GML² im Nachgang: Datenschutz und Learning Analytics

Vor gut einer Woche besuchte ich die GML² an der Freien Universität Berlin. Im AV-Workshop vor der Tagung sprach ich über die Entwicklung und Nutzerverhaltensanalyse von IWRM education. Jenseits der vielen gedanklichen Mitbringsel möchte auf das Spannungsfeld von Datenschutz und Learning Analytics (LA) eingehen. Mein Eindruck ist, dass LA überall gehypet wird, aber eigentlich nur wenige schon einmal damit in Berührung gekommen sind. Die ethischen Probleme eines gläsernen Studierenden ahnen jedoch viele (NSA sei Dank). Exemplarische Bedenken habe ich in drei Thesen gebündelt, für die ich nach weitere belege suche:

These 1: Studierende und Lehrende beharren bei elektronischen Lernangeboten von Hochschulen auf strenge Datenschutzrichtlinien, während sie diese bei externen Anbietern ignorieren. Beispielsweise dürften Lehrende beim Angebot von Vorlesungsaufzeichnungen nicht protokollieren welche Videos und Videoszenen von wem und wann betrachtet werden. Bei YouTube veröffentlichte Videos würden jedoch ganz natürlich durch die Google Analytics Instrumente ausgewertet. In letzteren Fall ist nicht einmal sicher, welche Daten zusätzlich erhoben werden (z.B. Google-Benutzername). Mit der Preisgabe persönlichen Daten bezahlen Lehrende dafür, die Infrastruktur von YouTube nutzen können.

These 2: Unter welchen Bedingungen ist es gerechtfertigt die Nutzung von Open Educational Resources (OER) zu tracen? Bezahlen Lernenden durch die Protokollierung ihres Lernverhaltens die kostenfrei zur Verfügung gestellten Lernangebote? Macht es einen Unterschied, ob die Daten zur Forschungszwecken oder zur Ökonomisierung erhoben werden? Beleg dafür sind die Analytics-Instrumente bei Khan Academy oder die umfangreichen Auswertungen der MOOC-Anbieter, die nicht nur die Gründe für Kursabbrüche zu ergründen versuchen, sondern die Lernergebnisse und Nutzerprofile an Head Huntern verkaufen. Freilich, das machen nicht alle.

These 3: Eingebaute Tracingfunktionen in Lernumgebungen nutzen Lehrende, oft jedoch ohne die Lernenden darüber in Kenntnis zu setzen. Beispielsweise erlaubt die Videoplattform MediaSite die Beobachtung einzelner Studierender! Für eine  Hamburger Hochschule thematisierte ein Referent bei der GML² keine ethischen Gewissensbisse. Ich sehe das anders. Den Empfehlungen von der APA folgend, so meine These, müssten Studierende jeder Zeit einem Tracing ihres Benutzerverhalten zustimmen oder sich verweigern können. Betrachtet werden könnten dann nur jene Studierende, die zuvor einwilligten. Falls Sie sich das jedoch bis zum nächsten Veranstaltungstermin anderes überlegen, so darf der Lehrende keinen Zugriff auf die früher erhobenen Daten mehr bekommen. Die Crux ist dabei die Ablage der Daten, die erst mit vorhandener Zustimmung zur Auswertung herangezogen werden darf. Um hier Missbrauch zu verhindern, müssten die Datensätze verschlüsselt sein, und zwar mit einem Schlüssel, der weder im System, noch bei dem Lehrenden, sondern einzig beim Studierenden gespeichert/memoriert ist.

 

An der eigenen Nase gefasst, habe ich mir hier einige Hausaufgaben definiert. In IWRM education erhebe ich Daten zur Verbesserung des Lernangebots. In meinen Studien zu CSCL-Scripts protokollierte ich ebenso Nutzerinteraktionen, zuletzt jedoch im Opt-Out Modus für Studierende.

 

#SOOC13 Hilfe, mein Prof blogt! Texten ist Neunziger.

Im SOOC13 läuft gerade eine Blogparade bei der Professoren und Wissenschaftlichen Mitarbeiter gefragt werden, warum sie bloggen.

Aber warum? Blogposts werden auf keiner Publikationsliste erwähnt. Blogposts werden bei Anträgen um Drittmittel nicht berücksichtigt. Blogposts werden vielleicht noch nicht einmal von den eigenen Mitarbeitern oder Studenten gelesen. Oder doch?

Für mich hat das Bloggen nur teilweise mit dem Job an der Uni zu tun. Zum einen habe ich bereits während meines Studiums (2007) bzw. während der Schulzeit (1999) mit dem Bloggen bzw. „Homepage füllen“ begonnen und zum anderen gehen die in meinem Blog dargestellten Themen weit über die Spezialisierung meiner Forschung und Lehre hinaus. Ein Blog ist für mich zunächst nur ein Weg, Inhalte ins WWW zu stellen und dabei die Kontrolle über die Daten zu behalten. Hier eine Reihe von Gründen, die mich bislang trotz oder aufgrund von 33 Feed-Abonnenten und täglich >100 Besuchern (~600 page views) dazu bewogen haben 262 Beiträge schreiben:

  • Media Richness: Auf einer Webseite lassen sich Dinge darstellen, die eine Paper/Konferenzbeitrag (noch?) nicht vermitteln kann (z.B. interaktive Software). Aber auch beim bloggen gerate ich zunehmend an die Grenzen des darstellbaren. Die Ausdruckskraft der gegenwärtigen Systeme hält mit den gestalterischen Asudrucksformen (DataViz/D3, Layered Video, Infografiken, Motion Graphics, SVG, …) nicht mehr mit. Wer „heute digitale Avantgarde sein will“, so sagte Markus Hündgen auf der re:publica, „braucht einen Kanal bei YouTube“ und einiges mehr, so meine ich. Texten ist Neunziger.
  • Flüchtigkeit vs. Transparenz: Im Vergleich zu Vorträgen, Demos usw. manifestieren sich Inhalte in Blogposts viel besser über längere Zeit hinweg. Die Manifestation schafft eine Transparenz der eigenen Aktivität.
  • Denken durch Schreiben: Einen Beitrag für eine  Zielgruppe zu schreiben und dabei eine bestimmte Absichten zu verfolgen kann man als komplexes Problemlösen oder gar problemlösendes Lernen bezeichnen. Wenn ich einen kurzen Blogpost schreibe, ordne ich meine Gedanken zu einem Thema. Das hilft mir, falls ich später einen umfassenderen Text verfassen möchte. Es hilft auch, um Fragestellungen und Argumentationslinien während des Schreibens zu finden.
  • Speicher voll Wissen: Die Funktionen von Social Bookmarking Diensten hat mir noch nie ausgereicht, um Zusammenhänge und Einordnungen von Ressourcen festzuhalten. Ich nutze die Kombination aus Kategorien, Tags, Blogpost und die Verweise auf ähnliche Beiträge als _eine_ Form des persönlichen Wissensmanagement.
  • Medaille²: Neben diesem öffentlichen Teil meines Logbuchs gibt es seit nunmehr drei Jahren einen privaten Teil, der als lokales, persönliches Forschungstagebuch ([1]) fungiert. Zusammen bilden die Blogs zwei Seiten einer Medaille. Inhalte wechseln dabei des öfteren die Seiten und sind gegenseitig inspiriert.
  • Wirkung: In bestimmten Themenbereichen kann ich mit einem Blogpost Vertreter von Verwaltung und Presse erreichen und mit ihnen in Dialog treten. Das kann soweit führen, dass ein Blogpost öffentliche Debatten im Reallife auslöst und dadurch Handlungsdruck erzeugt (z.B. [1], [2], [3]). Mit wissenschaftlichen Beiträgen auf Tagungen und in Journalen wäre (mir) dies nicht möglich, weil sich ja kaum ein Journalist oder Kommunalpolitiker die Zeit oder das Geld nimmt, um an der Wissenschaft teilzuhaben.
  • Tiefe in der Breite: Wie bereits oben erwähnt, gönne ich mir die Freiheit über Dinge zu schreiben, die mich als Privatmensch bewegen, ohne auf Gutachten, Deadlines oder Autorenrichtlinien angewiesen zu sein. Über die Jahre haben sich dabei Themenstränge entwickelt, deren Inhalte ich wie ein Kurator zusammenstelle und kommentiere, oder die ich neu beitrage. Über die Zeit entsteht eine thematische Tiefe aus der ich und andere schöpfen können.
  • Prokrastination: Es kommt gelegentlich vor, dass ich hier und da [1, 2] Beiträge schreibe und dadurch die wirklich wichtigen Arbeiten aufschiebe. Bloggen ist wie Bleistiftspitzen oder Teekochen.

Text2Video: eine andere Art von InternetTV

Rolf Schulmeister hat vor mindestens sieben Jahren Abstufungen der Interaktivität von elektronischen Lernmedien beschrieben. Beim Versuch diese Stufen auf interaktive Videos zu übertragen, kam ich bei Stufe IV ins Stocken. Dieser Grad an Interaktivität ist dann erreicht, wenn aus den vom Anwender eingegebenen Daten oder Parametern eine Darstellung erzeugt wird. Typischer Weise kennt man das von Simulation, die Parameter einer mathematischen Form als Graphen plotten. GeoGebra gibt ein gutes Beispiel dafür ab.
Im Ergebnis entstehen jedoch keine Videos, sondern Grafiken oder Animationen. Die Frage, die mich treibt ist also, wie kann man beliebige Daten in ein Video umwandeln?
Trivial ist es aus Bildern ein Slideshow-Video bzw. Stop Motion Video zu generieren und mit Musik zu hinterlegen. Ebenso einfach wäre es aus einem flickr-tag ein solches Video zu erzeugen oder Motion Graphics zu erschaffen.

Viel besser will es ein Startup aus Miami lösen. Aus Blogs, tweets und sonstigen Textquellen wollen die Startups gui.de und wibitz Sprache generieren und mit Bildern zu Videos anreichern. Damit könnte man sich dann ein Stück des Internet oder vielleicht sogar Artikel und Bücher als Film ansehen. Kombiniert mit interaktiven Eingabemöglichkeiten der Anwender könnte ein neues Filmgenre entstehen. Ein oder mehrere Nutzer wählen eine Reihe von URLs und Textpassage im Netz aus und erzeugen daraus Filmszenen, die jeweils von verschiedenen Charakteren vorgestellt werden. Diese Charaktere könnten natürlich ein Abbild der Textautoren sein.
Auch wenn synthetische Stimmen (noch) nicht so aktivierend auf den Betrachter wirken sehe ich darin eine neue Form des Bildungsfernsehen. Ich freue mich auf Dienste wie Diigo2Video, twitter.tv und Text2MOOC.

http://www.youtube.com/watch?v=jU9uE_CnL88

Future Climate & Water @ MOOC Production Fellowship

Yesterday Christian Bernhofer, Marco Leidel and me applied for a founding of our Massive Open Online Course about the Adoption to Climate Change and Hydrological Extrems. The course is titled „Future Climate & Water“.
Although there are more then hundred applicants we are optimistic to obtain much attention thus the topic concerns everybody around the world. Further more we are experience with open online course formats such as www.iwrm-education.org.

Climate change is happening and it affects water resources and water availability. Therefore, the adaptation to climate change, resulting hydrological extreme events (i.e. floods and droughts) and water availability for societal tasks has to be on the political agenda. Yet, capacities are often limited, and experiences have yet to be widely shared.
This MOOC will therefore start with lectures on climate change and how this change impacts water resources, e.g. impacts on the agriculture. It is explained, how global and regional climate projections can be used for supporting decision making and thus for a robust and adaptive water management. Climate information is required for many decisions in regional and urban development and river basin management. Downscaled global circulation models provide detailed information about possible future climate conditions of small regions. In a further step, basics on hydrological extreme events will be explained and adaptive measures mitigating those events are shown (e.g. flood risk management).

See our full application at the MOOC Production Fellowship website.

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