31.08.2012

Was wäre wenn wir eine Open Commons Region Dresden / Oberlausitz / Sachsen gründen?

Ich komme ge­rade aus Linz. Im­mer wenn ich von dort heim­kehre be­merke ich, in was uns die Lin­zer vor­aus sind. Mit uns meine ich die Dres­de­ner, aber auch die Ober­lau­sit­zer und die Sach­sen im All­ge­mei­nen. Be­reits 2009 be­ein­druckte mich die Of­fen­heit der Stadt und Stadt­ver­wal­tung für den freien Zu­gang zu In­fro­ma­tio­nen. In­zwi­schen sind diese In­itia­ti­ven in der Open Com­mons Re­gion Linz mo­dell­haft un­ter ei­nem vir­tu­el­lem Dach ver­eint. Die Stadt Linz kom­pri­miert das auf ei­nen Satz, der fast schon al­les sagt:

Im­pulse für die frei zu­gäng­li­che elek­tro­ni­sche Ver­brei­tung von „Open Com­mons“ - di­gi­tal ge­spei­cher­ten, im­ma­te­ri­el­len Gü­tern wie Da­ten, Soft­ware, Lehr­ma­te­ria­lien, Literatur-​​, Bild-​​, Ton-​​ und Film­wer­ken - wird die Stadt Linz mit ei­ner eu­ro­pa­weit ein­zig­ar­ti­gen In­itia­tive setzen.

Auf die De­tails kommt es je­doch an. Im Fol­gen­den um­reisse ich die Ak­ti­vi­tä­ten der Open Com­mons Re­gion Linz und gehe ab­schlie­ßend auf mög­li­che Hand­lungs­fel­der ei­ner noch zu grün­den­den Open Com­mons Re­gion Dres­den /​ Ober­lau­sitz /​ Sach­sen ein.

Pu­blic Space Server

Man stelle sich vor, eine Kom­mune ver­sorge seine Ein­woh­ner nicht nur mit Was­ser, Strom und Gas, son­dern auch mit den nö­ti­gen in­for­ma­tio­nel­len Res­sour­cen. Weit vor dem noch an­hal­ten­den Cloud-​​Hype ha­ben die Lin­zer ei­nen Pu­blic Space Ser­ver auf­ge­setzt und da­mit je­dem Bür­ger die Mög­lich­keit ge­ge­ben ihre Da­ten auf ei­ner vir­tu­el­len Fest­platte aus­zu­la­gern und mit­tels ei­nem Blog eine Netz­prä­senz auf­zu­bauen. Dazu ge­hört na­tür­lich auch eine E-​​Mail-​​Adresse vorname.nachname@linz.at! Der Clou an dem kos­ten­freien und nicht­kom­mer­zi­el­len An­ge­bot ist, dass es wer­be­frei ist und nicht will­kür­lich zen­sier­tert wird (vgl. »Die Zeit« Aus­gabe vom 02.08.2012). Im Ge­gen­satz zu den meis­ten an­de­ren Cloud-​​Anbietern (Google Docs, Drop­Box, ...) hat sich die Stadt Linz dazu ver­pflich­tet, die Da­ten we­der zu ver­kau­fen, noch zu ana­ly­sie­ren. Flan­kiert wird das An­ge­bot durch Volks­hoch­schul­kurse. 1300  der 200.000 Ein­woh­ner nut­zen die­ses An­ge­bot bis­lang. Nicht viel, könnte man mei­nen, doch im­mer­hin schon mehr als je­der 153. Bür­ger nutzt den Pu­blic Space Server.

Hot­spots

Die Stadt Linz be­treibt im Zen­trum 119 öffent­lich zu­gäng­li­che Hot­spots. Dar­über hin­aus gibt es In­for­ma­tio­nen über pri­vate WLAN-​​Hotspots, wel­che eben­falls frei zu­gäng­lich sind. Frei­funk oder Funk­feuer, wie es in Öster­reich heißt lässt grü­ßen und igno­riert die »Ger­man Angst« vor Stör­haf­tung und il­le­ga­lem File­sha­ring an­ge­sichts der viel grö­ße­ren wirt­schaft­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Potentiale.

Open­Data

Un­ter http://www.data.linz.gv.at war­tet die Stadt Linz mit über 90 Daten­be­stän­den auf. An­ge­bo­ten wer­den ne­ben sta­tis­ti­schen Da­ten der Stadt, ins­be­son­dere Wahl­er­geb­nisse. Ei­nen weit grö­ße­ren Mehr­wert bie­ten die Geo­da­ten inkl. Points of In­te­rest und Hö­hen­pro­fi­len so­wie hoch­auf­lö­sen­den Luft­auf­nah­men. Die Daten­sätze ste­hen un­ter ei­ner Crea­tive Com­mons Li­zenz (CC-​​BY), wel­che auch eine kom­mer­zi­elle Nut­zung nicht ausschließt.

Open Edu­ca­tio­nal Ressources

Auch die größ­ter der orts­an­säs­si­gen Hoch­schu­len, die Jo­han­nes Kep­ler Uni­ver­si­tät stellt All­ge­mein­gü­ter be­reit. Die of­fe­nen Lern­res­sour­cen sind über den Open Courseware-​​Service der Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­ler­schaft abrufbar.

Was wäre wenn...?

Wenn das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt Ka­menz end­lich mal ei­nen Ju­ri­sen be­müht, um ihre um­fang­rei­chen Daten­sätze als CC-​​BY aus­zu­wei­sen. Die der­zei­tige Re­ge­lung ver­pflich­tend die Her­kunft der Be­stände an­zu­ge­ben birgt keine Rechts­si­cher­heit be­züg­lich mög­li­cher Wei­ter­ver­ar­bei­tung, ins­be­son­dere im kom­mer­zi­el­len Kontext.

Was wäre wenn auch die Stadt Dres­den die dem The­men­stadt­plan zu­grunde lie­gen­den Daten­sätze als Down­load be­reit­stel­len würde? Auf ei­nen Schlag hätte Dres­den Linz in  Be­zug auf das Open Da­ten An­ge­bot über­holt und gleich­zei­tig ei­nen un­heim­liuchen Fun­dus zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung geschaffen.

Was wäre wenn der Säch­si­che Lan­des­ver­mes­sungs­amt ihre an­ti­quierte Ge­büh­ren­ord­nung über­denkt und das da­hin­ter lie­gende Ge­schäfts­mo­dell ad­acta legt, die mit den Kar­ten, Luft­auf­nah­men und Daten­sät­zen Geld ver­die­nen zu kön­nen. Falls die Ein­rich­tung durch den Ver­kauf nen­nens­werte Ge­winne er­zielt, müsste man die Mo­no­pol­stel­lung und die Wett­be­werbs­ver­zer­rung zu hin­ter­fra­gen. Falls keine nen­nens­wer­ten Ge­winne er­zielt wer­den, gäbe es auch kei­nen Grund an der Ge­büh­ren­ord­nung fest zu halten.

Was wäre wenn die Säch­si­sche Staats und Lan­des­bi­blio­thek ihre di­gi­ta­len Be­stände ge­mäß gel­ten­dem Ur­he­ber­recht als CC-​​By aus­wei­sen würde, wenn der Ur­he­ber mehr als 70 Jahre Tot ist?

Was wäre wenn die Qucosa die An­gabe von Crea­tive Com­mons Li­zen­zen un­ter­stüt­zen würde? Ak­tu­ell tra­gen da­für die Au­to­ren selbst­stän­dig sorge, dass heisst sie müs­sen ent­spre­chende Ver­merke in ih­ren Wer­ken vor­neh­men. Die meis­ten ver­ges­sen dies je­doch und so­mit steht die Nut­zung, Re­pro­duk­tion, Wei­ter­ver­wen­dung und Auf­be­rei­tung durch Dritte  auf wa­cke­li­gen Füßen.

Was wäre wenn das Bil­dung­spor­tal Sach­sen GmbH die von sä­si­schen Uni­ve­ri­tä­ten ein­ge­stell­ten Lern­res­sour­cen per De­fault un­ter eine CC-​​BY Li­zenz stel­len würde? Leh­rende könn­ten dies na­tür­lich ab­stel­len, doch hät­ten sie gleich­zei­tig die Mög­lich­keit ihr öffent­lich fi­nan­zier­ten Lern­ma­te­ria­lien als Ge­mein­gü­ter weiterzugeben.

Was wäre wenn wir eine Open Com­mons Re­gion nach dem Lin­zer Vor­bild gründen?

 

 

Posted by nise | Filed in Tech | Kommentieren »Share this on del.icio.us Digg this! Share this on Facebook Share this on Technorati Tweet This!

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