28.02.2009

Filmdokument: Kriegsverbrecher-Prozeß in Görlitz

Erst­mals habe ich his­to­ri­sches Film­a­te­rial über das Ver­fah­ren ge­gen die zwei „Haupt­schul­di­gen NS-​​Verbrecher“ in Gör­litz ge­fun­den. Ich meine den im Volks­mund be­kann­ten Malitz-​​Meinshausen-​​Prozeß ge­gen Dr. Bruno Er­win Fritz Ma­litz, so der voll­stän­dige Name des ehe­ma­li­gen NSDAP-​​Kreisleiters in Gör­litz, und ge­gen den ehe­ma­li­gen Gör­lit­zer Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Hans Fried­rich Au­gust Meins­hau­sen.
Ma­litz und Meins­hau­sen wa­ren zwei von ins­ge­samt 2405 so­ge­nann­ten Haupt­schul­di­gen NS-​​Verbrechern, ge­gen die in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zone zwi­schen Sep­tem­ber 1947 und Jah­res­ende 1950 er­mit­telt wurde.

Auf­merk­sam­keit er­regte der Pro­zeß nicht nur in Gör­litz, son­dern dank ei­ner weit­rei­chen­den Me­di­en­kam­pa­gne auch in der ge­sam­ten so­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zone. Der 2000 Men­schen fas­sende Saal der Gör­lit­zer Stadt­halle diente als Ver­hand­lungs­ort und ge­nügte kaum dem An­drang der in­ter­es­sier­ten Be­völ­ke­rung. Spä­tes­tens beim Auf­tritt von Wal­ter Ul­bricht als Zeu­gen, wird klar, daß es sich hier­bei um ei­nen Schau­pro­zess han­delt, des­sen Ur­teil, um ei­ner öf­fent­li­chen und vor al­lem deutsch­land­wei­ten Bla­mage zu ent­ge­hen, schon von vorn her­ein fest­ge­stan­den ha­ben muss. Der Pro­zeß an sich diente also dazu, die Be­grün­dung der Strafe an die Öf­fent­lich­keit zu bringen.

Die bei­den An­ge­klag­ten wer­den zum Tode ver­ur­teilt. „Das Straf­maß für Meins­hau­sen sei im Ver­hält­nis zu Ur­tei­len des Nürn­ber­ger Mi­li­tär­ge­richts nicht ge­recht­fer­tigt“, hieß es im Re­vi­si­ons­an­trag der Ver­tei­di­gung. Die An­klä­ger, un­ter der Lei­tung von Ge­ne­ral­staats­an­walt Dr. Helm, de­fi­nier­ten dar­auf­hin ihre Aus­le­gung der „Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit“, wo­nach eben­diese sich nicht al­lein auf kör­per­li­che Miß­hand­lung be­schrän­ken, son­dern „die ge­samte Tä­tig­keit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus auf al­len Le­bens­ge­bie­ten“ ein­be­zie­hen. Eben diese Tä­tig­keit stand in Be­zug auf das KZ-​​Außenlager je­doch in Ab­hän­gig­keit meh­re­rer In­stan­zen, wel­che man zur Klä­rung der Ver­ant­wor­tung für den To­des­marsch hätte her­an­zie­hen müs­sen. Die Staats­an­walt­schaft be­mühte sich nicht, eine Aus­lie­fe­rung des La­ger­kom­man­dan­ten oder des Ge­ne­ral­di­rek­tors der WUMAG zu er­wir­ken. Ma­litz und Meins­hau­sen wurde die ge­samte Ver­ant­wor­tung zu­ge­schrie­ben, so daß sich wei­tere Er­mitt­lun­gen, in der hier be­tref­fen­den Sa­che, erübrigten.

00:23 - In der Szene wer­den die ex­hu­mier­ten Lei­chen der Häft­linge des KZ-​​Außenlagers auf dem Jü­di­schen Fried­hof in Gör­litz ge­zeigt. Vor ei­ner Auf­rei­hung von Schä­deln ste­hen (v.l.n.r.) die Kri­mi­nal­kom­mis­sare Kurt Wolf und Herr Mehl­mann, so wie die An­ge­klag­ten Dr. Hans Meins­hau­sen und Dr. Bruno Ma­litz. Hin­ter den Per­so­nen lie­gen meh­rer stark ver­weste Skelette.

00:47 - Auf ei­ner der vor­de­ren Bänke, in der als Ge­richts­saal die­nen­den Gör­lit­zer Stadt­halle, sind drei Her­ren zu se­hen, die wahr­schein­lich als Zeu­gen ge­la­den wa­ren. Je­ner Herr mit Krü­cken ist ver­mut­lich Ja­nusch Obo­ro­wicz - ein ehe­ma­li­ger Häft­ling des KZ-​​AL Görlitz.

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Originaltitel/​Archivtitel: Der Au­gen­zeuge 1948/​102
Pro­duk­ti­ons­land: DDR (So­wje­ti­sche Be­sat­zung­zone)
Pro­duk­tion: DEFA
Fil­mart: Do­ku­men­tar­film (D)
HerstJ/​Freigabe: 1948
Ver­öf­fent­li­chun­gen DVD: ICESTORM En­ter­tain­ment GmbH ("Der Au­gen­zeuge - Die 40er Jahre")

Posted by nise | Filed in Shoa | 1 Kommentar »Share this on del.icio.us Digg this! Share this on Facebook Share this on Technorati Tweet This!

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One Response to “Filmdokument: Kriegsverbrecher-Prozeß in Görlitz”

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    [...] Film­do­ku­ment: Kriegsverbrecher-​​Prozeß in Görlitz [...]

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