Rucksackreisen mit Iberia

Neulich auf einem Flug mit Iberia las in deren firmeneigenem Magazin Ronda einen Artikel von der Stadt von morgen (La cuidad de manana). Flughäfen waren in diesem Artikel ein ganz selbstverständliches Artefakt der urbanen Zukunft. Ihre Besonderheit zeichnete sich nicht etwa in neuartiger Flugtechnik oder terrorsicherer Passagierabfertigung aus, sondern Bestand im Fortschritt bei der Gepäckabfertigung.

In Echtzeit möchte Iberia ihre Gepäckstücke durch Algorithmen der Coputer Vision erkennen und den Passagieren zuordnen. Die Realität in der Jetztzeit sieht leider noch ganz anders aus. Unfreiwillig durfte ich Iberias neue Geschäftsmodell der Rucksackreisen erfahren.
Dem Beispiel der Kuscheltierreisen folgend, hat sich Iberia selbst übertroffen. Nach der Devise: „Mit dem Rucksack um die Welt für wenig Geld“ schickt Iberia probeweise Taschen durch die Lüfte. Der Clou an dem Konzept ist die unfreie Bestimmung der Destination. Gespannt kann der Eigentümer daheim (oder am Reiseort seiner Wahl) das Nachsehen haben. Ja, das Nachsehen ist inklusive und umsonst. Mit dem so genannten Worldtracer lässt sich wunderbar verfolgen bzw. rätseln, wo der Beutel durch die Lüfte schwingt und in welchem Hafen er gestrandet ist. Noch näher an seinen Beutel gelangt man via Live-Berichterstattung der Iberia Hotline Reporter. 24/7 nah dran und trotzdem weit weg! Die Reporter nutzen ein Hightech Kommandozeileninterpreter aus den 1980er-Jahren. Das ist gelebte Zukunft nach iberianischen Maßstäben.

Während ich mich drei Wochen in kolubianischen Gefilden plagte, jettete mein Rucksack ein paar mal mehr über den Atlantik, bis er sich für einen Stop auf Lanzarote entschloss. Wahrscheinlich hat sich mein Gepäckstück eines früheren Aufenthalt auf der kanarischen Insel besonnen. Ich fand’s klasse, einmal drei Wochen frei von Gepäck zu reisen. Befreit von Last und Sorge, jemand könnte sich meiner Sachen bemächtigen, genoß ich die Urlaubszeit in Unwissenheit um das materielle Gewicht.
Als ich bei der Rückkehr in Berlin Tegel landete, standen schon sieben Leute an einem Schalter des Rucksackreiseanbieters und freuten sich auf die Reiseberichte ihrer Taschen. Mein Rucksack war offenkundig viel zu ungeduldig, um auf mich zu warten oder mir gar zu folgen. Iberia folgte den Weisungen meiner Tache und arrangierte ihm die Heimreise nach Elbflorenz. Nur blöd, dass keiner daheim war und er ohne Schlüssel zehn Tage im Keller gammelte. Indes hatte Iberia den Faden meines reisewütigen Rucksacks verloren und begegnete meinen besorgten Fragen ratlos.
Danke Iberia. In der Stadt von morgen ist Gepäck überflüssig.

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