30.10.2015

ZuseExpo in Nowa Huta

Die Ho­yers­wer­daer Neu­stadt ist das Nowa Huta von Ost­sach­sen. Rie­sige Plat­ten­bau­ten er­in­nern an post-​​stalinistische Woh­nungs­bau­pro­jekte ei­ner Stadt, die we­gen der Ar­beit im Kohl­ver­ede­lungs­werk Schwarze Pumpe sich ein­mal zu ei­ner Groß­stadt ent­wi­ckeln sollte. In­zwi­schen wur­den viele Plat­ten in ih­rer Höhe ra­siert und in ih­rer An­zahl de­zi­miert. Grö­ßer als die Plat­ten­bau­ten sind heute die Ra­sen­flä­chen. Sie er­öff­nen Sicht­ach­sen, die im Nichts ver­lau­fen. Die Ab­we­sen­heit von Land­schafts­ar­chi­tek­ten ist in die­ser Ge­gend wahr­schein­lich nur das ge­ringste Problem.

Im ehe­ma­li­gen Be­triebskul­tur­haus des Gas­kom­bi­nats Schwarze Pumpe - der heu­ti­gen Lau­sitz­halle - fand in den letz­ten bei­den Ta­gen eine IT Messe na­mens Zu­se­Expo statt. Kon­rad Zuse lieh sei­nen Na­men für die Ver­an­stal­tung und ließ auf vi­sio­näre Aus­stel­ler hof­fen. Kaum zwei Dut­zend Stände er­war­te­ten die Be­su­cher der B2B Messe. Die Stände wa­ren nur mä­ßig be­setzt, die Rei­hen im gro­ßen Saal blie­ben kläg­lich leer. Viele klei­nere Fir­men wa­ren voll­zäh­lig zur Messe er­schie­nen. Über­ra­schen­der Weise sah ich nur we­nige Soft­ware Fir­men, ver­mehrt je­doch Fir­men aus dem Automotive-​​Bereich und der Au­to­ma­ti­sie­rungs­bran­che. Also größ­ten­teils Fir­men, die viel mit Hard­ware ar­bei­ten. Aus dem Me­di­en­be­reich war gar nur ein Aus­stel­ler zu fin­den. Das Thema In­ter­net wurde, ab­ge­se­hen von ei­nem CMS-​​Anbieter mit ei­nem ostsächsich-​​komplizierten Ba­ckend, nur bei Kaf­fee und Ku­chen ab­ge­früh­stückt, ob­wohl es in (Ost)Sachsen sehr viele Ak­teure in dem Be­reich gibt.

Ich wollte auf der Mes­sen Kon­takte für For­schung und Lehre knüp­fen. Dies ist mir auch ge­lun­gen, trotz­dem die meis­ten Fir­men kein In­ter­esse an ak­tu­el­ler For­schung hat­ten und pri­mär dar­auf aus wa­ren, Ge­schäfte mit an­de­ren Fir­men zu ma­chen. Fach­kräf­te­man­gel war kein Thema. Auch das In­ter­esse an Prak­ti­kan­ten und Mas­teran­den war gering.

Al­les in al­lem war dies eine we­nig vi­sio­näre Messe. Nicht zu­letzt das ver­staubte Am­bi­ente ei­nes DDR-​​Kulturhauses ver­mit­telte den Ein­druck des Still­stands. Et­was mehr Sinn für Schön­heit, Krea­ti­vi­tät und an­spre­chende For­mate hät­ten der Ver­an­stal­tung gut ge­tan. Die Ent­schei­dung für den Stand­ort Ho­yers­werda zeugt von Idea­lis­mus und wird von der Ge­schichte Zu­ses ge­tra­gen - mehr aber auch nicht.

Posted by nise | Filed in Tech | Kommentieren »Share this on del.icio.us Digg this! Share this on Facebook Share this on Technorati Tweet This!

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