8.09.2009

ars electronica 2009: Tag #2

Das Auf­ge­bot an Ex­po­na­ten und die Ge­gen­wart der Ma­cher reißt der­art mit, dass ich nicht zum Schrei­ben ge­kom­men bin.

The Royal In­ter­face Cul­ture Mas­quer­ade Ball
In den Räum­lich­kei­ten der Kunst­uni­ver­si­tät ver­sam­mel­ten sich in­ter­ak­tive Pro­jekte der­je­ni­gen, die den wohl­klin­gen­den Stu­di­en­gang der In­ter­face Cul­ture am Ars Elec­tro­nica Cen­ter be­le­gen. Alle Künst­ler ge­hö­ren der youtube_​myspace_​secondLife-​​Generation an und ver­blüf­fen­den auf spie­le­ri­sche Weise durch ihre in­ge­ni­eur­ar­ti­gen DoItYourself-​​Kunstwerken aus Sen­so­ren, Open­Source ei­ner Menge Baum­markt­kram.
Mein Fa­vo­rit war Couch Sur­fing Ver­gence - eine In­stal­la­tion für drei Per­so­nen, die mit dem Rü­cken zu ein­an­der im Stuhl sit­zen wäh­rend ihr Puls (mit­tels MAX MSP) in sprich­wört­lich herz­zer­rei­ßende Klänge über­setzt wird.


Als teil der Mas­ke­rade wur­den etwa auch Tau­ben bei Der Über­flie­ger mit win­zi­gen Über­wa­chungs­ka­me­ras aus­ge­stat­tet oder mit Farbe be­schmierte Sratch It Lein­wände mit Mün­zen frei­ge­kratzt. Im Hand­bang Hero darf man sei­nen Kopf mit ei­ner Lang­haar­pe­rü­cke schmü­cken und kräf­tig zum Me­tall den Kopf schüt­teln (ban­gen), um ma­xi­male Punkte zu kassieren.

MIT Me­dia Lab
dra­w­dio macht sich die Leit­fä­hig­keit des mensch­li­chen Kör­pers zu Nutze, um etwa beim Ma­len mit ei­nem spe­zi­el­len Pin­sel auf spe­zi­el­len Pa­pier, Töne zu er­zeu­gen. Ok, die con­duc­ta­ble ink, als Wei­ter­ent­wick­lung, war ir­gend­wie coo­ler, doch die Idee ei­nes sin­gen­den, klin­gen­den Was­ser­hahns ge­fällt mir.
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John Kestner's Pro­xi­me­ter vi­sua­li­siert die In­ten­si­tät bzw. Häu­fig­keit der Kom­mu­ni­ka­tion durch ein Wu­chern vir­tu­el­ler Pflan­zen auf dem Desk­top. Den­noch wür­den ich an­hand die­ser Pflan­zen mein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten nicht ändern. Auch bei hun­der­ten von Kon­tak­ten weiß ich, wann ich wem zu­letzt ge­schrie­ben habe, was mir im grü­nen Pflan­zend­schun­gel hin­ge­gen ver­bor­gen bleibt.
Be­son­ders knud­de­lich saß da ein zer­lump­ter Teddy na­mens Hug­gable hin­ter Glas. Als Ro­bo­ter Com­pa­nion wird er als semi-​​autonom ge­prie­sen, da er ei­ner­seits auf seine Um­ge­bung rea­giert und an­de­rer­seits per web-​​interface fern­ge­steu­ert wer­den. Ich frage mich, ob ich mit solch ei­nem Ge­tier - wie in den An­wen­dungs­fäl­len ge­schil­dert - auch gut mit mei­ner fast 90-​​Jährigen Ur­groß­mut­ter kom­mu­ni­zie­ren könnte.
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etoy /​ mis­sion eter­nity
etoy er­forscht das Le­ben in der vir­tu­ells­ten al­ler vir­tu­el­len Wel­ten: dem To­ten­reich. Wäh­rend Men­schen al­ler Kul­tu­ren leb­los ge­wor­dene Kör­pern ri­tu­ell ent­sor­gen und sich die Trauer um die Ver­stor­be­nen tei­len, in dem sie sich der Her­aus­for­de­rung des Ver­ges­sens und des Ab­schied­neh­mens stel­len, ist die­ser Pro­zess in ei­ner von Daten­spei­che­rung und Gü­ter­ver­kehr be­ses­se­nen Welt nicht im Stande mit den di­gi­ta­len Hin­ter­las­sen­schaf­ten der To­ten um­zu­ge­hen. mis­sion eter­nity sam­melt seit 1994 jeg­li­che Da­ten zweier An­gles. Ei­ner von bei­den ist schon Tod, der an­dere lebt noch und ist Zeuge der Daten­samm­lung. Da zu­neh­mend aus­ar­tende Sam­mel­su­rium an In­for­ma­tion wird we­der sor­tiert noch ka­te­go­rie­siert, son­dern zer­hackt, ver­schlüs­selt und welt­weit ver­teilt, so dass eine Re­kon­struk­tion, nicht aber eine Ein­sicht, der Da­ten un­mög­lich wird.
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Das Bild zeigt den etoySAR­CO­PHA­GUS - ein Con­tai­ner, wel­cher als Gate­way zu den In­for­ma­ti­ons­frag­men­ten der An­gels dient.

Die Gala und die Ver­lei­hung der gol­de­nen Nic­cas
Er­hard (ich emp­fehle die Lek­türe ei­ni­ger seine volks­wirt­schaft­li­chen Pam­phlete, in wel­chen er seit 1995 vor ei­ner Fi­nanz­krise warte) kennt sie alle in Linz - egal ob Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, Chef der Linz AG oder Be­grün­der der Ars - alle sind Nach­barn, Be­kannte, Freunde oder frü­here Ge­schäfts­part­ner von ihm. Ich? Ich war als couch sur­fer zu Gast bei ihm und sei­ner Frau (so­wie En­kel Zwergi).
Er­hard wollte Kar­ten für die Gala be­sor­gen. Ich zö­gerte. Er be­sorgte sie. Wir gin­gen hin. Erst Hän­de­schüt­teln. Small talk. Hän­de­schüt­teln. Gu­ten Tag, Gu­ten Tag. Nach lan­gem Stuhl­sit­zen be­ginnt die Gala mit öster­rei­chi­scher Ver­zö­ge­rung von 30 Mi­nu­ten und ein elf­jäh­ri­ger deut­scher Bub be­ginnt zu re­den: Fe­lix Fink­bei­ner. plant-​​for-​​the-​​planet - 1.000.000 Bäume in al­len Län­dern der Erde pflan­zen und da­mit ei­nen Bei­trag ge­gen den Kli­ma­wan­del leis­ten. Das ist Felix's Idee. Auf un­sere Vi­si­ten­kar­ten sol­len wir ei­nen Be­trag schrei­ben den wir ihm mo­nat­lich über­wei­sen sol­len. Ich frage mich nur, ist er noch Herr der Geis­ter, die er rief? Was für ein ge­ris­se­ner PR-​​Profi ist aus die­sem Jun­gen ge­wor­den? Wie viel Blitz­licht hat es ge­braucht, um so forsch und me­di­en­af­fin zu wer­den? Wie groß ist die Mar­ke­ting­walze, mit der er sich walzt? Aber Ok, Bäume pflan­zen ist'ne gute Sa­che, die nicht nur dem Ziel des Kli­ma­schut­zes dient. Schließ­lich will nicht nur Fe­lix will im Jahre 2050 noch an­ge­mes­sen le­ben kön­nen. In­so­fern habe ich auch Ver­ständ­nis, dass Fe­lix nicht wei­ter auf die Künst­ler der Ars ein­ge­gan­gen ist, son­dern ih­nen zu ih­rer gol­de­nen Nicca ein her­vor­ste­chen­des wei­ßes t-​​shirt in die Hand drückte, was das Grup­pen­foto do­mi­nierte:
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