27.09.2007

Morgenstund und Orchideen

Ge­gen Mit­tag wurde es rich­tig heiß in Pi­ura. Mein Bus stand in der brü­ten­den Hitze und liess den Mo­tor warm wer­den (das ma­chen hier alle Au­to­fah­rer be­vor sie los­fah­ren).  Für die nächs­ten 18 Stun­den quetschte ich mich in die erste Sitz­reihe, die für Kin­der ge­macht schien. Der Bus fuhr Rich­tung Os­ten durch die kar­gen Tro­cken­wäl­der bis schliess­lich die ers­ten An­den­gip­fel auf­tauch­ten. Stän­dig stie­gen Leute hinzu und sam­mel­ten sich im Gang. Meh­rere Ba­bys schrieen. Ei­nige Kin­der sa­ßen auf­ein­an­der. Durch ein klei­nes Drei­ecks­fens­ter konnte ich mein rech­tes Bein hin­aus­ste­cken und et­was Platz und Ab­küh­lung er­lan­gen. Des nachts ver­bes­serte sich die Tem­pe­ra­tur ein we­nig. Wir hiel­ten in Jaen, wo die Tak­stel­len­be­sit­zer, schier nor­mal, sei­nen Kun­den mit ei­nem Ge­wehr ent­ge­gen­tra­ten. Die War­nun­gen vor näch­li­chen Über­land­fahr­ten des deut­schen Aus­wär­ti­gen Amts und ver­schie­de­ner Rei­se­füh­rer ka­men mir plötz­lich wie­der in den Sinn. Den­noch schaffte ich es ein Auge zu zu drü­ken und war ganz ver­dutzt, als mich ir­gend­je­mand mor­gens um 5 Uhr in Mo­yeb­amba weckte. Es war noch dun­kel und auf dem Bus­bahn­hof näch­tig­ten ei­nige Leute. Ich setzte mich auf eine Bank und früh­stückte ein paar be­legte Brote und Ba­na­nen. Auf der so ge­nann­ten Toi­lette konnte ich mir so­gar die Zähne put­zen. In­zwi­schen war es hell ge­wor­den und die Meute von Mo­to­fah­rern (drei­räd­rige Mo­tor­rad­t­a­xis) stand in den Start­lö­chern. Ich er­öff­nete eine Auk­tion für eine Fahrt zu den Schwe­fel­bä­dern. Phil­ofeno ge­wann in­ner­halb von 10 Se­kun­den mit sei­nem An­ge­bot von 8 So­les. Mit ei­nem Grin­sen und hoch­getreck­ten Dau­men ver­ab­schie­dete er sich von sei­nen Kol­le­gen und führte mich zu sei­nem Moto.

Die Schwe­fel­bä­der la­gen am Rande des Wal­des, etwa 30 Mi­nu­ten aus­ser­halb der Stadt. Die Sonne war noch nicht mal rich­tig auf­ge­gan­gen, als wir am Ende ei­nes holp­ri­gen We­ges die drei mil­chig wei­ßen Bas­sins er­blick­ten. Ein jun­ger Kerl fischte noch schnell ein paar Blät­ter her­aus, be­vor ich mich kurz in die küh­len Pfüt­zen setzte. Der recht un­an­ge­nehme Schwe­fel­ge­ruch machte es nicht ge­rade zu ei­nem pri­ckeln­den Er­leb­nis, doch im­mer­hin fühlte ich mich da­nach et­was sau­be­rer und an­ge­neh­mer als zu­vor. Et­was ober­halb der Be­cken be­fand sich die Quelle, so wie ein 10m ho­her Was­ser­fall, in des­sen Fall­be­cken sich ei­nige Fluss­krebse tummelten.Wenngleich Mo­yob­amba die Haupt­stadt des De­part­mento San Mar­tin ist, bie­tet sie nichts Aus­ser­ge­wöhn­li­ches, was mich zu ei­nem län­ge­ren Auf­ent­halt hätte be­we­gen ko­en­nen. Le­dig­lich eine kleine pri­vate Or­chi­de­en­aus­stel­lung der Fa­mi­lie Villena-​​Bendezu weckte mein Interesse.

Es war viel­mehr eine kleine Gärt­ne­rei mit al­ler­hand Vieh­chern. Ne­ben gro­ßen Aras und an­de­ren klei­ne­ren Pa­pa­geien, sa­ßen eine Schild­kro­ete, vier Kro­ko­dile, eine Boa Con­stric­tor und zwei Schweine hin­ter Git­tern und Glas.

Die ge­bo­tene Viel­falt an Or­chi­deen war bein­dru­ckend. Ei­nige Ar­ten kannte ich aus Mut­ters Blu­men­töp­fen, an­dere hatte ich an­de­ren­orts im Hoch­land­d­schun­gel (nahe Cusco) ge­se­hen. Der ge­samte Gar­ten grenzte un­mit­tel­bar an den Ur­wald. Ne­bel­schwa­den ver­hüll­ten den Ur­sprung teils schril­ler, elek­tro­nisch an­mu­ten­der Töne. Eine gute Stunde hielt ich inne und be­staunte die­sen pa­ra­di­si­schen Ort samt sei­ner Blü­ten­pracht. Die Schön­heit der Or­chi­deen schien sich übri­gens auch auf die Frau Gärt­ne­rin und ihre bei­den Töch­ter aus­ge­wirkt zu haben.

Nun gut, es war ge­rade mal 8:20 als ich ein Sam­mel­taxi nach Ta­rapoto ge­fun­den hatte. Mit quiet­schen­den Rei­fen drif­te­ten wir auf der su­per as­pfal­tier­ten Straße bin­nen zweier Stun­den in die "Stadt der Pal­men". Die schwüle Hitze er­drückt mein Ver­lan­gen nach tou­ris­ti­schen Un­ter­neh­mun­gen, die es oh­ne­hin nicht gab, und so be­wegte ich mich nicht ein­mal ins Stadt­zen­trum. Statt des­sen lun­gerte ich den gan­zen Tag in der Halle ei­nes Ta­xi­un­ter­neh­men (Ca­ja­marca S.A.) herum. Nicht das es mir dort ge­fal­len hätte, doch ir­gendwo musste ich ja schliess­lich war­ten bis die Bau­ar­bei­ter die Straße nach Yur­i­maguas wie­der frei ge­ben. Ein na­hes In­ter­net­cafe zer­streute die Lan­ge­weile ein we­nig. We­gen Spren­gungs­ar­bei­ten ist die Strasse nach Yur­i­maguas, au­ßer sonn­tags, le­dig­lich zwi­schen 18 und 5 Uhr be­fahr­bar. Bis vor ei­ni­ger Zeit galt die Stre­cke we­gen der gro­ßen Co­ca­plan­ta­gen und Dro­gen­la­bors noch als äußerst ge­fähr­lich. Die un­ge­min­derte Be­deu­tung des Dro­gen­ge­schäfts ist kein un­we­sent­li­cher Grund für Ta­rapo­tos wirt­schaft­li­ches Wohl­er­ge­hen. Je­doch ist mir nichts der Glei­chen aufgefallen.

Ta­rapoto

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