Was wäre wenn wir eine Open Commons Region Dresden / Oberlausitz / Sachsen gründen?

Ich komme gerade aus Linz. Immer wenn ich von dort heimkehre bemerke ich, in was uns die Linzer voraus sind. Mit uns meine ich die Dresdener, aber auch die Oberlausitzer und die Sachsen im Allgemeinen. Bereits 2009 beeindruckte mich die Offenheit der Stadt und Stadtverwaltung für den freien Zugang zu Infromationen. Inzwischen sind diese Initiativen in der Open Commons Region Linz modellhaft unter einem virtuellem Dach vereint. Die Stadt Linz komprimiert das auf einen Satz, der fast schon alles sagt:

Impulse für die frei zugängliche elektronische Verbreitung von „Open Commons“ – digital gespeicherten, immateriellen Gütern wie Daten, Software, Lehrmaterialien, Literatur-, Bild-, Ton- und Filmwerken – wird die Stadt Linz mit einer europaweit einzigartigen Initiative setzen.

Auf die Details kommt es jedoch an. Im Folgenden umreisse ich die Aktivitäten der Open Commons Region Linz und gehe abschließend auf mögliche Handlungsfelder einer noch zu gründenden Open Commons Region Dresden / Oberlausitz / Sachsen ein.

Public Space Server

Man stelle sich vor, eine Kommune versorge seine Einwohner nicht nur mit Wasser, Strom und Gas, sondern auch mit den nötigen informationellen Ressourcen. Weit vor dem noch anhaltenden Cloud-Hype haben die Linzer einen Public Space Server aufgesetzt und damit jedem Bürger die Möglichkeit gegeben ihre Daten auf einer virtuellen Festplatte auszulagern und mittels einem Blog eine Netzpräsenz aufzubauen. Dazu gehört natürlich auch eine E-Mail-Adresse vorname.nachname@linz.at! Der Clou an dem kostenfreien und nichtkommerziellen Angebot ist, dass es werbefrei ist und nicht willkürlich zensiertert wird (vgl. »Die Zeit« Ausgabe vom 02.08.2012). Im Gegensatz zu den meisten anderen Cloud-Anbietern (Google Docs, DropBox, …) hat sich die Stadt Linz dazu verpflichtet, die Daten weder zu verkaufen, noch zu analysieren. Flankiert wird das Angebot durch Volkshochschulkurse. 1300  der 200.000 Einwohner nutzen dieses Angebot bislang. Nicht viel, könnte man meinen, doch immerhin schon mehr als jeder 153. Bürger nutzt den Public Space Server.

Hotspots

Die Stadt Linz betreibt im Zentrum 119 öffentlich zugängliche Hotspots. Darüber hinaus gibt es Informationen über private WLAN-Hotspots, welche ebenfalls frei zugänglich sind. Freifunk oder Funkfeuer, wie es in Österreich heißt lässt grüßen und ignoriert die »German Angst« vor Störhaftung und illegalem Filesharing angesichts der viel größeren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potentiale.

OpenData

Unter http://www.data.linz.gv.at wartet die Stadt Linz mit über 90 Datenbeständen auf. Angeboten werden neben statistischen Daten der Stadt, insbesondere Wahlergebnisse. Einen weit größeren Mehrwert bieten die Geodaten inkl. Points of Interest und Höhenprofilen sowie hochauflösenden Luftaufnahmen. Die Datensätze stehen unter einer Creative Commons Lizenz (CC-BY), welche auch eine kommerzielle Nutzung nicht ausschließt.

Open Educational Ressources

Auch die größter der ortsansässigen Hochschulen, die Johannes Kepler Universität stellt Allgemeingüter bereit. Die offenen Lernressourcen sind über den Open Courseware-Service der Österreichischen Hochschülerschaft abrufbar.

Was wäre wenn…?

Wenn das Statistische Landesamt Kamenz endlich mal einen Jurisen bemüht, um ihre umfangreichen Datensätze als CC-BY auszuweisen. Die derzeitige Regelung verpflichtend die Herkunft der Bestände anzugeben birgt keine Rechtssicherheit bezüglich möglicher Weiterverarbeitung, insbesondere im kommerziellen Kontext.

Was wäre wenn auch die Stadt Dresden die dem Themenstadtplan zugrunde liegenden Datensätze als Download bereitstellen würde? Auf einen Schlag hätte Dresden Linz in  Bezug auf das Open Daten Angebot überholt und gleichzeitig einen unheimliuchen Fundus zur Weiterverarbeitung geschaffen.

Was wäre wenn der Sächsiche Landesvermessungsamt ihre antiquierte Gebührenordnung überdenkt und das dahinter liegende Geschäftsmodell adacta legt, die mit den Karten, Luftaufnahmen und Datensätzen Geld verdienen zu können. Falls die Einrichtung durch den Verkauf nennenswerte Gewinne erzielt, müsste man die Monopolstellung und die Wettbewerbsverzerrung zu hinterfragen. Falls keine nennenswerten Gewinne erzielt werden, gäbe es auch keinen Grund an der Gebührenordnung fest zu halten.

Was wäre wenn die Sächsische Staats und Landesbibliothek ihre digitalen Bestände gemäß geltendem Urheberrecht als CC-By ausweisen würde, wenn der Urheber mehr als 70 Jahre Tot ist?

Was wäre wenn die Qucosa die Angabe von Creative Commons Lizenzen unterstützen würde? Aktuell tragen dafür die Autoren selbstständig sorge, dass heisst sie müssen entsprechende Vermerke in ihren Werken vornehmen. Die meisten vergessen dies jedoch und somit steht die Nutzung, Reproduktion, Weiterverwendung und Aufbereitung durch Dritte  auf wackeligen Füßen.

Was wäre wenn das Bildungsportal Sachsen GmbH die von säsischen Univeritäten eingestellten Lernressourcen per Default unter eine CC-BY Lizenz stellen würde? Lehrende könnten dies natürlich abstellen, doch hätten sie gleichzeitig die Möglichkeit ihr öffentlich finanzierten Lernmaterialien als Gemeingüter weiterzugeben.

Was wäre wenn wir eine Open Commons Region nach dem Linzer Vorbild gründen?

 

 

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