18.06.2007

AkLIMAtisiert

Bin schon wie­der mal an­ge­kom­men. Da­mit meine ich, dass ich mich lang­sam hei­misch fühle, mein Vier­tel kenne, weiß wo was los ist und was es für Mög­lich­kei­ten gibt. Bei den Sout­hAme­ri­can­Ex­plor­ern hab' ich ganz paar gute In­fos ab­ge­fasst und gleich mal über's Wo­chen­ende ausprobiert.

Hhu­aca Pu­cllana Das ist der Ort, an dem meine Firma letz­ten Mitt­woch die große Cock­tail­party ver­an­stal­tet hat. Doch schon im 2 Jh. v.Chr. gings dort zur Sa­che: ein py­ra­mi­den­ar­ti­ger Tem­pel samt um­ge­ben­der Stadt wurde er­rich­tet und durch Fisch­fang, Land­wirt­schaft und Hand­werk be­lebt. Zur sel­ben Zeit, als die Rö­mer in Eu­ropa die Lande er­ober­ten, hatte man hier ebenso Be­wäs­se­rungs­sys­teme ent­wi­ckelt, große Va­sen ge­töp­fert und kom­pli­zierte Klei­der ge­webt. Ein­zig­ar­tig ist jene Bau­weise und Schich­tung der Py­ra­mide. Zie­gel wur­den da­für ab­wech­selnd - hoch­kannt und waa­ge­recht lie­gend - auf­ein­an­der ge­schich­tet, wo­bei sie da­bei stets in­ein­an­der­grei­fende Tra­pez­mus­ter bil­de­ten, die dem Bau­werk be­son­dere Fes­tig­keit ver­lie­hen. Heute su­chen Ar­che­lo­gie­stu­den­ten noch im­mer nach Spu­ren und re­kon­stru­ie­ren Teile der Anlage.

Ein ur­pe­rua­ni­scher Nackt­hund . Mit sei­nen Fal­ten ist er nicht so schön an­zu­se­hen und weckt Be­rüh­rungs­ängste, doch we­nigs­tens ist ihm nicht kalt.

Noch et­was ty­pi­sches: Baum­wolle - an­geb­lich die Beste auf Welt. Mar­ken wie Hil­fin­ger und La­coste las­sen ihre Klei­der hier an­fer­ti­gen und schi­cken sie dann z.B. nach Frank­reich, da­mit "Made in France" drauf­ste­hen darf weil sie dort das Et­ti­ket mit der Wasch­emp­feh­lung an­nä­hen. Auf be­stimm­ten Märk­ten (Povlov Azu­les) be­kommt man jene Ar­ti­kel für ein Ta­schen­geld zu kau­fen. La­coste Polo: S./25 = 8 Euro.

Das ist ein Meer­schwein - hier auch Cuy gennant. Die Hälfte ei­nes an­de­ren habe ich ges­tern ge­ges­sen. Schmeckt wie ein Kar­ni­ckel mit nichts dran. Hab lang rum­ge­sä­belt bis ich end­lich mal ein Stück­chen Fleisch aus Kno­chen, Haut und Ge­hirn se­ziert hatte. All Den­je­ni­gen, die das Ver­spei­sen von ver­meind­li­chen Haus­tie­ren ab­scheu­lich fin­den, gra­tu­liere ich zu ih­rer Dop­pel­mo­ral und emp­fehle den Ve­ge­ta­ris­mus. In Peru ist man be­müht den Meer­schwein­chen­kon­sum mit neuen Zu­be­rei­tungs­for­men vor­an­zu­trei­ben, um so­mit der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung eine Ein­nah­me­quelle zu verschaffen.

cuy

Und so ähn­lich sah der Kol­lege aus. Ich werd's auch nicht noch mal es­sen, aber ich musste ja wis­sen warum.

Ein Al­paca - gibt flau­schige Wolle, schlägt aus und spuckt. Schmeckt aber rich­tig gut.

Andy War­hol

Wer kennt ihn nicht, den al­ten Slo­wa­ken­ab­kömm­ling, der vor al­lem we­gen sei­ner Ma­ry­lin Qua­dro­lo­gie welt­be­rühmt ge­wor­den ist und schlicht­weg die Pop­art de­fi­nierte. Kaum zu glau­ben, dass nun seine wich­tigs­ten Werke hier in Lima aus­ge­stellt wer­den und nicht den rei­chen Gal­le­ris­ten der nörd­li­chen He­mi­s­phere vor­be­hal­ten blei­ben (Okay - es wa­ren nur Dru­cke). Für schlappe 50 Eu­ro­Cent er­langte ich Ein­tritt zum abs­trak­ten, aber de­noch nach­voll­zieh­ba­ren und kennt­li­chen Ge­mäl­den, Gra­fi­ken (sku­rile Re­zepte mit Bild) und di­ver­sen Pro­dukt­de­signs (Plat­ten­co­ver für die Sto­nes, Ein­kaufs­tüte aus Pa­pier, Zeit­schrif­ten­co­ver, ect.). Ne­ben dem er­wähn­ten Marylin-​​Portrait er­freute ich mich an wit­zi­gen Tier­bil­dern (Affe, Ze­bra, Frosch, Ele­fant, ...) und den "Ten Por­traits of Jews of the Twen­ti­eth Century":

French ac­tress Sa­rah Bern­hardt (1844-​​1923); the first Je­wish judge of the United Sta­tes Su­preme Court, Louis Brand­eis (1856-​​1941); re­now­ned phi­lo­so­pher and edu­ca­tor Mar­tin Bu­ber (1878-​​1965); the theo­re­ti­cal phy­si­cist, Al­bert Ein­stein (1897-​​1955); the hu­gely in­flu­en­tial foun­der of the psy­cho­ana­lytic school of psy­cho­logy, Sig­mund Freud (1856-​​1939); stage and film co­me­di­ans, the Marx Bro­thers: Chico (1887-​​1961), Groucho (1890-​​1977), and Harpo (1888-​​1964); Is­raelís fourth Prime Mi­nis­ter and one of the foun­ders of the State of Is­rael, Golda Meir (1898-​​1978); dis­tin­gu­is­hed Ame­ri­can com­po­ser Ge­orge Gershwin (1898-​​1937); the emi­nent no­ve­list, Franz Kafka (1883-​​1924); and avant-​​garde Ame­ri­can wri­ter, poet and play­w­right Ger­trude Stein (1874-​​1946)

Alt­be­kannte.

Bis­her wusste ich nicht, das War­hol auch Mu­sik (Vel­vet Un­der­ground und mit an­de­ren Na­men) ge­macht und so­gar ei­nige Filme pro­du­zierte. Zwei da­von gab's zu se­hen - al­ler­dings wa­ren sie mäch­tig schräg-​​langweilig, weil der Ton von krei­schen­den Kin­dern im Aus­stel­lungs­raum über­deckt wurde (die Kin­der sind hier oft­mals hy­per­ak­tiv).

Der Mann mit der Kamera

Warhol's Strei­fen ha­ben mich je­doch dazu be­wegt mal ein Kino zu be­su­chen. Und auf an­hieb hab ich jene Art von Kino ge­fun­den, die mir am meis­ten be­liebt. Zum Auf­takt lief ein so­wje­ti­scher Stumm­film mit dem Ti­tel: "Der Mann mit der Ka­mera" (Che­lovek s kino-​​apparatom) von Dziga_​Vertov. Ganz tra­di­tio­nel spielte dazu Mu­sik - aber nicht etwa ein Kla­vier­ge­klim­per, son­dern edel ex­pe­ri­men­telle Klänge aus'm Com­pu­ta­dora, ver­voll­komm­net mit'ner Gi­tarre, so dass da Klang­mus­ter ala Pink­floyd zu den schwarz/​weiß Bil­dern brumm­ten. Spä­ter popp­ten und drück­ten recht harte Tanz­bret­ter aufs Ohr - doch stets in Har­mo­nie und im Takt des Films, der für seine Zeit ebenso mo­dern ge­we­sen sein muss. Ich hatte bis­her bei noch kei­nem Stumm­film je­ner Epo­che Bild­mon­ta­gen (Über­ein­an­derblen­dung von meh­re­ren Sze­nen) und Stop­Mo­tionEf­fekte ge­se­hen. Ser­gej Ei­sen­stein lässt grü­ßen. Ganz gro­ßes Kino - im dop­pel­ten Sinne.

Cal­lao und seine Inseln

Um den Smog mal hin­ter mir zu las­sen, be­schloss ich auf off­ner See mal so rich­tig durch­zu­at­men und mit'nem Boot von Cal­lao zu den In­seln Pa­lomino, San Lo­renzo und Fron­ton zu schip­pern. Ne­ben ei­ner Viel­zahl von See­vö­geln sind die See­lö­wen die Haupt­at­trak­tion. Für 30$ gabs nicht nur ein Ach­ter­bahn­ge­schau­kel auf tür­kis­far­be­ner See, son­dern auch eine sehr gut in­for­mierte Rei­se­füh­re­rin. Wer wollte, konnte bis auf zwei Me­ter an die grö­len­den (und stin­ken­den) See­lö­wen her­an­schwim­men und 'Hallo' sa­gen. Mir war's Was­ser zu kalt. Wä­ren wir am frü­hen Mor­gen oder spä­ten Nach­mit­tag un­ter­wegs ge­we­sen (am Bes­ten noch im Som­mer), hät­ten wir si­cher mehr Vö­gel ge­se­hen. So gab's heut nur die "Pe­rua­ni­schen Bub­bis", die u.U. 10m tief tau­chen und ein paar Pe­li­kane; und Mö­ven na­tür­lich. Lei­der konn­ten wir auch nicht die Humboldt-​​Pinguine be­su­chen, da der starke See­gang die Ein­fahrt in eine Bucht ver­hin­derte. Wale und Del­fine sieht der Ka­pi­tän nur zwei mal im Jahr.

Wie schön al­les auf ein­mal aus­schaut, wenn die Sonne her­vor kommt.

Das sit­zen ein paar Vö­gel - ich glaub es wa­ren Bubbies.


One Response to “AkLIMAtisiert”

  1. Monika Says:

    Hallo Niels,
    ich war ja von den So­cken, als ich Dei­nen Be­richt über Meer­schwein­chen u.a. ne­cki­sche Sa­chen, die man es­sen kann, las. Warst Du nicht mal Ve­ge­ta­rier und Tier­freund? Freu mich aber, daß Du in­zwi­schen so ex­pe­ri­men­tier­freu­dig ge­wor­den bist, um al­les mal zu pro­bie­ren. Die Welt ist voll von so in­ter­es­san­ten Sa­chen und uns hat die Neu­gier auch schon oft auf aben­teu­er­li­che Wege - auch ku­li­na­risch - ge­führt.
    Freu mich schon auf Deine nächs­ten Be­richte.
    Bleib ge­sund. Liebe Grüße
    Monika

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