Die freiwillige Zugangserschwernis von Arcor

Geis­tert man durch die deut­sche Blog­welt, ist die ge­plante In­ter­net­zen­sur von Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin von der Leyen das Thema Num­mer 1. In die­sem Zu­sam­men­hang häu­fen sich auch die Mel­dun­gen über die frei­wil­li­gen Selbst­ver­pflich­tun­gen der In­ter­net­an­bie­ter diese Sper­ren ge­mäß den BKA-Vorgaben zu in­stal­lie­ren. Nach­dem Via­Jura be­reits über eine ver­leum­de­ri­schen Un­ter­stel­lun­gen sei­tens der DTAG be­rich­tet hat und auch auf netzpolitik.org ein um­fas­sen­der Ar­ti­kel zu Vod­a­fon er­schie­nen ist, will ich nun mit Ar­cor nachlegen:

Sehr ge­ehr­ter Herr xxx,
vie­len Dank für Ihre E-Mail vom 17.04.2009.

Seit dem 25.03.09 wird in den Me­dien über die Ein­rich­tung ei­ner frei­wil­li­genZu­gangs­er­schwer­nis zu kin­der­por­no­gra­phi­schen An­ge­bo­ten im Web be­rich­tet. Fünf Internet-Anbieter, dar­un­ter Vod­a­fone und Ar­cor, ha­ben sich bereiterklärt, der
Selbst­ver­pflich­tung zu folgen.

Wir begrüßen den Ka­bi­netts­be­schluss und ste­hen be­reit, die Ver­ein­ba­rung schnellstmöglich zu
un­ter­zeich­nen und die Zu­gangs­sper­ren dann auf Grund­lage der BKA-Liste um­zu­set­zen. Die
Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin hat in­ner­halb we­ni­ger Mo­nate ein drängendes Thema sehr kon­struk­tiv
an­ge­gan­gen und zu ei­ner schnel­len und gu­ten Um­set­zung geführt. Wir wa­ren im­mer sehr gut
ein­ge­bun­den und wer­den jetzt un­se­ren Bei­trag in der Um­set­zung leisten.

Ha­ben Sie wei­tere Fra­gen? Sie er­rei­chen un­se­ren Kun­den­ser­vice im In­ter­net un­ter
www.kunden.arcor.de oder te­le­fo­nisch un­ter der Num­mer 018 10 70 010*. Wir sind gerne für Sie
da!
Mit freund­li­chen Grüßen

Ihr Arcor-Team

Mit der Wahl des Wor­tes "Zu­gangs­er­schwer­nis" will Ar­cor den an­rü­chi­gen Be­griff der Zen­sur ver­mei­den und ge­steht da­mit gleich­zei­tig die tech­ni­sche Un­voll­kom­men­heit der ge­plan­ten Sperr­me­cha­nis­men ein. Ich bin mir der Tat­sa­che be­wusst, dass es keine ab­so­lut si­chere Sper­ren ge­ben kann, doch die Ein­gabe eine 12-stelligen Zif­fer in der Netz­werk­kon­fi­gu­ra­tion des PCs sehe ich nicht als aus­rei­chende Hürde an.
Selt­sam er­scheint mir, wa­rum dies­mal so viele Pro­vi­der, noch be­vor ein gül­ti­ger Ge­set­zes­be­schluss vor­liegt, sich frei­wil­lig zur Um­rüs­tung ih­rer DNS-Server ver­pflich­ten. Bei der Ein­füh­rung der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung stell­ten sich zu­nächst alle quer und jam­mer­ten über den ach so teu­ren Spei­cher. Für die Pro­vi­der sind DNS Blo­cka­den tech­nisch sehr ein­fach zu in­stal­lie­ren. Wenn­gleich Ar­cor hier auf eine enge Zu­sam­men­ar­beit mit dem Fa­mi­li­en­min­ste­rium ver­weist, frage ich mich, wa­rum es bei die­ser bil­li­gen tech­ni­schen Lö­sung ge­blie­ben ist. Wol­len sich die Pro­vi­der le­dig­lich als Wohl­tä­ter im Kampf ge­gen Kin­der­por­no­gra­phie brüs­ten und nichts in­ves­tie­ren? Da­von ver­spre­chen sich die In­ter­net­an­bie­ter wohl eine po­si­tive PR und wol­len da­mit der zu er­war­ten­den Ar­gu­men­ta­ti­ons­lo­gik (wer_nicht_sperrt_ist_selber_pädokriminell) vor­beu­gen. Nach der er­folg­rei­chen Online-Petition (ak­tu­ell 63308 Mit­zeich­ner) hat sich zu­min­dest letz­te­res als nach­tei­lige PR herausgestellt.

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