ars electronica 2009: DNA-Spielchen als Kunst?

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Der Kunst­welt der dies­jäh­ri­gen Ars geht das Gärt­nern so lang­sam in Fleisch und Blut über. Ge­nauer ge­sagt ver­hält es sich bei Edu­ardo Kac ge­nau an­ders herum: Teile sei­nes Flei­sches und Blut flos­sen in seine Pflan­zen. Er muss Bal­ko­nien lie­ben, denn sonst hätte er sich nicht die schnö­den Pe­tu­nien für seine ge­ne­ti­sche Spie­le­rei aus­er­wählt. Seine gen-manipulierten (ge­fak­ten) Leucht-Hasen (GFP-Gen) sorg­ten für kon­tro­verse Dis­kus­sio­nen, seine rosa-blutigen Bal­kon­pflan­zen ern­te­ten hef­ti­gen Ap­plaus beim Pu­bli­kum der Ga­la­ver­an­stal­tung der dies­jäh­ri­gen Ars Elec­tro­nica. Kri­tik­los, wie es scheint. Als zeig­ten sich alle be­ein­druckt von der linear-historischen Er­klä­rungs­lo­gik das Gärt­ners, wel­cher dank der DNA sei­ner Haut für die zart rosa Blü­ten­farbe sorgte und mit der DNA sei­nes Blu­tes die ro­ten Ver­äs­te­lun­gen auf der Blüte her­vor­brachte.
Der Öster­rei­chi­sche Stan­dard hob die Künst­ler em­por, die uns zu zei­gen hät­ten, mit "wel­chen bio­tech­nol­gi­schen Her­vor­brin­gun­gen die Ge­sell­schaft zu rech­nen hat und wie sie da­mit um­ge­hen könnte". Bei die­ser ver­quer­ten Lo­gik bin ich im­mer­hin froh, dass sie keine Atom­bom­ben in­stal­lie­ren oder eben mal DEN bio­lo­gi­schen Kampf­stoff der Zu­kunft aus­sprü­hen. Si­cher­lich ist Tech­no­lo­gie am­bi­va­lent, d.h. we­der gut noch schlecht, doch sollte die Wis­sen­schaft nicht erst­mal die ge­ne­ti­schen Codes ent­schlüs­seln be­vor wir uns wie bei den eins­ti­gen Rönt­gen Foto-Shootings selbst schä­di­gen?
Wei­ter schreibt der Stan­dard, sich auf den Di­ri­gen­ten Ni­co­laus Har­non­court be­ru­fend, dass Mo­zart wenn er heute lebte, Mo­le­ku­lar­bio­loge ge­wor­den wäre. Und ge­rade in die­ser Aus­sage wird ein be­deu­ten­der Un­ter­schied zwi­schen eine fach­li­chen Laien und ei­nem aus­ge­wie­se­nen Spe­zia­lis­ten auf die­sem Ge­biet deut­lich: Kac, der dies­jäh­rige Preis­trä­ger der gol­de­nen Nicca, ächzt nach Me­di­en­echo und gibt seine so ge­nann­ten Kunst­werke ge­gen Be­zah­lung bei Wis­sen­schaft­lern in Auf­trag ohne sich der Kon­se­quen­zen be­wusst zu sein. Ich er­gänze: Wäre Mo­zart heute eine Mo­le­ku­lar­bio­loge, so wür­den wir nicht auf der Ars sehen.

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Live und in Farbe gab's die vio­let­ten Nel­ken im Of­fe­nen Kul­tur­haus zu se­hen. Na­tür­lich gen-manipuliert. Quasi zum Mit­neh­men aus der Vase. Eine DoItYourself-Anleitung die­ses OpenSource-Wahnsinns inklusive.

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