Das Kind im Glashaus

Durch Joachim Scharloths Vortrag beim CCC Kongress bin ich auf ein Märchen von Heinrich Oswald (Struwelpeter) gestoßen, welches Jermy Bentham Vorstellung eines Panopticon ähnelt. »Das Kind im Glaushaus«, so der Titel des Märchens, beschreibt wie ein Glasermeister seine ungezogene Tochter in ein Glaushaus sperrt, damit sie sich nicht mehr gegen das Waschen sträubt. Im Glaushaus nehmen alle Passenten von ihrem Geschrei notitz, wenn sie sich jedoch brav verhält bemerkt sie keiner.
Erstaunlich ist, dass Oswalt dieses Märchen bereits 1877 publizierte und die Moral der Geschichte heute, insbesondere durch Überwachung im Internet, eine neue Bedeutung erlangt hat.

Friedensnobelpreis für Eduard Snowden

Seit Bekanntwerden des Überwachungsprogramms PRISM durch die NSA (National Security Agency / No such agency) wurden wir wieder daran erinnert, dass E-Mail, Google-Dienste, Facebook und Skype keinen sicheren Datenaustausch ermöglichen. Es ist in sofern auch nicht neu, dass amerikanische Geheimdienste die Kommunikation von Ausländern mithören. Ein Minderheit wird sich noch an die ECHOLON-Debatten (Abhörung der Satellitenkommunikation Fax, E-Mail, ect.) in Deutschland und der EU und den Vorwürfen der Menschenrechtsverletzung erinnern.
Neu ist hingegen der Umfang der Überwachungsmaßnahmen angesichts der gegenüber 2001 gewachsenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung von IKT, Internet und speziell dem Social Web.

Die mediale Berichterstattung konzentriert sich leider zu sehr auf einzelnen Überwachungsskandale, anstatt die historische Entwicklung staatlicher IKT-Überwachung in den Blick zu nehmen. Man täte gut daran die vermeintlich kleinen zivilisatorischen Brüche im Zusammenhang zu sehen und damit scheinbar nicht zusammenhängende totalitäre Tendenzen zu erkennen. Auch der Projektkontext von PRISM im Rahmen von Stellar Wind ist noch nicht aufgearbeitet. Gleichwohl ungeklärt sind Bezüge bzw. Parallelen zum europäischen Forschungsprojekt INDECT.

Fest steht jedoch, dass die jetzigen und kommenden Debatten zu PRISM und vergleichbaren Diensten nicht ohne den Mut und den zivilen Ungehorsam von Eduard Snowden in Gang gekommen wären. Ich kann mich deshalb nur der Forderung anschließen, Eduard Josef Snowden (im Kontrast zu Barack Obama) den Friedensnobelpreis zu verleihen. Snownden hat außerordentlichen Mut bewiesen Verstöße gegen Bürger- und Menschenrechte anzuprangern, wie sie im Zeitalter der digitalen Vernetzung und Kommunikation typisch sind und sein werden. Eine Ehrung mit dem Nobelpreis würde Snowden vielleicht einen überstaatlichen Schutz vor übermäßiger Bestrafung (u.U. Todesstrafe) gewähren.

Internet = Fernsehen: Der Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz

Der endgültige Entwurf für den neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag soll am 25. März 2010 bei der Konferenz der Regierungschefs der Länder zur Verabschiedung vorgelegt werden. Der Staatsvertrag wird durch die Landesregierungen unter Umgehung der Landesparlamente ausgehandelt. Die Landesparlamente müssen zwar diesen Vertrag noch in Landesrecht umwandeln, haben aber dabei keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr, sondern können ihn nur noch abnicken.

Vorabinfo: Auf dem Markt in Zittau plant der Kreisverband der Piratenpartei am Dienstag 16.03.10 eine Demo gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Zur selben Zeit sind landesweit Demonstrationen angesagt.
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Machen Sie mit! Überwachen Sie Ulm!

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[satire] Jetzt neu in Neu-Ulm: die totale Überwachung von Badenwürtemberg. Alle Bayern sind hiermit aufgerufen, den Ulmern ins Wohnzimmer zu glotzen.
Schauen Sie nach, ob die Ulmer Bomben bauen, linke Zeitungen lesen oder Kuchen essen.
Der Freistaat will es wissen. Überwachung ist die beste Verteidigung unserer weiß-blauen Kulturgüter. [/satire]

Die Welt im Jahre 2018 (von nise81)

Open Source Projekte …

… dominieren neben der Informatik auch zunehmend in weiteren technischen Disziplinen, wie dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und Mechatronik, aber auch in der Chemie und Biologie. Entscheidend ist neben der freien Verfügbarkeit von Bauanleitungen insbesondere die kollaborative Arbeit von sich freiwillig zusammenfindenden Menschen. Eine Modularität kleiner Open Source Produkte erlaubt die Zusammensetzung zu größeren Produkten. Verschiedene Lizenzmodelle regeln die Verwertungsrechte, wobei nicht triviale Sonderwünsche seitens des Abnehmers weiterhin von spezialisierten Firmen erledigt werden. Größere kommerzielle Unternehmen stützen ihre Entwicklung ebenfalls auf quelloffene Spezifikationen und verfeinern oder veredeln diese für all jene, denen Zeit und Know-How zur Selbstanfertigung fehlt.

Papierfreie Welt

Zeitungen und Zeitschriften sind fast ausschließlich nur noch in digitaler Form erhältlich und können auf speziellen Display-Folien gelesen oder an eine Fläche projiziert werden. Die Daten dieser Lese- und Anzeigegeräte lädt man via Funk. Die Artikel sind über Hyperlinks verknüpft und selbst kleine Videos werden mitgeliefert, so dass der Unterschied zu den alten Webseiten bzw. zum TV nahezu verschwindet. Der Büchermarkt wird jedoch aufgrund der altmodischen Verleger weiterhin vom Papier dominiert sein und nur bedingt durch ebooks, Audio- und Videobooks (=nonlineare Hyperlink-Videos) Anteile abgeben. Die üblichen Bürodrucker werden durch gesetzliche Initiativen verdrängt bzw. verteuert, so dass sie nicht mehr wirtschaftlich sind nun endlich aus den Büros und Haushalten verschwinden.

Energie

Nach einer Verknappung fossiler Energieträger wird der Energiebedarf für mobile Kleingeräte durch ebenso mobile Stromerzeuger gedeckt. Diese nutzen die durch menschliche Bewegung und Wärme entstehende Energie. Der Großteil des verbleibenden Energiebedarfs wird durch Erdwärme (Tiefenbohrungen von 11km), Sonne und Wind gedeckt, da Erdöl für die Herstellung von bestimmten Polymerverbindungen benötigt wird. In der Übergangszeit bis die erwähnten Energiequellen erschlossen sind, werden erhebliche Energieeinsparmaßnahmen durch den Staat durchgesetzt bzw. die Nutzung von unnötigen energieintensiven Maschinen untersagt (=> Schwellenstaaten). Die Kernfusion wird bald nicht mehr wegzudenken sein.

Siedlungen

Menschliche Siedlungen werden in den entwickelten Regionen der Erde fast gänzlich urbanisiert sein, d.h. abgesehen von ein paar Bauern und Pensionären/Rentnern lebt fast niemand mehr auf dem Lande, wo sich allmählich wieder die Natur auszubreiten beginnt (Überwucherte Geisterdörfer, Rückkehr von ausgestorbenen Tieren, Urwälder). Städte dagegen werden dahingehend optimiert, dass viele Menschen energiesparend zusammen wohnen, so dass sich (Energie-)Verbrauch und Transportwege reduzieren. Auch die kulturelle und soziale Vielfalt erreicht ihr Maximum in diesen autarken Zentren bzw. Ballungsräumen. Die großen Populationen auf engem Raum führen zu einen ausgeprägten Konkurrenzdenken, was sich u.a. in zahlreichen künstlerischen und technischen Errungenschaften (Open Source Produkte) widerspiegelt. Arbeitsplätze auf dem Lande verschwinden zunehmend und andererseits sind Arbeitnehmer auch kaum noch gewillt der Arbeit wegen aufs Land zu ziehen, sofern sie nicht von daheim, also von der Stadt aus arbeiten können. Insgesamt folgen vor allem Frauen diesem Trend, in der Provinz dominiert deswegen der Anteil der Männer.

Datenspeicherung

Unpersönlichen Daten (wie Filme, Musik) werden zentral gespeichert und können von da abgerufen werden. Persönliche Daten bzw. Datenschlüssel (Passwörter) behält man am besten im Kopf, biometrischer Zugriffsschutz bietet keine Sicherheit. Dennoch werden Menschen hauptsächlich anhand biometrischer Merkmale identifiziert. Implantierte Microchips identifizieren einerseits einen Menschen und sammeln andererseits sämtliche Daten (Position, Emotionen-> u.a. Gewalt/Hass/Wut, Gesundheitszustand, Gesprochenes, Kameradaten), die von einer staatlichen oder privatwirtschaftlichen Instanz (auch Unternehmen bilden Staaten) zur Prävention und Kontrolle analysiert werden. Menschen ohne diese Chips sind vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen und können deshalb nur außerhalb der großen Städte als so genannte “Wilde” oder “Terroristen” leben.

Virtuelle Welt

Ein nicht zu unterschätzender Anteil der Bevölkerung handelt und produziert (im Sinne von Schaffen) ausschließlich virtuelle Güter. Ihr Arbeitsplatz befindet sich deswegen in ebensolche virtuelle Welten. Vorgänger dieser Arbeitsplätze waren die Onlinebroker, Moderatoren in Foren, Blogger und einige Programmierer. Der Ort, an dem die Arbeit verrichtet wird ist unentscheidend und somit arbeiten Menschen von überall in der Welt an einem Projekt – ja ihr Arbeitsplatz ist sogar absolut (!) ortsunabhängig, da stets eine Verbindung zum Arbeitsplatz in der virtuellen Welt aufgebaut werden kann. Virtuelle Güter werden, wie die realen auch, in Projekten geplant, konstruiert, getestet und schließlich an Personen oder Organisation ausgeliefert, die damit den ihnen zugeteilten virtuellen Raum gestalten. Ähnlich verhält es sich mit Serviceleistungen. Besonders hervorzuheben ist der hohe Freiheitsgrad dieser Arbeit. Lose Arbeitsverträge und emanzipiert-globalisierte Arbeitnehmer bzw. Freelancer steigen ebenso schnell in ein Geschäft ein, wie sie abspringen. Insgesamt ist ist jedoch so, dass jene virtuellen Güter, je nach Art, sehr leicht und eigentlich von jedem geschaffen werden können. Die dazu nötigen Kenntnisse der Programmierung (gemeint ist auch das Zusammenstöpseln von Komponenten/Plugins, ähnlich dem früheren “Installieren” und konfigurieren von PC-Programmen) gehören für die jüngere Generation ebenso zu den grundlegenden Kulturtechniken, wie das Lesen, Schreiben und Rechnen.

Bots

(Ro)Bot oder liebevoll Boty (von Body) genannte Maschinen, die menschliche Emotionen und Denkweisen erkennen (Geruchssensoren + Sprachanalyse + Bilderkennung), analysieren und sich durch eine Verknüpfung von neuronalen und semantischen Schlussfolgerungen zu geschätzten Zeitgenossen entwickeln, die ebenso ihre Gefühle verbal zum Ausdruck bringen. Ihre Sprachausgabe ist der des Menschen zum Verwechseln ähnlich (Simulation von Schallwellen im menschlichen Kehlkopf, Rachen, Mund und Nase). Zwischen Menschen und Botys entwickeln sich Beziehungen, die zunächst an die mit Haustieren (man denke da an den Aybo) erinnern, doch wesentlich intimer werden (Love-Botys). Botys kümmern sich darüber hinaus vollkommen selbstständig für all die Arbeiten, die Menschen noch nie wirklich gern erledigt haben (Putzen, Kehren, Transport von Waren).

Klone

Tiere, Pflanze und auch Menschen werden, zumindest in einigen Ländern, ganz selbstverständlich genetische reproduziert, wobei diese genetischen Duplikate unsere genetische Auslese und Vielfalt minimiert und langfristig Probleme herbeiführen (-> Erbkrankheiten, Mutationen am Erbgut).

KOMMENTAR AUF DIESEN BEITRAG SIND UNBEDINGT ERWÜNSCHT.