Ueber die Anden kurven

Gegen vier morgens stiegen wir in El Cocuy in den Bus, um in fuenf Etappen nach Mompos zu gelangen. Dazu muessen wir die Cordillera Oeste (Westanden) ueberqueren und entlang des Rio Magdalena auf die Insel Mompos uebersetzen.

Von El Cocuy nach Capitanejo verkehrte ein Bus der Firma Concorde entlang des Rio Concavo. In Capitanejo Muendete der Fluss in den Rio Chicamocha. Im subtropisch warmen und von Kakteen uebersaaeten Tal bei Capitanejo erhielten wir direkten Anschluss. Unter massiver Predigt-Beschallung fuhren wir mit einem Colectivo (Minibus) aus dem Tal hinaus. Immerhin erreichten wir auch den naechsten Bus in Malaga. Zu unser Ueberraschung sollte er fuer die anscheinend kurze Strecke von 80 Kilometern sieben Stunden benoetigen. Nach den ersten Kilometern erklaerte sich die Fahrzeit anhand der schlechten Piste – von Strasse konnte keine Rede sein.

Kurve um Kurve holperten wir den ersten Pass hinauf und wieder herunter. Hinter jedem Bergauslaeufer folgten dutzende Kurven, die wir am jeweils folgenden Auslaeufer noch einmal sehen konnten. Es folgte ein Pass nach dem anderen. Waehrenddessen wechselte die Vegetation und mit ihr die gravierenden Spuren der Zivilisation. Jeder Haeusler hat sich ein Stueck Wald abgeholzt und in ein Feld verwandelt, was je nach Lage auch mal zu Tale rutschen kann.
Aufgrund der heftigen Regenfaelle im Dezember sind immer noch viele Strassen in den Anden beschaedigt. Durch Erdrutsche kam es zu erheblichen Schaeden auf den ohnehin schon schlechten Pisten. Die Bauarbeiten sind noch im vollem Gange. Die Strecke, auf der kaum zwei Fahrzeuge nebeneinander Platz haben, wurde indes nicht gesperrt. Ampeln oder sichere Absperrungen gab es kaum. Statt dessen nur ein paar Sandtonnen, Absperrband und den gut gemeinten Hinweis, es sei peligroso (gefaehrlich). Unseren Busfahrer kuemmerte das wenig. Sicher steuerte er um die Felsen und durch die Baustellen. Die Strassenbauarbeiter liessen sich ihrerseits auch nicht von einem vorbeifahrenden Bus oder LKW stoeren und schaufelten weiter unterhalb der Strassenoberflaeche. Mehrmals setzte der Bus auf, einmal blieb er im Schlamm einer Flussfurth stecken.
Von den vielen Kurven kotzte ein Kind in den Bus. Wir hatten weniger mit der Uebelkeit, als mit paranoiden Schwindelgefuehl zu kaempfen. Nach acht Stunden hatte die dritte Etappe in Bucaramange ihr Ende. Im feuchtwarmen Busbahnhof (Terminal) konnten wir uns jetzt ein paar Stunden ausruhen, bevor wir uebernacht nach „El Banco“ am Rio Magdalena fuhren. Nach einer zweistuendigen Fahrt auf einem PickupTruck erreichten wir nach insgesamt 29 Stunden Fahrzeit unser Ziel Mompos.

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