14.08.2007

Zwischenstopp

Ich sitze im Bus und warte bis er voll wird, da­mit wir end­lich los­fah­ren. Drau­ßen steht ein Mäd­chen von etwa 14 Jah­ren und beisst von ei­ner Ma­da­r­ine ab. Ihre Haare sind fet­tig und zer­zaust, ihre Klei­der un­ge­wa­schen. Auf dem Rü­cken trägt sie ihr halb ver­wahr­los­tes Kind, was noch viel schlim­mer aus­sieht und kaum et­was an hat. Ne­ben mich setzt sich eine Frau mit ei­nem Kar­ton, in dem ein Henne ga­ckert. Ge­gen­über, in der an­de­ren Sitz­reihe, pro­tes­tiert eine äl­tere Frau en­er­gisch ge­gen die lange War­te­zeit. Wir fah­ren los, ver­las­sen die Stadt und pas­sie­ren ein Dorf. Viele Bul­len ste­hen auf der Strasse und et­was wei­ter war­ten die kräf­tigs­ten von ih­nen vor ei­ner Stier­kampf­arena. Sonn­tag ist Stier­kampf­tag. Ir­gendwo in den Ber­gen, am Rande der stau­bi­gen Schot­ter­piste, hält der Bus vor ei­nem 'Re­stau­rant'. Drin­nen gibts Pollo (Hühn­chen) mit Reis. Die Ein­rich­tung ist ebenso spar­ta­nisch, wie die Art zu Es­sen. Wer mit ei­nem Löf­fel nicht aus­kommt, muss mit sei­nen Fin­gern Vor­lieb neh­men. Ich esse nur Brot. Das Toi­let­ten­häus­chen ne­ben dem Haus ist so klein, dass ich nicht weiss wie ich da rein kom­men soll. Nach vier Stun­den er­rei­chen wir im Glanze des Abend­lich­tes die Stadt Ce­len­din. Ent­täuscht muss ich hin­neh­men, dass es heute keine An­schluss­ver­bin­dung nach Ley­mebamba gibt. In Ce­len­din sel­ber kann man nicht viel un­ter­neh­men. In der win­zi­gen Bi­blio­thek su­che ich ver­geb­lich nach tou­ris­ti­schen In­for­ma­tion (im­mer­hin hatte man ei­nen Au­druck der Web­seite vor­rä­tig). Es war noch hell drau­ßen und des­halb wollte ich auf den Berg klet­tern, auf dem eine grosse Chris­tus­sta­tue thront, um mir ei­nen Über­blick zu ver­schaf­fen. Von oben wirkte die Stadt recht gross - aber mehr auch nicht. Auf dem Plaza de Ar­maz war es in­zwi­schen voll ge­wor­den. Viele Leute ström­ten in die Kir­che und eben­so­viele aus ihr hin­aus. Vor der Pforte spielte eine Ka­pelle eine Reihe von ak­tu­el­len und tra­di­tio­nel­len Stü­cken. Zu­nächst tanzte nur eine Be­trun­ke­ner, spä­ter je­doch auch ein paar Bau­ern aus den Ber­gen. Das war nicht nur schön an­zu­se­hen, son­dern er­zeugte auch eine et­was mys­ti­sche Stimmung.

Posted by nise | Filed in Reisen | Kommentieren »Share this on del.icio.us Digg this! Share this on Facebook Share this on Technorati Tweet This!

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