Die ersten Eindrücke von Lima

Es ist meine erste Reise, auf der mich der be­rüch­tigte aus­tra­li­sche Backpacker-Guide "Lon­ley Pla­net" be­glei­tet. Die eu­ro­päi­schen Aus­ga­ben die­ser Se­rie habe ich stets we­gen ih­rer Ober­fläch­lich­keit ver­ab­scheut. Zu­dem ver­stehe ich jetzt, wa­rum all die Ame­ri­ka­ner und Aus­tra­lier, die ich in Po­len und Ru­mä­nien traf, so viel Zeit im Hos­tel ver­brach­ten, an­statt auf Tour zu ge­hen. Liest man sich die Ab­sätze "Dan­ger and An­noyan­ces" durch, möchte man am liebs­ten wie­der heim fah­ren. Ent­spre­chend pa­ra­noid habe ich das ein­ge­zäumte Hos­tel ver­las­sen, um mir beim nächst bes­ten Geld­au­to­ma­ten ein paar So­les (1€ = 4,30 So­les) zu ver­schaf­fen. Meine Klei­dung emp­fand ich nicht ge­rade an­ge­passt, son­dern eher auf­fäl­lig im Ver­gleich zu den ent­we­der ver­wa­sche­nen oder dezent-geschäftlich ge­klei­de­ten Ein­hei­mi­schen. In ei­nem Mo­nat werde ich mich be­stimmt wie ein Ka­me­lion durch die Stra­ßen be­we­gen kön­nen. Doch jetzt brauchte ich erst ein­mal Klein­geld für's Te­le­fon, doch der Geld­au­to­mat spukt nur Pa­pier aus, so­mit war ich ge­zwun­gen ein Lo­kal auf­zu­su­chen. Ein Ca­puc­cino sollte es sein. Ich dachte es sei ein­fach: Uno Ca­puc­cino par fa­vor, doch die Frau am Schal­ter stellte zu viele Fra­gen. Pein­li­cher weise ver­stand ich nicht mal die Frage nach mei­nem Na­men. Ganz läs­sig schnappte ich mir zum Ca­puc­cino eine Ta­ges­zei­tung und rät­selte flei­ßig, was da ge­schrie­ben stand. Da­nach ging ich schleu­nigst wie­der ins Hos­tel und stürzte mich, ein paar E-Mails we­gen, auf den atem­be­rau­bend schnel­len Rech­ner. Im Ober­ge­schoss gab es ein of­fe­nes WLAN, wie mir mein Handy mit­teilte. Lei­der hatte ich meine Lap­top schon auf dem Flug aus­ge­saugt und mußte auf das im Ruck­sack ver­staute La­de­ge­rät war­ten. Das Sur­fen per Handy taugt nur für ein paar Nach­rich­ten. Der Hun­ger trieb mich dann doch noch mal nach drau­ßen. Ich folgte der Aven­ida Jorge Cha­vez bis zu Klip­pen von Mi­raf­lo­res. Auf ei­nem klei­nem Grün­strei­fen ent­lang der Klip­pen säum­ten sich ei­nige Pal­men, ein Leucht­turm bot sich mir als Land­marke nebst der vie­len Hoch­häu­ser im Hin­ter­grund. Das Meer schlug seine Wo­gen und trug dut­zende  Sur­fer auf den Wel­len um­her. In west­li­cher Ma­nier lie­fen sich ei­nige Leute die Ki­los vom Bauch. Ich turnte eine Weile an den ste­hen­den Reck- und Bar­ren­stan­gen, die dort al­ler Me­ter zu fin­den wa­ren, und er­freute mich lange Zeit ei­ner Lek­türe, die zeim­lich gut zu mei­ner Un­ter­neh­mung passte: Der Al­che­mist von Paolo Coelho.

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