1.06.2014

A Living Document: Leitfaden für ein Qualitätsmanagement bei der Durchführung von E-Learning Projekten

Meine Mo­ti­va­tion zur Be­hand­lung des Qua­li­täts­ma­nage­ment in E-​​Learning Pro­jek­ten ist ge­prägt von ei­ge­nen Er­fah­rung im Pro­jekt­ge­schäft. Ein ge­wis­ser Lei­dens­druck ent­stand da­bei an­ge­sichts sub­op­ti­ma­ler Pro­zesse im Hin­blick auf die Er­rei­chung gu­ter pro­jekt­be­zo­ge­ner und wis­sen­schaft­li­cher Er­geb­nisse. Hier nur ei­nige Bei­spiele wie­der­keh­ren­der Probleme:

  • in­ef­fi­zi­ente Nut­zung von Kommunikations-​​ und Kol­la­bo­ra­ti­ons­werk­zeu­gen (z.B. E-​​Mail-​​Flut, Versionschaos, ...)
  • un­prä­zise Ver­wer­tungs­pläne zur wirt­schaft­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und struk­tu­rel­len Nachnutzung/​Verwertung
  • ein­ge­schränkte Ver­wer­tung von Er­geb­nis­sen aus frü­he­ren Pro­jek­ten auf­grund feh­len­der Nutzungsrechte
  • un­struk­tu­rierte Daten­ab­lage, Li­te­ra­tur­ver­wal­tung, Ver­si­ons­ver­wal­tung, ect.
  • keine Daten­back­ups
  • un­ge­nü­gen­der Li­te­ra­tur­be­zug man­gels Be­kannt­heit der ent­spre­chen­den Com­mu­ni­tys und Literaturdatenbanken
  • Un­klar­heit bei der An­bah­nung von Kooperationen
  • un­ver­schlüs­selte, per­so­nen­be­zo­gene Da­ten von Leh­ren­den und Studierenden
  • ethisch/​juristisch kor­rek­ter Um­gang mit Da­ten stu­den­ti­scher Probanden
  • clo­sed source statt open source
  • kein open data

Das Ziel be­steht darin, ei­nen Hand­lungs­leit­fa­den für die Durch­füh­rung von E-​​Learning-​​Projekten zu ent­wi­ckeln. Der Leit­fa­den dient der Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Or­ga­ni­sa­tion und Durch­füh­rung von Pro­jek­ten im The­men­be­reich E-​​Learning. Da­bei wer­den ein­zelne Pro­zesse be­trach­tet und im Hin­blick auf die Ent­wick­lung und Eta­blie­rung von Qua­li­täts­stan­dards er­läu­tert. Der Leit­fa­den ist un­ab­hän­gig von kon­kre­ten Pro­jek­ten und soll Pro­jekt­ver­ant­wort­li­che wie auch Mit­ar­bei­ter durch Check­lis­ten bei der Durch­füh­rung von E-​​Learning unterstützen.

In ge­wis­ser Weise ist die­ser Vor­stoß durch die Ent­wick­lung ei­nes pro­jekt­be­zo­ge­nen Leid­fa­den für das Qua­li­täts­ma­nage­ment im QPL-​​Projekt »Lehr­pra­xis im Trans­fer« (LiT) in­spi­riert. In LiT geht es darum, die ein­zel­nen hochschul-​​ und me­di­en­di­dak­ti­schen Maß­nah­men zur Be­ra­tung und Ver­net­zung säch­si­scher Leh­ren­der über die vier Hoch­schul­stand­orte hin­weg kla­rer zu de­fi­nie­ren und in An­be­tracht per­so­nel­ler Fluk­tua­tion bes­ser zu kom­mu­ni­zie­ren. Die Vor­ge­hens­weise zur Er­stel­lung ei­nes QM Leit­fa­dens kann man da­bei durch­aus auf an­dere Be­rei­che in For­schung und Lehre über­tra­gen. Mich per­sön­lich be­wegt da­bei die Durch­füh­rung von E-​​Learning Projekten.

Die An­re­gung die­ses Thema kom­plett nun im Web zu er­schlie­ßen und den Text kol­la­bo­ra­tiv zu pro­du­zie­ren er­hielt zu al­ler erst von Lev Ma­no­vich. L3T und an­dere Books­prints ge­hen da­bei ei­nen an­de­ren Weg, in dem ein­zelne Bei­träge zu­sam­men­ge­fügt wer­den. Ich will je­doch al­les, vom ers­ten Ent­wurf bis hin zur Pu­bli­ka­tion ein­zel­ner Ver­sio­nen im Web ab­bil­den. Den letz­ten An­stoß dazu gab mir der re:publica Vor­trag von Kaja Sche­liga, Sönke Bart­ling und Lam­bert Hel­ler.

Ak­tu­ell ist das Do­ku­ment nur ein paar Sei­ten lang. Eine Glie­de­rung liegt vor und je­der der will, ist ein­ge­la­den das Vor­han­dene zu kom­men­tie­ren oder sich bei mir als Au­tor frei­schal­ten zu las­sen. Hier gehts zum Dokument.

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12.05.2014

Das Netz und die Lobokassine sind bedroht. Spendet Leute, spendet!


Di­gi­tale Ge­sell­schaft e.V.
di­gi­tal­cou­rage e.V.

3.05.2014

Meine Empfehlungen zum Neißefilmfest: Open Access, Liga Terezin, Sieniawka

Zum 11. mal und wie­der kaum zu über­tref­fen: das räum­lich ver­teilte und rau­mum­span­nende Film­fest im Drei­län­der­eck Po­len, Tsche­chien, Deutsch­land. Ja, DAS Neis­se­film­fest. Es lohnt im Pro­gramm zu stö­bern. Ich möchte ei­nige Filme emp­feh­len, wenn­gleich ich nicht im­mer die Ge­le­gen­heit ha­ben werde, sie zu sehen:

Vid­kryty Dos­tup /​ Open Ac­cess
Die po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Eta­blie­rung von Open Ac­cess schrei­ten hier­zu­lande mit gro­ßen Schrit­ten voran. Wie es in ei­nem nicht-​​so-​​westlichen Land darum be­stellt ist, ver­spricht die­ser Film zu er­zäh­len. Da es um die Ukraine geht, dürfte die an­schlie­ßende Dis­kus­sion Oleksan­dra Bie­nert und An­dreas Schön­fel­der in mehr­fa­cher Hin­sicht in­ter­es­sant wer­den.
UA 2013 | 98 min | BR | OF + eUT + dtÜ
Siehe auch NGO Centre UA
09.05. 20.00 h KUNSTBAUERKINO 2, GROHEDO

Im Jahr 2011 wurde das Ge­setz des Zu­gangs zu öffent­li­chen In­for­ma­tio­nen in der Ukraine ver­ab­schie­det. Zu ei­nem Zeit­punkt, wo die de­mo­kra­ti­schen Rechte igno­riert wur­den und die Kor­rup­tion wu­cherte, be­schlos­sen fünf Fil­me­ma­cher, das Sys­tem her­aus­zu­for­dern. Der Man­gel an Trans­pa­renz und Ver­ant­wor­tung durch die An­füh­rer des Lan­des und de­ren Gleich­gül­tig­keit und Igno­ranz - das ist, was die Do­ku­men­ta­tio­nen be­zeu­gen. Die Prot­ago­nis­ten le­ben in ver­schie­de­nen Tei­len der Ukraine. Was sie ver­bin­det aber ist der Wunsch, den Zu­gang zu freien In­for­ma­tio­nen zu schaf­fen. Diese An­tho­lo­gie be­inhal­tet: “Mez­hy­hirya”, “Af­gha­ni­scher Kriegs­ve­te­ran”, “Schule”, “Haus der Chi­mä­ren”, “In Bedrängnis”.

 

Liga Tere­zin
An­ge­sichts des dies­jäh­ri­gen Schwer­punkt auf dem jü­di­schen Le­ben in Ost(und Mittel?)europa er­warte ich mir von die­sem Film nicht nur Er­kennt­nisse für meine Ar­beit am in­ter­ak­ti­ven Film(projekt) „The­re­si­en­stadt ex­plai­ned“. Liga Tere­zin er­zählt eine un­glaub­li­che Ge­schichte vom Fuß­ball im KZ The­re­si­en­stadt wohl auch vom Ver­such zu ei­nem All­tag zu finden.

IL 2012 | 52 min
10.05. 11.00 h KUNSTBAUERKINO 2, Großhennersdorf

Von 1942 bis 1944 tru­gen jü­di­sche Häft­linge un­zäh­lige Fuß­ball­spiele auf im­pro­vi­sier­ten Spiel­fel­dern in un­mit­tel­ba­rer Nähe ih­rer Ba­ra­cken im Ghetto The­re­si­en­stadt aus. Es war der Ver­such, sich der trau­ri­gen Rea­li­tät ih­rer auf­ge­zwun­ge­nen Not­lage ent­ge­gen zu stem­men. Die Na­zis mach­ten da­von Film­auf­nah­men, um sie für Pro­pa­gan­da­zwe­cke zu nut­zen. Aus­ge­hend von die­sen Auf­nah­men spannt der Film ei­nen Bo­gen zu ak­tu­el­len an­ti­se­mi­ti­schen Ten­den­zen in hol­län­di­schen Stadien.

Sie­niawka
D/​PL 2013, 126 min., DCP OF dt UT
08.05. 15.00 h KRONENKINO, ZITTAU
In der Um­ge­bung von Zit­tau kann ich mir kaum ei­nen mis­te­riö­se­ren Ort vor­stel­len, als den ehe­ma­li­gen Ka­ser­nen­kom­plex in Sie­niawka (ehm. Klein­schö­nau). Das An­we­sen ist vie­len noch als Sitz des Kraft­ver­kehrs und Tank­stelle be­kannt.. Man­che wis­sen um die Ge­schichte als Pro­duk­ti­ons­ort der ers­ten Dü­sen­trieb­werke durch die Firma Jun­kers im Jahre 1945. Nur we­nige sind da­ge­gen mit der düs­te­ren Ver­gan­gen­heit als Ent­bin­dungs­heim von Groß-​​Rosener KZ-​​Häftlingen, dem Wir­ken von Dr. Men­gele und an­dern SS-​​Größen so­wie der Nut­zung als La­ger des so­wje­ti­schen NKWD ver­traut. Ei­nige En­thu­si­as­ten ver­mu­ten in den un­ter­ir­di­schen Pro­duk­ti­ons­stät­ten Na­zi­schätze, wie das Bern­stein­zim­mer. In die­sem Film geht es je­doch um die heute dort zu fin­dende Psychatrie.

Ein Ta­ge­bau, ein her­um­streu­nen­der Kos­mo­naut. Eine Be­treu­ungs­an­stalt für psy­chisch Norm­ab­wei­chende. Erst Es­sens­aus­gabe im Spei­se­saal, dann Zi­ga­ret­ten­aus­gabe im Rau­cher­zim­mer. Luft­ten­nis im Gar­ten und ein al­tes Kino aus Vor­kriegs­zei­ten.
Ein aus der Zeit ge­fal­le­ner Ort na­mens Sie­niawka, be­kannt für sei­nen Grenz­über­gang und für eine lo­kale Psych­ia­trie an der polnisch-​​deutschen Grenze bil­det das schwe­re­lose Zen­trum die­ses ki­ne­ma­to­gra­fi­schen Bil­der­mo­no­liths. Eine ex­pe­ri­men­telle Mi­schung aus Science-​​Fiction und Do­ku­drama. Sie­niawka, 5 Mi­nu­ten Fuß­weg von Zit­tau ent­fernt - Le­ben auf ei­nem frem­den Stern.

Dar­über hin­aus:
- Ru­blak. Die Le­gende vom ver­mes­se­nen Land (08.05. 20.00 h KULTURFABRIK, MITTELHERWIGSDORF)
- One Fine Line (09.05. 17.30 h KUNSTBAUERKINO 1, GROHEDO)

1.05.2014

[poster] 'Theresienstadt explained' beim 8. Deutsch-Tschechischen Jugendtreffen in Teresin/CZ

Die­ses Pos­ter hat­ten wir beim 8. Deutsch-​​Tschechischen Jug­entref­fen in Teresin/​CZ da­bei. Vor Ort in der KZ-​​Gedenkstätte The­re­si­en­stadt ha­ben wir auch den ers­ten Pro­to­ty­pen des in­ter­ak­ti­ven Lern­me­di­ums 'The­re­si­en­stadt ex­plai­ned' vorgestellt.

27.04.2014

Crowdfunding in der Wissenschaft: The Good, the Bad and the Ugly

Als ich vor ei­nem Mo­nat ge­fragt wurde über meine Er­fah­run­gen im Crowd­fun­ding für ein For­schungs­pro­jekt in ei­ner der E-​​Science Sa­x­ony Lec­tures zu be­rich­ten, habe ich die­sen Blog­post bis heute zu­rück­ge­hal­ten. Ich wollte nichts vor­weg neh­men. Im fol­gen­den schreibe ich nun meine Er­fah­run­gen nie­der, die trotz er­folg­rei­cher Fi­nan­zie­rung des Pro­jekts The­re­si­en­stadt ex­plai­ned recht kri­tisch aus­fal­len. Mir ging es da­bei auch um ei­nen Ver­gleich zur kon­ven­tio­nel­len Fi­nan­zie­rung von For­schungs­pro­jek­ten durch so­ge­nannte Dritt­mit­tel.  Als Fa­zit halte ich fest:

  • Der Auf­wand ist im­mens hoch,
  • Als For­scher un­ter­liegt man ei­ner öko­no­mi­schen Verselbstständigung.
  • Der früh­zei­tige Dia­log mit Nutz­nie­ßern des For­schungs­vor­ha­ben be­ein­flusst das Er­geb­nis positiv.

The Good

#1: Das Gute zeigt sich in den zwei Sei­ten der Me­daille des Crowd­fun­dings: ei­ner­seits kann man da­mit Vor­ha­ben fi­nan­zie­ren und an­de­rer­seits sel­bige auch be­kannt ma­chen. Wäh­rend mei­ner Kam­pa­gne habe ich über 160 E-​​Mails ver­sen­det, dut­zende Leute via twit­ter und ei­nige blog posts ge­schrie­ben an­ge­schrie­ben. So­mit bin ich früh­zei­tig mit der Ziel­gruppe in Kon­takt ge­tre­ten, die von un­se­ren Er­geb­nis­sen ein­mal pro­fi­tie­ren sollen.

#2: Ohne die Kam­pa­gne wäre ich viel­leicht nicht so früh und of­fen­siv an die Öffent­lich­keit ge­gan­gen. Übli­cher Weise war­tet man, bis die fi­na­len Er­geb­nisse vor­lie­gen und meh­rere Prü­fun­gen durch­lau­fen ha­ben. Da­mit ha­ben wir uns ei­ner­seits ver­sucht, dass un­sere Pro­jekt­ziel und der Weg der Um­set­zung auf Zu­stim­mung sto­ßen. An­de­rer­seits konn­ten wir da­durch auch die Prin­zi­pien ei­nes Par­ti­zi­pa­ti­ven De­signs an­wen­den, in dem An­wen­der un­sere Pro­dukt­ent­wick­lung be­glei­ten und uns hel­fen ite­ra­tiv zu überarbeiten.

#3: Tere­zin ex­plai­ned brachte mir ei­nige wich­tige Kon­takte für Vor­träge und Vor­stel­lun­gen der Pro­jekt­er­geb­nisse. Aber auch wei­tere Quel­len für die Pro­jek­tum­set­zung er­reich­ten mich über diese Ka­näle und durch die Re­cher­che nach po­ten­zi­el­len Unterstützern.

#4: Po­si­tiv sind die vie­len wert­vol­len Hin­weise der startnext-​​crew her­vor­zu­he­ben. Die ha­ben sich ge­nau an­ge­guckt, was ich da zu erst in eng­lisch und dann auf deutsch ge­schrie­ben habe. Da­bei lernte ich den kon­stru­ier­ten, aber steu­er­recht­lich wich­ti­gen Un­ter­schied zwi­schen Spende und Un­ter­stüt­zung kennen.

#5: Sehr ent­ge­gen­kom­mend ist die re­la­tive Frei­zü­gig­keit in der Ver­wen­dung der Mit­tel im Sinne des Pro­jekt­ziels. Das Bud­get ist we­der ein­zel­nen Pos­ten zu­ge­ord­net, noch wer­den die Aus­ga­ben durch ein­zu­ho­lende An­ge­bote bü­ro­kra­tisch er­schwert. In un­se­rem Fall be­deu­tet dies zum Bei­spiel, dass wir uns Gut­ach­ten von Ex­per­ten be­stel­len kön­nen oder viel­leicht noch ei­nen De­si­gner beauftragen.

The Bad

Die erste Ent­täu­schung hat nichts mit start­next zu tun. Ich wollte die Kam­pa­gne ei­gent­lich bei kick­star­ter in­iti­ie­ren, um die gro­ßen Jü­di­schen Ge­mein­den in den USA bes­ser er­rei­chen zu kön­nen. kick­star­ter ist je­doch auf Per­so­nen mit Wohn­sitz in den USA be­schränkt, die zu­dem ne­ben ei­nem Bank­konto auch eine Kre­dit­karte dort vor­wei­sen müs­sen. Diese Bar­riere konn­ten meine bes­ten Kon­takte in die Staa­ten nicht aus­he­beln. Die deut­sche Al­ter­na­tive zu kick­star­ter war aus lo­kal­pa­trio­ti­scher Sicht keine Schlechte: das Un­ter­neh­men start­next ist in Dres­den re­gis­triert. Wer je­doch denkt bei start­next schnell zum Zuge zu kom­men, sollte bes­ser eine Web­seite auf­set­zen und mit ei­nem PayPal-​​Spendenaufruf verbinden.

#1: Der Pro­zess von der An­mel­dung über die Start­phase bis zu den ers­ten Un­ter­stüt­zun­gen kos­tete mich über ei­nen Mo­nat Zeit und Ner­ven. Zeit be­an­spruchte we­ni­ger die Be­schrei­bung des Vor­ha­bens (2h) und die Pro­duk­tion zweier Vi­deos (2h + 3h), son­dern die viel­leicht ty­pisch deut­sche In­ter­net­bü­ro­kra­tie in ei­nem Sys­tem aus von ein­an­der ab­hän­gi­gen Ge­neh­mi­gun­gen und Sta­tus­wech­seln. Der Name ist Pro­gramm und sollte re­kur­siv als [you could] start [ if you ful­fil our] next [re­qui­re­ment] ver­stan­den werden.

#2: Neu­land war für mich das Pitch-​​Video, in dem man sich mit sei­ner Idee per­sön­lich den mög­li­chen Un­ter­stüt­zern vor­stellt. Ob­wohl ich be­reits zwei mal sol­che Vi­deos (1, 2) pro­du­ziert hatte, war ich mit dem Er­geb­nis nicht son­der­lich zu­frie­den. Ein gu­tes Pitch-​​Video in ei­ner ver­tret­ba­ren Zeit zu pro­du­zie­ren ist durch­aus eine Her­aus­for­de­rung. Die Kom­pe­tenz, die ei­gene For­schung in Form ei­nes Vi­deos dar­zu­stel­len ist zwar seit ei­ni­gen Jah­ren auf Ta­gun­gen im Be­reich Hu­man Com­pu­ter In­ter­ac­tion ge­fragt, doch dar­über hin­aus kaum ver­brei­tet. Wer kann mir ei­nen Kurs „How to pro­duce a sci­en­ti­fic Pitch-​​Video“ empfehlen?

#3: Als je­mand, der es ge­wohnt ist keine Be­die­nungs­an­lei­tun­gen zu le­sen über­raschte mich die er­zwun­gene Start­phase, in der man un­ter den re­gis­trier­ten Nut­zern (= Pro­jek­t­in­itia­to­ren) eine be­stimmte An­zahl re­la­tiv zum be­nö­tig­ten Geld­be­trag ein­ho­len musst. 25 Fans sollte ich fin­den. Nach ei­ner Zeit stellte ich fest, dass das Prin­zip Ge­ben und Neh­men greift und man ein­fach nur ein paar an­dere Pro­jekte gut­hei­ßen muss, um Fans zu sam­meln. Das hätte man sich auch spa­ren kön­nen. Oder be­steht da ein Ne­ben­ziel von start­next darin, Au­ßen­ste­hende zur Re­gis­trie­rung zu bewegen?

#4: Auf­wand und Nut­zen stan­den in mei­nem Fall in kei­nem gu­ten Ver­hält­nis. In An­be­tracht von gut 60 Ar­beits­stun­den in ei­nem Zeit­raum von 75 Ta­gen, müsste der För­der­be­trag ei­gent­lich hö­her an­ge­setzt wer­den. Ab­ge­se­hen von der Ent­wick­lung des Kon­zepts in­klu­sive Vi­deos, schlägt vor al­lem der Auf­wand für die Kom­mu­ni­ka­tion (Re­cher­che von Mul­ti­pli­ka­to­ren, Mail­ver­kehr) und die Be­ob­ach­tung der Fi­nan­zie­rungs­phase zu Bu­che. Auch die Ab­schluss­phase, in der man die Un­ter­stüt­zer über den Stand des Pro­jekts in­for­mie­ren und schluss­end­lich mit Dan­ke­schöns be­lie­fert, kos­tet noch ein­mal ex­tra Zeit. Um fest­zu­stel­len, wel­cher Auf­wand ge­recht­fer­tigt ist, müsste man die Auf­wen­dung für das Crowd­fun­ding in der For­schung mit dem voll­stän­di­gen Zy­klus ei­nes Dritt­mit­tel­pro­jekts vergleichen.

The Ugly

#1: An­ge­sichts der zeit­ge­mä­ßen Skep­sis ge­gen­über der Ban­ken­bran­che wurde ich bei start­next mit ei­ner (mir) un­be­kann­ten Bank na­mens Fi­dor kon­fron­tiert. Wer sein Pro­jekt fi­nan­ziert be­kom­men will, kommt um Fi­dor nicht herum. Lei­der bie­tet start­next keine Al­ter­na­ti­ven bzw. stel­len die be­kann­ten Ban­ken keine Al­ter­na­tive zu Fi­dor dar, um das Geld der Un­ter­stüt­zer bis zum Zu­stan­de­kom­men der Fi­nan­zie­rung treu­hän­de­risch zu verwalten.

Per­sön­lich störte mich da­bei das et­was un­glück­lich ver­zahnte Pro­ce­dere bei der An­mel­dung die­ses Kon­tos und der Er­fül­lung der An­for­de­run­gen für den Wech­sel in die Start­phase bei start­next. Das Online-​​Ident-​​Verfahrung zur Ve­ri­fi­ka­tion mei­ner Iden­ti­tät zog sich al­lein über zwei Wo­chen. Grund wa­ren un­prä­zise An­ga­ben, wel­che Un­ter­la­gen für das Ver­fah­ren be­nö­tigt wer­den so­wie bank­bü­ro­kra­ti­sche War­te­zei­ten von drei Ta­gen je Revisionszyklus.

#2: Wer schon ein paar Jahr im Dritt­mit­tel­ge­schäft tä­tig ist und viel­leicht schon mehr als ein Dut­zend Arbeits-​​ bzw. Ver­län­ge­rungs­ver­träge un­ter­zeich­nen musste, dem dürf­ten die Par­al­le­len zu ei­ner selbst­stän­di­gen oder frei­be­ruf­li­chen Ar­beit be­kannt sein: Man be­wirbt sich um Aus­schrei­bun­gen, stellt Fi­nanz­pläne auf, prä­sen­tiert sich auf Mes­sen, be­schäf­tigt Sub­un­ter­neh­mer, ko­ope­riert mit un­ter­schied­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen, be­ar­bei­tet meh­rere Auf­träge gleich­zei­tig und be­schäf­tigt sich mit der Au­ßen­wir­kung in Ge­stalt von Web­sei­ten, Fly­ern und Pu­bli­ka­tio­nen. Der Un­ter­schied zwi­schen Wis­sen­schaft und Un­ter­neh­mer­tum schwin­det beim Crowd­fun­ding noch wei­ter. Dies be­trifft die per­sön­li­che Haf­tung und die kor­rekte Versteuerung.

Bei er­folg­rei­cher Fi­nan­zie­rung geht man ein per­sön­li­ches ge­schäft­li­ches Ver­hält­nis mit den Un­ter­stüt­zern ein. Wer also auf­grund von Krank­heit, Miss­er­folg, Fehl­pla­nung o.ä. nicht lie­fern kann, muss un­ter Um­stän­den das ge­samte Geld zu­rück­zah­len. Solch ei­nen Fall ist an­geb­lich noch nicht vor­ge­kom­men, doch theo­re­tisch muss man sich die­ses Ri­si­kos be­wusst sein.

Die zweite Klippe heißt Fi­nanz­amt. Für die Ver­wen­dung der Un­ter­stüt­zun­gen kann das Fi­nanz­amt eine Gewinn-​​ und Ver­lust­rech­nung for­dern. Die Ge­winne sind für Pri­vat­per­so­nen, Ein­zel­un­ter­neh­mer und Un­ter­neh­mer in Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten (GbR) einkommenssteuerpflichtig. Ge­winne sollte man da­her tun­lichst ver­mei­den. Das Crowdfunding-​​Budget ist zu­dem um­satz­steu­er­pflich­tig, so­fern man mit all sei­nen Um­sät­zen über 17.500 Euro hin­aus kommt. Spe­zi­ell muss man auch bei den Dan­ke­schöns auf­pas­sen und z.B. für eine Un­ter­stüt­zung von 300 Euro mehr als ein Gruß­wort oder eine Post­karte lie­fern. Steht ei­ner Un­ter­stüt­zun­gen keine geld­werte Leis­tung ge­gen­über, ist das als eine steu­er­pflich­tige Schen­kung zu be­trach­ten. Nicht um­sonst emp­fiehlt start­next ei­nen Steu­er­be­ra­ter heranzuziehen.

 

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