12.04.2011

Rucksackreisen mit Iberia

Neu­lich auf ei­nem Flug mit Ibe­ria las in de­ren fir­men­ei­ge­nem Ma­ga­zin Ronda ei­nen Ar­ti­kel von der Stadt von mor­gen (La cui­dad de manana). Flug­hä­fen wa­ren in die­sem Ar­ti­kel ein ganz selbst­ver­ständ­li­ches Ar­te­fakt der ur­ba­nen Zu­kunft. Ihre Be­son­der­heit zeich­nete sich nicht etwa in neu­ar­ti­ger Flug­tech­nik oder ter­ror­si­che­rer Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gung aus, son­dern Be­stand im Fort­schritt bei der Gepäckabfertigung.

In Echt­zeit möchte Ibe­ria ihre Ge­päck­stü­cke durch Al­go­rith­men der Co­pu­ter Vi­sion er­ken­nen und den Pas­sa­gie­ren zu­ord­nen. Die Rea­li­tät in der Jetzt­zeit sieht lei­der noch ganz an­ders aus. Un­frei­wil­lig durfte ich Ibe­rias neue Ge­schäfts­mo­dell der Ruck­sack­rei­sen er­fah­ren.
Dem Bei­spiel der Ku­schel­tier­rei­sen fol­gend, hat sich Ibe­ria selbst über­trof­fen. Nach der De­vise: "Mit dem Ruck­sack um die Welt für we­nig Geld" schickt Ibe­ria pro­be­weise Ta­schen durch die Lüfte. Der Clou an dem Kon­zept ist die un­freie Be­stim­mung der De­sti­na­tion. Ge­spannt kann der Ei­gen­tü­mer da­heim (oder am Rei­se­ort sei­ner Wahl) das Nach­se­hen ha­ben. Ja, das Nach­se­hen ist in­klu­sive und um­sonst. Mit dem so ge­nann­ten World­tra­cer lässt sich wun­der­bar ver­fol­gen bzw. rät­seln, wo der Beu­tel durch die Lüfte schwingt und in wel­chem Ha­fen er ge­stran­det ist. Noch nä­her an sei­nen Beu­tel ge­langt man via Live-​​Berichterstattung der Ibe­ria Hot­line Re­por­ter. 24/​7 nah dran und trotz­dem weit weg! Die Re­por­ter nut­zen ein High­tech Kom­man­do­zei­len­in­ter­pre­ter aus den 1980er-​​Jahren. Das ist ge­lebte Zu­kunft nach ibe­ria­ni­schen Maßstäben.

Wäh­rend ich mich drei Wo­chen in kolubia­ni­schen Ge­fil­den plagte, jet­tete mein Ruck­sack ein paar mal mehr über den At­lan­tik, bis er sich für ei­nen Stop auf Lan­za­rote ent­schloss. Wahr­schein­lich hat sich mein Ge­päck­stück ei­nes frü­he­ren Auf­ent­halt auf der ka­na­ri­schen In­sel be­son­nen. Ich fand's klasse, ein­mal drei Wo­chen frei von Ge­päck zu rei­sen. Be­freit von Last und Sorge, je­mand könnte sich mei­ner Sa­chen be­mäch­ti­gen, ge­noß ich die Ur­laubs­zeit in Un­wis­sen­heit um das ma­te­ri­elle Ge­wicht.
Als ich bei der Rück­kehr in Ber­lin Te­gel lan­dete, stan­den schon sie­ben Leute an ei­nem Schal­ter des Ruck­sack­rei­se­an­bie­ters und freu­ten sich auf die Rei­se­be­richte ih­rer Ta­schen. Mein Ruck­sack war of­fen­kun­dig viel zu un­ge­dul­dig, um auf mich zu war­ten oder mir gar zu fol­gen. Ibe­ria folgte den Wei­sun­gen mei­ner Ta­che und ar­ran­gierte ihm die Heim­reise nach Elb­flo­renz. Nur blöd, dass kei­ner da­heim war und er ohne Schlüs­sel zehn Tage im Kel­ler gam­melte. In­des hatte Ibe­ria den Fa­den mei­nes rei­se­wü­ti­gen Ruck­sacks ver­lo­ren und be­geg­nete mei­nen be­sorg­ten Fra­gen rat­los.
Danke Ibe­ria. In der Stadt von mor­gen ist Ge­päck überflüssig.

Posted by nise | Filed in Reisen | Kommentieren »Share this on del.icio.us Digg this! Share this on Facebook Share this on Technorati Tweet This!

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