ars electronica 2009: Tag #1

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In den letzten 30 Jahren gab es 37432 Einreichungen zum Ars Electronica Festival. Eigentlich habe ich das Bild nur wegen der Fibonacci-Anordnung (Sonnenblumen-Muster) der Punkte fotografiert.


Das Thema der diesjährigen Ars Electronica lautet human nature und so verwunderte es auch nicht zu sehr auf einen Workshop zu stoßen, bei dem man lernt aus seinem eigenen Urin Pflanzendünger herzustellen. Wie’s geht veraten die Frauen von Drink.Pee auf ihrer Website.
Allerdings muss ich die beiden morgen noch mal fragen, warum ich, nach dem ich meinen Urin in Düngemittel verwandelt habe, das zueg trinken soll. dscf4093-copy

Als kleine Erinnerungshilfe an eine längst bekannte Technik verstand ich die Soil Clock. Diese Uhr zeig nicht etwa die Halbwertszeit von Ackerboden an, sondern zählt wie jede normale Uhr, stetig die Minuten und Stunden – digital. Mit Soil im Namen wird die Form der Energiezufuhr angesprochen. Zwischen einer Kupfer- und einer Zinkdiode entsteht in feuchten und bakterienreichen (warum’s ausgerechtnet Bakterien braucht wurde mir nicht klar) Boden einer Topfpflanze eine Spannung von 1,5 Volt, die ausreicht, um die Digitaluhr zu betreiben. Vorausgesetzt, der Boden bleibt feucht. Als ich das sah, habe ich mir ausgemalt einmal damit zu experimentieren und eventuell durch Reihenschaltung über 2 Volt abzugreifen, um somit LEDs auf umweltfreundliche Art und Weise auf Grünflächen zu installieren.

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Das bin ich im rekonstruierten Liquid Views aus dem Jahre 1992 (!). Diese Installation simuliert die Spiegelung im Wasser und erzeugt Töne und Wellen, wenn man die „Wasseroberfläche“ berührt.

Am späten Nachmittag hatte mich dem Lentos zugewandt. Dort ging es in einer Sonderausstellung um die Wechselbeziehungen von Musik und Bild. Namentlich „See this sound“. Musikalisch beeindruckt war ich von skurrilem deutschen Zeug namens Tödliche Doris, die ihren Hörern aus den LPs „Unser Debut“ und „sechs“ per Mischpult eine dritte Platte zauberten. Aphex Twin hat so etwas auch schon gemacht, doch hinter der Idee steckt eine nicht stattgefundene Veröffentlichung, an der auch niemand verdienen kann.
Auch gut fand ich den Industrial Sound von Krupps und die Einstürzenden Neubauten mit dem Song „Hör mit Schmerzen“, den sie im Betonpfeiler einer Autobahn aufnahmen.

An interaction design gab’s mit Lentos nicht viel zu sehen. Aber Laurie Andersons handphone table fand ich großartig. Auch Norman McLaren und John Whitney’s Weg Harmoniefolgen als Graphik abzubilden, um dann damit zu komponieren, war spitze. Oskar Fischingen hat sich in ähnlicher Weise an der Tonkodierung auf Zelloloidfilmen zu schaffen gemacht und allerhand hübsche Muster auf die Filmstreifen gemalt, um skurrilen Ohrenschmaus zu kochen.

Der Abend auf dem Hauptplatz war vergleichsweise unspektakulär. Ab 22 Uhr schaltete man, in der Hoffnung die Sterne zu sehen, auf dem gesamten Platz die Straßenbeleuchtung aus. „Doas woar goanz scheen depert“, wie sie hier zu sagen pflegen. Das Streulicht der umliegenden Straßen und Viertel sorgten neben den Regenwolken für ausreichend Lichtverschmutzung und eine sternenfreie Nacht. Das Leuchtballet nutzte die Stunden der Dunkelheit allerdings sehr schön aus:

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