­fried Stö­cker ist im vol­lem Gange. Nach­dem Stö­cker in sei­nem Gör­lit­zer Ju­gend­stil­kauf­haus ein Be­ne­fiz­kon­zert zu­guns­ten von Flücht­lin­gen un­ter­sagt hatte, ka­ta­pul­tierte er sich in ei­nem In­ter­view mit der Säch­si­schen Zei­tung ins rechte Ab­seits. Ich zitiere:

  • "Mir sind aber so viele aus­län­di­sche Flücht­linge nicht willkommen."
  • Über die Flücht­linge aus Afrika: "Die rei­se­freu­di­gen Afri­ka­ner sol­len sich da­für ein­set­zen, dass der Le­bens­stan­dard in ih­rem Afrika ge­ho­ben wird, an­stelle bei uns bet­teln zu gehen."
  • "Vor zwan­zig Jah­ren ha­ben sich in Ru­anda die Ne­ger mil­lio­nen­fach abgeschlachtet."
  • "Aber sie [die Tür­ken] ha­ben nach mei­ner Auf­fas­sung kein Recht, sich in Deutsch­land fest­zu­set­zen und dar­auf hin­zu­ar­bei­ten, uns zu ver­drän­gen, dar­auf läuft es hin­aus, wenn nicht ge­gen­ge­steu­ert wird!"
  • "Viele Tür­ken kom­men auf ei­ner Ein­bahn­straße in un­ser Land, in­dem die El­tern ihre Kin­der ganz ge­zielt in Rich­tung Deutsch­land ver­hei­ra­ten, es hei­ra­tet nie­mand in die an­dere Richtung."

Der MDR gab Stö­cker nun die Ge­le­gen­heit seine Worte ins rich­tige Licht zu rü­cken. Da­bei mil­derte er seine Wort­wahl, ar­gu­men­tierte je­doch wei­ter ge­gen Zu­wan­de­rung und so­gar ge­gen das Weih­nachts­fest. Dies ge­fiel den Gör­lit­zern über­haupt nicht. Der OB Dei­nige kri­ti­sierte Stö­cker hef­tig. Der För­der­ver­ein des Kauf­hau­ses am De­mia­ni­platz löste sich kur­zer­hand auf. Ei­nige Emp­fän­ger von Stö­ckers Geld­ge­schen­ken, ga­ben das Geld zurück.

Die Gör­lit­zer ha­ben da­mit Mut be­wie­sen, ihre Werte nicht für das Geld ei­nes In­ves­tors zu ver­kau­fen. Doch am fi­nan­zi­el­len Tropf des Mä­zens hängt nicht nur Gör­litz. Viele wei­tere Kom­mu­nen so­wie so­ziale und kul­tu­relle Ein­rich­tun­gen lis­ten Stö­cker als Spon­sor und Un­ter­stüt­zer. So ist Win­fried Stö­cker bei­spiels­weise ein pri­va­ter Mä­zen der Bay­reu­ther Fest­spiele, des Lü­be­cker Thea­ters und der Sem­per­oper bzw. der Dresd­ner Staats­ka­pelle. Auch die Diakonie-​​Sozialwerk Lau­sitz und ** das Herrn­hu­ter Hos­piz un­ter­stützt er pri­vat oder im Na­men sei­ner Firma. Wahr­schein­lich för­dert er noch dut­zende an­dere Ein­rich­tun­gen. Es lässt sich nicht re­cher­chie­ren, denn er prahlt da­mit nicht. Im Be­son­de­ren wirkt Stö­cker in der Ge­gend von Bern­stadt und Herrn­hut. In Herrn­huts Orts­teil Ren­ners­dorf un­ter­hält Stö­cker ei­nen Stand­ort von Eu­ro­im­mun. In Bern­stadt ist er auf­ge­wach­sen, dort be­treibt er u.a. ei­nen Kin­der­gar­ten, ein Kul­tur­zen­trum (Kies­dorf) und das Tra­di­ti­ons­ho­tel "Brau­ner Hirsch".

Die Frage ist nun, wel­che die­ser Ein­rich­tun­gen und Kom­mu­nen den Mut auf­brin­gen, sich ge­gen Stö­ckers frem­den­feind­li­che und ras­sis­ti­sche Mei­nung zu stel­len. Vor al­lem die Stadt Herrn­hut*** mit ih­rer christ­li­chen und hu­ma­nis­ti­schen Tra­di­tion täte gut daran, ein Zei­chen der Nächs­ten­liebe und To­le­ranz aus­zu­sen­den. Herrn­hut würde ohne Zu­wan­de­rung der "rei­se­freu­di­gen" Glaubs­flücht­linge aus Böh­men und Mäh­ren gar nicht exis­tie­ren. Bern­stadt hat da­hin­ge­hend keine so starke Tra­di­tion und be­fin­det sich in ei­ner un­gleich grö­ße­ren Ab­hän­gig­keit von Eu­ro­im­mun und Stö­ckers En­ga­ge­ment. Den­noch ist es falsch, sich durch ein Schwei­gen ge­gen die nach Bern­stadt zu­ge­wan­der­ten Men­schen und die christ­li­che Tra­di­tion des auf klös­ter­li­chen Land ge­grün­de­ten Or­tes zu stellen.

** Up­date: Die Stif­tung Diakonie-​​Sozialwerk Lau­sitz hat die von W. Söcker er­hal­te­nen Gel­der laut Frau Ste­pha­nie Giert zu­rück­ge­ge­ben und konnte den Aus­fall durch an­dere Spen­der kompensieren.

*** Up­date: Eine An­frage bei der Stadt­ver­wal­tung blieb bis­lang unbeantwortet.

16.12.2014

PEGIDA und die Rufe der Überforderten

Me­dien und Po­li­tik kön­nen PEGIDA nicht grei­fen. Es gibt we­der ei­nen wah­ren An­füh­rer, noch Kom­pe­tenz­struk­tu­ren oder eine ge­rich­tete Kom­mu­ni­ka­tion nach Au­ßen. Alle de­mons­trie­ren und kom­men­tie­ren wie es ih­nen be­liebt und las­sen sich ei­nen Maul­korb ver­pas­sen, wenn sie von Me­di­en­ver­tre­tern di­rekt an­ge­spro­chen wer­den. Das dif­fuse Ram­pen­licht bei Face­book und auf den Stra­ßen und Plät­zen  för­dert da­bei ra­di­kale und ex­treme Ansich­ten zu­tage - wer am lau­tes­ten schreit, fin­det Be­ach­tung. In­zwi­schen hat auch der letzte ka­piert, dass die So­zia­len Netz­werke kaum mehr als ver­län­gerte Stamm­ti­sche sind.

Zu­nächst er­in­nert die­ses Chaos je­doch an an­dere Pro­test­be­we­gun­gen. Ohne feste Struk­tur stellte sich die spa­ni­sche Pro­test­be­we­gung Movimi­ento 15-​​M der Öffent­lich­keit - frei­lich mit hehe­ren Zie­len. Dort ro­tier­ten die Spre­cher täg­lich, wäh­rend in­tern sehr in­ten­siv de­bat­tiert und ab­ge­stimmt wurde. Auch die Pi­ra­ten­par­tei scho­ckierte die Me­dien durch eine un­ko­or­di­nierte Kom­mu­ni­ka­tion auf hun­der­ten Ka­nä­len (Wiki, Blogs, twit­ter, Mai­ling­lis­ten). Die an­ge­streb­ten ba­sis­de­mo­kra­ti­schen Grund­sätze ver­hin­der­ten selbst Stel­lung­nah­men der in­tern ge­wähl­ten Ver­tre­ter, wel­chen die Rolle von Ver­mitt­lern und Ver­wal­tern zu­ge­spro­chen wurde. Die Pi­ra­ten wa­ren in­halt­lich ähn­lich ho­mo­gen und fun­gier­ten lange Zeit als Sam­mel­be­cken di­ver­ser po­li­ti­scher, vor al­lem lin­ker Strö­mun­gen. 15-​​M und die Pi­ra­ten spra­chen sich je­doch für In­no­va­tio­nen aus. Bei PEGIDA über­wiegt eine kul­tur­pes­si­mis­ti­sche Grund­ein­stel­lung, die ich als Kern der Be­we­gung be­greife. Kul­tur­pes­si­mis­ten glau­ben an ei­nen stän­di­gen Ab­stieg von ei­nem gu­ten oder idea­len emp­fun­de­nen Ur­zu­stand. Ins­be­son­dere der Fort­schritt in al­len Kul­tur­be­rei­chen wird pes­si­mis­tisch ge­se­hen. Da­bei geht es nicht al­lein um den tech­ni­schen, son­dern ins­be­son­dere den da­mit im­mer ein­her­ge­hen ge­sell­schaft­li­chen Fort­schritt. An­hand der fol­gen­den vier Bei­spiele möchte ich diese Denk­weise ver­su­chen zu erklären:

  • Su­pra­na­tio­nale De­mo­kra­tie und Staats­we­sen: Die Kom­ple­xi­tät der fö­de­ra­len und bun­des­deut­schen Staats­form mit  sei­nen Gre­mien, Pro­zes­sen und Ge­set­zen wird durch Ein­bin­dung in die EU noch ein­mal über­trof­fen. Wie Leo­pold Korr und Kurt Schu­ma­cher schon pre­dig­ten, wün­schen sich nicht we­nige ein Eu­ropa der (über­schau­ba­ren) Re­gio­nen. Die Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gun­gen in Schott­land, Bas­ken­land und Fla­men ge­ben Bei­spiele da­für ab.
  • Plu­ra­lis­ti­sche Ge­sell­schaft: Eine Viel­falt an Kul­tu­ren, Spra­chen, Re­li­gio­nen, po­li­ti­schen Ge­sin­nun­gen, Gen­de­ri­sie­rung und nicht zu­letzt an Le­bens­ent­wür­fen ge­hört zu un­se­rem All­tag. Wer da­mit zu­recht kom­men möchte, be­nö­tigt ei­nen dif­fe­ren­zier­ten Über­blick über das ge­sell­schaft­li­che Spek­trum und vor al­lem Em­pa­thie für die An­ders­den­ken­den. Die Fä­hig­keit zur Em­pa­thie ist in An­be­tracht von Krie­gen, Post-​​Kolonialismus und Um­welt­zer­stö­rung zentral.
  • Glo­ba­ler Wett­be­werb: Un­ter­neh­men se­hen sich ei­nem glo­ba­len Wett­be­werb kon­fron­tiert und agie­ren ebenso glo­bal. Die Ar­beit­neh­mer­frei­zü­gig­keit in Eu­ropa hat die­sen Wett­be­werb auch auf dem Ar­beits­markt über­tra­gen. Vor­aus­set­zung für die­sen Wett­be­werb sind die tech­ni­schen Mit­tel zur Kom­mu­ni­ka­tion und Mobilität.
  • Automatisierung/​Digitalisierung: Die Au­to­ma­ti­sie­rung in der Pro­duk­tion und die Di­gi­ta­li­sie­rung im Dienst­leis­tungs­sek­tor for­dert Ar­beits­plätze von we­ni­ger qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal. Die Ver­drän­gung des Men­schen durch Ma­schi­nen ver­langt den Be­trof­fe­nen die Fä­hig­keit zur Be­herr­schung Ma­schi­nen ab. Nicht je­der ist dazu im Stande. Wer Tech­no­lo­gie nicht be­herrscht, wird von ihr mit­be­herrscht (z.B. NSA, Daten­schutz im So­cial Web, Fahr­zeug­na­vi­ga­tion, ect.). Pro­ble­ma­tisch ist da­bei ins­be­son­dere die Ge­schwin­dig­keit der Vor­gänge, na­ment­lich die kur­zen Innovations-​​ und Pro­dukt­zy­klen, aber auch ra­san­ten Ab­läufe wie im elek­tro­ni­schen Bör­sen­han­del (vgl. Paul Vi­rillo).

Die Über­for­de­rung mit dem wirt­schaft­li­chen, tech­no­lo­gi­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen wie auch dem ge­sell­schaft­li­chen Fort­schritt wälzt PEGIDA ins­be­son­dere auf Asyl­be­wer­ber ab. Asyl­su­chende sind in un­se­rer Ge­sell­schaft am schlech­tes­ten ge­stellt. Sie wer­den schlecht fi­nan­ziert, be­sit­zen kaum Be­we­gungs­frei­heit, ha­ben kein Recht auf Ar­beit und sind von der  de­mo­kra­ti­schen Teil­habe aus­ge­schlos­sen. Und sie sind in der Min­der­heit. Sie kön­nen sich zah­len­mä­ßig ohne un­sere Un­ter­stüt­zung nicht (po­li­tisch) weh­ren. Die ein­gangs ge­nann­ten vier kul­tur­pes­si­mis­ti­schen Per­spek­ti­ven fin­den sich mehr oder we­ni­ger ver­steckt in den Kom­men­ta­ren und auf den Trans­pa­ren­ten von PEGIDA wie­der: Eu­ropa soll die Ein­wan­de­rungs­po­li­tik neu re­geln; die eth­ni­sche Her­kunft soll im Straf­recht be­rück­sich­tigt wer­den; usw.

Ich denke es ist wich­tig die­sen Aus­druck von Über­for­de­rung ernst zu neh­men und von den Pa­ro­len zu ab­stra­hie­ren. Es gibt in Deutsch­land bis­wei­len keine Par­tei, die sich ge­gen den Fort­schritt stellt. Nicht ein­mal die Wachs­tums­kri­ti­ker stel­len sich ge­gen so­ziale oder tech­ni­sche In­no­va­tio­nen. Dies wäre auch eine un­pas­sende Ant­wort die be­ste­hen­den Pro­bleme welt­weit (z.B. Mill­en­nium Ent­wick­lungs­ziele, Kyoto-​​Ziele, ect.).

Die Glo­ri­fi­zie­rung des Gest­ri­gen (Ostalgie/​DDR) und das ty­pisch deut­sche "frü­her war al­les bes­ser" kocht übri­gens nicht zum ers­ten mal hoch. Be­reits Hit­ler knüpfte ar­gu­men­ta­tiv an die Zeit vor dem 1. Welt­krieg an und schon wäh­rend der We­ber­auf­stände im 18. und 19. Jahr­hun­dert ga­ben die ar­beits­los ge­wor­de­nen We­ber den Ma­schi­nen und Fa­bri­kan­ten die Schuld an ih­rer (nicht un­be­dingt selbst­ver­schul­de­ten) Mi­sere. Es gibt si­cher tref­fen­dere Bei­spiele aus der Ge­schichte, von de­nen wir hier in Dres­den und Sach­sen ler­nen kön­nen, wie ein über­for­der­tes Volk zu ei­nem bür­ger­lich li­be­ra­le­ren Kurs fin­den kann.

26.11.2014

Final submission of 9 interaction design patterns for video learning environments

Yes­ter­day I fi­nis­hed my 10 month work on two pa­pers for the Eu­ro­pean Con­fe­rence of Pa­tern Lan­gua­ges of Pro­grams 2014, held at Ir­see Monastry/​Bavaria. When sub­mit­ting con­fe­rence pa­pers the num­ber of ex­ter­nally trig­ge­red re­vi­si­ons of your pa­per is lo­wer or equal then two. Once the re­viewer pro­vi­des a feed­back you can in­cor­po­rate it in your pa­per. Sel­dom the edi­tor needs to ad­vice you to ful­fil the aut­hors gui­de­lines.
At Eu­ro­PLoP you get gui­ded by a she­pherd that pro­vi­des you feed­back on four to five ite­ra­ti­ons be­fore sub­mit­ting the pa­per for the con­fe­rence. That means hard work on the text.
But it co­mes even bet­ter when you get the chance to hear others dis­cus­sing our pa­per in one of the wri­ters work­shops at the con­fe­rence. Any de­fence of the aut­hors points of view or back­ground con­side­ra­ti­ons is preven­ted in or­der to ob­tain the mes­sage that other re­a­ders ob­tain from your writ­ten work.

Maybe more in­te­res­ting is the re­sul­ting con­tent of the two pa­pers I've submitted.

In­ter­ac­tion de­sign pat­terns for in­ter­ac­tive vi­deo play­ers in video-​​based learning environments

This pa­per is about in­ter­ac­tion de­sign pat­terns that de­scribe com­mon so­lu­ti­ons of reoc­cur­ring pro­blems in the de­sign and de­ve­lop­ment of video-​​based learning en­viron­ments. The pat­terns are or­ga­ni­zed in two lay­ers. The first layer in­cor­po­ra­tes the mi­cro in­ter­ac­tivity in the vi­deo player its­elf. Any ma­ni­pu­la­tion that ef­fects the pre­sen­ta­tion wi­t­hin the vi­deo or in­ter­ve­ning its play­back is part of the micro-​​level of in­ter­ac­tivity. Cur­rently, 17 pat­terns have been iden­ti­fied for that layer. Five of them will be ob­ject of that ar­ti­cle: An­no­ta­ted Ti­me­line, Clas­si­fied Marks, Play­back Speed, User Tra­ces, and Vi­sual Sum­mary.
The se­cond layer of the pat­tern lan­guage con­sists of 12 pat­terns that de­scribe in­ter­ac­tivity on a macro-​​level. Macro in­ter­ac­tivity com­pri­ses all ma­ni­pu­la­ti­ons con­cerning one or more vi­deos as a whole. That does not in­clude the play­back but the or­ga­ni­sa­tion and struc­ture of the vi­deo learning environment.

In­ter­ac­tion de­sign pat­terns for de­sign and de­ve­lop­ment of vi­deo learning environments

This pa­per is about in­ter­ac­tion de­sign pat­terns that de­scribe com­mon so­lu­ti­ons of reoc­cur­ring pro­blems in the de­sign and de­ve­lop­ment of video-​​based learning en­viron­ments. The pat­terns are or­ga­ni­zed in two lay­ers. The first layer in­cor­po­ra­tes the mi­cro in­ter­ac­tivity in the vi­deo player its­elf. Any ma­ni­pu­la­tion that ef­fects the pre­sen­ta­tion wi­t­hin the vi­deo or in­ter­ve­ning its play­back is part of the micro-​​level of in­ter­ac­tivity. Cur­rently, 17 pat­terns have been iden­ti­fied for that layer. Five of them will be ob­ject of that ar­ti­cle: An­no­ta­ted Ti­me­line, Clas­si­fied Marks, Play­back Speed, User Tra­ces, and Vi­sual Sum­mary.
The se­cond layer of the pat­tern lan­guage con­sists of 12 pat­terns that de­scribe in­ter­ac­tivity on a macro-​​level. Macro in­ter­ac­tivity com­pri­ses all ma­ni­pu­la­ti­ons con­cerning one or more vi­deos as a whole. That does not in­clude the play­back but the or­ga­ni­sa­tion and struc­ture of the vi­deo learning environment.

26.11.2014

Unser Vortrag zum HDS.Forum 2014 an der TU Bergakademie Freiberg

Reich­lich spä­ter, aber im­mer­hin über­haupt noch on­line, kom­men hier un­sere Fo­lien, die wir beim HDS.Forum am 7. No­vem­ber zum bes­ten ga­ben. Die Mes­sage des Vor­trags lau­tet: Be­rück­sich­tige die W3C-​​Standards nicht nur bei der Ent­wick­lung von Vi­deo Play­ern, son­dern auch bei der Er­stel­lung au­dio­vi­su­elle Lern­in­hal­ten. Vi­deos sind nicht bar­rie­re­frei, kön­nen je­doch durch Un­ter­ti­tel, Tran­skrip­tio­nen und eine an­pass­bare Wie­der­ga­be­ge­schwin­dig­keit we­sent­lich bes­ser ge­nutzt wer­den. Die Ziel­gruppe sind hier in ers­ter Li­nie Ler­nende ge­we­sen, die die im Vi­deo vor­herr­schende Spra­che nicht per­fekt be­herr­schen. Ihr Workload mit den fremd­spra­chi­gen Vi­deos un­ter­schied sich si­gni­fi­kant zu dem ih­rer deut­schen Kom­mi­li­to­nen. Um ei­nen wirk­lich bar­rie­re­freien Vi­deo­player zu ge­stal­ten, muss man ne­ben die­sen sprachlich/​auditiven As­pek­ten, ein ver­stärk­tes Au­gen­merk auf die vi­su­el­len In­halte le­gen (z.B. Vi­deo­qua­li­tät, Lupe zur Ver­grö­ße­rung, Fil­ter zur Ver­stär­kung von Kontrasten).

Für mich war dies hier nur ein ers­ter Aus­flug in das Span­nungs­feld bar­rie­re­freier Lern­tech­no­lo­gien. In drei Feld­stu­dien ha­ben wir meh­rere zehn­tau­sens Daten­sätze ge­sam­melt, die da­hin­ge­hend noch nicht aus­rei­chend un­ter­sucht wor­den. Um va­lide Emp­feh­lun­gen für die Ge­stal­tung von Vi­deo­play­ern und Video-​​CMS ge­ben zu kön­nen, müs­sen wir um­fas­sen­dere Usability-​​Untersuchungen durchführen.

5.11.2014

Sprachbarrieren bei der Rezeption von Lernvideos?

Am Frei­tag, dem 7. No­vem­ber 2014, wer­den Ste­fa­nie Sei­fert und ich beim HDS.Forum an der TU Berg­aka­de­mie Frei­berg über Sprach­bar­rie­ren bei der Re­zep­tion von Lern­vi­deos re­fe­rie­ren. Das HDS.Forum steht die­ses Jahr un­ter dem Motto Medial.Digital.Ganz egal!?
Das die Sprach­kennt­nisse bei der Be­trach­tung von Lern­vi­deos nicht ganz egal sind, möch­ten wir an­hand von em­pi­ri­schen Da­ten zei­gen. In meh­re­ren Stu­dien hat­ten wir deutsch-​​ und eng­lisch­spra­chige Vi­deos Ko­hor­ten von deut­schen und aus­län­di­schen Stu­die­ren­den an­ge­bo­ten. Bei der Un­ter­su­chung, in wie weit die Teil­neh­mer in Grup­pen zu­sam­men­ar­bei­te­ten, be­merk­ten wir ei­nige in­ter­es­sante Un­ter­schie­den zwi­schen den deut­schen und aus­län­di­schen Stu­die­ren­den. So­wohl die Ak­ti­vi­tä­ten bei der Be­trach­tung der in­ter­ak­ti­ven Vi­deos, als auch die ge­samte Workload un­ter­schie­den sich maß­geb­lich zwi­schen bei­den Grup­pen.
Im Vor­trag möch­ten wir dar­auf ein­ge­hen, wel­che un­ter­stüt­zen­den Tech­no­lo­gien sich für die Be­ar­bei­tung von fremd­sprach­li­chen Vi­deos an­bie­ten. Wir be­zie­hen uns da­bei auf W3C-​​Standards für bar­rie­re­freie Me­dien und die ko­gni­ti­ven Theo­rien von Ri­chard E. Mayer. Ich knüpfe da­mit un­mit­tel­bar an die von mir die­ses Jahr bei der Eu­ro­PLOP dis­ku­tier­ten In­ter­ac­tion De­sign Pat­terns für Vi­deo­lern­um­ge­bun­gen an.

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