Ein gewürfeltelter Zinken statt eines gezinkten Würfels

So rich­tig weiss ich noch nicht, was ich von dem La­den hal­ten soll, in dem 200 Leute 48 Stun­den die Wo­chen ar­bei­ten und um sich eine Menge Dampf ma­chen. Z. ist für pe­rua­ni­sche Ver­hält­nisse ganz si­cher ein Aus­nah­me­be­trieb im po­si­ti­ven Sinne. ISO Nor­men sind hier nicht all zu weit ver­brei­tet und dar­über hin­aus kennt man bei ZINSA so­gar schon das Wort Um­welt­schutz, wenn­gleich die Um­set­zung noch län­gere Zeit in An­spruch neh­men wird.

Ihr fragt euch be­stimmt, was die dort ei­gent­lich ma­chen. Zink-Kugeln, Zin­k­oxid, Zinks­ul­fat, Mes­sing, Bronze, Blei, An­oden und auch Weiß­blech. In klei­nen Hoch­öfen wer­den Me­talle ge­schmol­zen, ver­brannt und le­giert, um an­schlie­ßend ver­packt und in alle Welt (47 Län­der) ver­schifft zu wer­den. Nix als Hüt­ten­we­sen. Die Roh­stoffe stam­men alle samt aus den Mi­nen des roh­stoff­rei­chen Lan­des Peru. Das Un­ter­neh­men ist mit­tel­stän­disch, je­doch kurz vor dem Sprung zu den Gro­ßen. Dem­nächst folgt eine No­tie­rung an der Börse in Lima. Der Be­trieb ist in Cal­lao an­ge­sie­delt. Cal­lao be­sitzt nicht nur den größ­ten Ha­fen des Lan­des, son­dern ist auch die zweit­größte Stadt in Peru und fast voll­kom­men von Lima ein­ge­schlos­sen. Z. liegt et­was au­ßer­halb, in ei­ner wirk­lich üblen Ge­gend. Übe­r­all ist es nebel- und smog­ver­han­gen, die Stra­ßen se­hen ärm­lich aus, die Leute sind arg her­un­ter­ge­kom­men und ver­su­chen mit al­len Mit­teln um die Run­den zu kom­men. Letz­tens sprang ei­ner auf ei­nen Sat­tel­schlep­per und ver­suchte ein paar Ei­sen­trä­ger herunterzuwerfen.

Was mach ich dort? Meine Auf­ga­ben­be­rei­che er­stre­cken sich vom Mar­ke­ting, Re­qui­re­ment­s­En­gi­nee­ring, Usa­bi­li­ty­En­gi­nee­ring über die Webent­wicklick­lung bis hin zur Schu­lung in Sa­chen Un­ter­neh­mens­kul­tur und Um­welt­schutz "Made in Ger­many". Das klingt al­les recht viel­ver­spre­chend, doch stellt es für mich nicht ge­rade die Her­aus­for­de­rung dar, nach der ich ei­gent­lich su­che. So hätte ich am ers­ten Tag fast schon die Auf­gabe des ers­ten Mo­nats er­le­digt. Nach­dem ich nun täg­lich sämt­li­che Web­sei­ten deut­scher Tages- und IT-Zeitungen lese, su­che ich nach Be­schäf­ti­gung. Still­sit­zen und Zeit tot­schla­gen ist ein­fach nicht mein Ding, da­für schwirrt mir zu­viele im Kopf rum. Spa­nisch zu Bei­spiel. Schlimm ist's, wenn ich auf spa­nisch träum' und ge­wisse Ge­dan­ken mit mei­nem be­grenz­ten Sprach­ho­ri­zont nicht zu Ende füh­ren kann. Ich habe mir heut ein leicht ver­ständ­li­ches Buch grie­chi­scher Sa­gen ge­kauft, um mein Sprach­ge­fühl zu ver­bes­sern. Im G'schäft klappts fach­li­cher­seits schon ganz gut mit dem Spre­chen, doch kann ich dem slang-behafteten Smaltalk mei­ner Kol­le­gen noch nicht ganz fol­gen. Übri­gens sind sie al­le­samt su­per nett und übe­r­aus hilfs­be­reit. Jaime - ei­ner der vier Brü­der, de­nen das Un­ter­neh­men ge­hört - holt mich je­den Mor­gen mit sei­nen klei­nen Stepp­ken von da­heim ab und fährt mich auf Ar­beit. Er hat schon in ei­ni­gen Un­ter­neh­men ge­ar­bei­tet und ver­fügt in Peru über aus­ge­zeich­nete Be­zie­hun­gen - bis hin zu Mi­nis­tern. Auf dem Rück­weg fahre ich jetzt im­mer mit Elisa, der Chef­se­kre­tä­rin. Ich bin schon froh nicht mit den lang­sa­men und stin­ken­den Bus­sen fah­ren zu müs­sen. Gut ist auch, dass ich nur vier Tage pro Wo­che Ar­beite und so­mit, die für mich gel­tende 36-Stundenwoche er­fülle. So­mit habe ich mehr Zeit mir die Stadt an­zu­se­hen, noch­mals auf Rei­sen zu ge­hen und na­tür­lich mei­nen Job im In­sti­tut für Bio­me­cha­nik weiterzuführen

Posted by nise | Filed in Reisen | Comment now »Share this on del.icio.us Digg this! Share this on Facebook Share this on Technorati Tweet This!

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