26.01.2015

In Ruhe forschen: Midreshet Ben-Gurion

Ein­gang zum Cam­pus des Ja­cob Blaustein In­sti­tut in Mid­res­het Ben-​​Gurion

Die schon am IHI Zit­tau ge­prie­sene Klein­heit kommt in Mid­res­het Ben-​​Gurion voll und ganz zum tra­gen. Die Wege sind kurz und al­les Le­bens­not­wen­dige ist ver­füg­bar. Mit 200 Stu­die­ren­den und 1600 Ein­woh­nern ist der Ort recht klein. Man kennt sich und grüßt dar­über hin­aus. Das Durch­schnitts­al­ter ist sehr nied­rig und die Ge­bur­ten­rate (wie über­all im Land) mit 2,4 Kin­der pro Frau recht hoch. Hinzu kommt ein aus­ge­wo­ge­nes Maß an Ab­len­kung: Das Cafe und die zwei Bars ha­ben nicht je­den Tag ge­öff­net, wäh­rend mehre Sport­plätze, eine Turn­halle, ein Frei­bad und der Na­tio­nal­park zum Wan­dern ein­la­den. Be­mer­kens­wert ist die ge­lebte Schenk-​​ und Tau­schöko­no­mie: im Wasch­sa­lon fin­den sich täg­lich neue Ge­braucht­klei­der zum mit­neh­men; in ei­ner Open Li­brary kann man Bü­cher ein­stel­len und mit­neh­men; je­den Sams­tag or­ga­ni­sie­ren Leute ein Cafe mit selbst­ge­ba­cke­nen Ku­chen und Ge­trän­ken. Si­cher­lich sind diese Ge­mein­schafts­for­men auch durch den enorm teu­ren Le­bens­un­ter­halt mo­ti­viert (siehe Milki-​​Protest [1]).

Studenten-​​ und Gäs­te­häu­ser der Universität.

Auch die Un­ter­künfte sind klein, so dass man gar nicht in die Ver­le­gen­heit kommt ein Über­maß an Din­gen zu hor­ten, de­ren Pflege und Be­nut­zung Zeit be­an­sprucht.  Zu dritt be­woh­nen wir we­ni­ger als 30m². Jede Ecke des Rau­mes hat eine Funk­tion: Ko­chen, Ar­bei­ten, Schla­fen, Ausspannen/​Spielen, Bad. Der In­halt un­se­rer zwei Kof­fer füllt nicht ein­mal die Schränke, doch es fehlt uns an nichts.

Can­jon des Zin.

Am süd­li­chen Orts­rand er­streckt sich ein Tal, was sich Rich­tung Wes­ten zum Can­jon von En-​​Avdat ver­engt. Durch diese Mond­land­schaft bahnt sich ein paar mal im Jahr ein Fluss, oder bes­ser ge­sagt Wadi, na­mens Nahal Zin sei­nen Weg. Wir hat­ten das Glück die­ses Schau­spiel im Ja­nuar zu er­le­ben. Stra­ßen wur­den un­pas­sie­bar und rie­sige Was­ser­fäl­len ent­stan­den aus dem Nichts.

Die ma­jes­tä­ti­schen Stein­bö­cke soll­ten sich ei­gent­lich im an­gren­zen­den Ben-​​Gurion Na­tio­nal­park tum­meln, statt des­sen zie­hen sie durch die Stra­ßen und plün­dern manch Garten.

Bun­ker.

So wie fast täg­lich Kampf­flug­zeuge ihre Pi­rou­et­ten über uns dre­hen, stellt auch der An­blick von Bun­kern et­was All­täg­li­ches dar. Diese muss­ten die Ein­woh­ner zu­letzt wäh­rend des Gaza-​​Konflikts im Som­mer 2014 auf­su­chen. Si­cher­heits­kon­trol­len an Bahn­hö­fen und Ein­kauf­zen­tren so­wie voll be­waff­nete Sol­da­ten, die zwi­schen ih­rer Ba­sis und dem Hei­mat­ort pen­deln, sind hier Nor­ma­li­tät. Die stän­dige Be­dro­hungs­lage führt je­doch auch zu ei­ner be­son­de­ren Für­sorge. Is­rae­lis pas­sen auf­ein­an­der auf und küm­mern sich um ihre Mit­men­schen. Das be­ginnt schon auf der Straße, wo man ein­an­der grüßt und den Blick­kon­takt sucht. Wer Hilfe be­nö­tigt, be­kommt sie ohne ein Nör­geln und in ei­ner zu­vor­kom­men­den Weise.

Ab­ge­se­hen von der na­tür­li­chen Grenze des Can­yon um­gibt ein Si­cher­heits­zaun den Ort. An­lass zur Er­rich­tung die­ser Zäune wa­ren nächt­li­che Die­bes­züge von Be­dui­nen, die mit LKWs durch den Ort fuh­ren, um Fahr­rä­der zu steh­len. Hof­fent­lich nimmt sich das nie­mand aus der Oberlausitz/​Lausitz zu Her­zen, um sich ge­gen die so­ge­nann­ten Grenz­kri­mi­na­li­tät zu wappnen.

Ein ech­ter Sand­platz mit Po­ten­tial zur Ver­grö­ße­rung des Spielfelds.

Mid­res­het Ben-​​Gurion ist also ein gu­ter Ort zum Experimentieren.


One Response to “In Ruhe forschen: Midreshet Ben-Gurion”

  1. Bettina Spohr Says:

    I loved
    to be here for 2weeks......

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