Isla Amantani

Wir le­gen an. Vor uns ein kah­ler Berg mit spär­li­cher Ve­ge­ta­tion und ver­streu­ten Häu­sern. An der An­le­ge­stelle er­war­ten uns die Ein­hei­mi­schen in ih­rer all­täg­li­chen, bun­ten Tracht. Ei­gent­lich soll­ten wir jetzt ge­mäß ei­nes strick­ten Plans den ein­zel­nen Gast­fa­mi­lien zu­ge­teilt wer­den, doch un­ser “Lon­ley Planet”-Buch sagte, es sei nicht gut. Schließ­lich ver­su­chen wir grüpp­chen­weise selbst ein Quar­tier zu fin­den, wu­den je­doch gleich­sam un­wei­ger­lich zu­ge­teilt. Un­ser Gast­va­ter scheint sehr en­ga­giert und führte uns zu sei­nem Haus nebst Gar­ten. Seine Kin­der ren­nen um­her. Sie und seine Frau be­grü­ßen uns mit ei­nem sanf­ten Hän­de­druck - so­was ist hier wohl nicht üblich und statt­des­sen er­lernt. Im ers­ten Stock des Hau­ses zeigt man uns un­ser Zim­mer. Drei Bet­ten, zwei kleine Fens­ter und Stühle er­war­ten uns hin­ter der nied­ri­gen Tür. Wir sind nur zu zweit, dass heißt Da­vid - ein Chi­nese, der in den Staa­ten stu­diert - und ich. Stolz weißt uns der Herr des Hau­ses auf eine Art Li­zenz hin, Tou­ris­ten zu be­herr­ber­gen.Aber­mals kann ich mein Spa­nisch tes­ten und mich nach­her ärgern, was ich falsch ge­sagt habe. Ich ver­steh, wann es es­sen gibt und was so über'n Tag zu an­steht.Zu­nächst gab’s Mit­tag­es­sen: als Vor­speise eine fade Suppe mit Kar­tof­feln und Ei drin. Dann ei­nen Tel­ler mit vier ver­schie­de­nen Sor­ten Kar­tof­feln und ei­nem Tunfisch-Zwiebel-Brei. Es hat al­les recht gut ge­schmeckt, wenn­gleich ich nicht hät­ten se­hen wol­len, un­ter wel­chen Um­stän­den es zu­be­rei­tet wurde. Die Kü­che glich ei­nem Erd­loch mit Feurstelle. Flie­ßend Was­ser gab es so­wie so nicht und Strom aus­schließ­lich aus Bat­te­rien. So lie­fen bei­spiels­weise ein paar Kin­der mit ei­nem Ghetto-Blaster ent­lang - eine trug eine Mu­sik­box und zwei eine große Au­to­ba­te­rie.Wir tra­fen die an­de­ren auf dem Plaza - sechs Schwa­ben, zwei Dä­nin­nen, zwei Ka­na­dier und ein Eng­län­der. Alle sa­ßen sie schon mit uns in ei­nem Boot und jetzt soll­ten wir ge­mein­sam ein paar Inka-Ruinen be­stau­nen. Es dau­erte nicht lang, da ver­folgte uns ein Trupp mu­si­zie­ren­der Kin­der. Die Mu­sik war schön, doch gleich hiel­ten sie ihre bunte Mütze für ein paar Dol­ler auf.

Die im Ver­gleich zu Cusco hin­zu­ge­won­nen 400 Hö­hen­me­ter wur­den fast auf 4000 Me­ter auf­ge­run­det. Ent­spre­chend hing uns beim Er­klim­men der seich­ten Stu­fen die Zunge aus dem Hals. Als ich da­heim in Deutsch­land mit dem Fin­ger über die Land­karte fuhr, hatte ich mir die­sen Ort we­sent­lich an­ders vor­ge­stellt. Nun über­kam mich ein Ge­fühl, all das schon ein­mal ge­se­hen zu ha­ben. Nahe dem Gip­fel er­streckte sich ein Netz von ge­schich­te­ten Stein­mau­ern und Ter­ras­sen. Oben­auf ein zwei­fa­ches Qua­drat aus eben die­sen Stein­mau­ern (Pan­cha­mama == Mut­ter Erde). So­fort er­in­nerte ich mich an die Aron-Islands in Ir­land. Es war, als hätte ich das fal­sche Boot ge­nom­men.Ein­zig die schnee­rei­chen Gip­fel der bo­li­via­ni­schen Cor­dil­le­ren und die um­ge­bende Sze­ne­rie, er­in­ner­ten mich daran, wo ich hier ge­lan­det bin. Es war be­reits dun­kel, als wir uns mit ei­nem Coca-Tee die Hände ge­wärmt hat­ten und den “com­pra” (kauft) ru­fen­den Frauen mit ih­ren Alpaka-Mützen, -Pull­overn, und -De­cken ent­ka­men. Fast im Tal an­ge­langt, er­schie­nen mehr und mehr Kin­der und frag­ten nach Dol­lern. Die­ses dreiste und un­be­grün­dete Bet­teln hat uns ganz schön ge­nervt. Wer sol­chen Be­stre­bun­gen nach­gibt sollte sich zweier Dinge be­wusst sein: (1) Geld für’s Nichts­tun ver­dirbt die Ar­beits­mo­ral (Pavlov) und (2) hilft eher den (zum gro­ßen Teil al­ko­hol­ab­hän­gi­gen) Vä­tern. Nach­dem uns vor dem Mit­tag­es­sen der Gast­va­ter mit sei­ner Frau ei­nen Be­such ab­stat­tete, um uns drei Müt­zen und fünf Freud­schafts­bän­der zu ver­kau­fen, er­schien nach dem Abend­esse (Suppe+Reis mit Boh­nen) der älteste Sohn mit sei­ner Pan­flöte. Ich wollte mich wei­test­ge­hend mit ihm un­ter­hal­ten, doch er kam nur, um uns ein paar So­les we­gen, ein Ständ­chen zu spie­len. Wie schade, die Na­tür­lich­keit blieb aber­mals auf der Stre­cke. Für den Abend hat man uns alle zum Tanz ins Ge­mein­de­haus ein­ge­la­den. Es gab auf der In­sel neun Ge­mein­den mit je 12 Fa­mi­lien. Mit ei­ner dach­ten wir dort zu feie­ren, aber es wa­ren ab­ge­se­hen von den Mu­si­kan­ten nur Tou­ris­ten da, die Rin­gel­reihe zur Mu­sik um­her­spran­gen. Ich hätte glaub ganz biss­chen Al­ko­hol ge­braucht, um mich die­sem Trei­ben hin­ge­ben zu wol­len. Wir glaub­ten uns im fal­schen Film. Un­ser Gast­va­ter war in­zwi­schen ir­gend­wie und ir­gendwo be­sof­fen ge­wor­den. Ei­nem von uns gings we­gen des Es­sens schlecht. Naja, wir plau­der­ten amü­siert bis 10 Uhr, dann war Zap­fen­streich, dass heißt, es wurde Zap­fen­dus­ter - die Gas­lampe wurd’ aus­ge­macht und wir stan­den da, mit Pon­chos be­han­gen und von bun­ten Müt­zen be­deckt. Die mit mir ge­reis­ten wa­ren je­doch sehr in­ter­es­sante Ge­sprächs­part­ner. Die Deut­schen hat­ten teils be­reits ein Volun­ta­riat in Peru hin­ter sich, bzw. wa­ren noch da­bei. Ei­ner be­rei­tete sich in Are­quipe auf seine Di­plom­ar­beit bei ei­nem Strom­ver­sor­ger vor. Ich be­fand mich also un­ter Gleich­ge­sinn­ten. Mit Da­vid habe ich auf’m Zim­mer noch sehr lang über China gesprochen.

Ich weiß nicht wa­rum, aber seit ich in Peru bin wa­che ich täg­lich ge­gen 6 Uhr - zum Son­nen­auf­gang - auf. Nach dem Früh­stück fuh­ren wir so­gleich zur Isla Taquile.

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Posted by nise | Filed in Reisen | Comment now »Share this on del.icio.us Digg this! Share this on Facebook Share this on Technorati Tweet This!

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