»Theresienstadt-Film« beim Neiße Filmfestival

Zusammen mit Armin Pietsch (Hillersche Villa Zittau) haben ich die Ehre den Theresienstadt-Film auf dem Neiße Filmfestival zeigen zu können. Der Film wird in der Reihe von Filmen zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus gezeigt. Wir werden es nicht bei der Aufführung belassen, sondern die Entstehung des Films erläutern, exemplarische Szenen kommentieren und zur Diskussion aufrufen.
Eingeladen sind im Besonderen Schulklassen.

Termin: 8. Mai 2015, 13:00, Hillersche Villa Zittau

Die neuerlich aufgetauchten Fragmente des NS-Propagandafilms über das Leben im Konzentrationslager Theresienstadt ist für die Geschichtsdidaktik in vielfacher Hinsicht ein wertvolles Zeitdokument. Erstens lassen sich anhand der Szenen die Orte im Lager identifizieren. Zweitens sind in dem Film eine ganze Reihe berühmter jüdischer Wissenschaftler, Künstler und andere Persönlichkeiten zu sehen. Drittens kann man anhand des Dokuments die zahlreichen Propagandalügen und Täuschungen des für das Ausland bestimmten Films aufdecken. Bisherige historische Abhandlungen waren, isoliert vom eigentlichen Gegenstand des Filmes, als Text verfasst und damit weder in technisch-gestalterischer, noch in mediendidaktischer Hinsicht effektiv. Ziel des Projektes ist neben der medienadäquaten Aufbereitung die Konzeption geeigneter Kooperationskripts, um gemeinschaftliche Lernsituationen herzustellen.

Abstract
Die Idee, einen Propagandafilm über den Alltag im „Ghetto Theresienstadt“ zu drehen, geht auf den Leiter des „Zentralamts zur Regelung der Judenfrage in Böhmen und Mähren“, SS-Sturmbannführer Hans Günther, zurück. Auch die Herstellung des Films war ein reines SS-Projekt ohne Beteiligung des Reichspropagandaministeriums. Um Theresienstadt in einen geeigneten Schauplatz für einen beschönigenden Propagandafilm umzugestalten, wurde Ende 1943 die so genannte „Stadtverschönerung“ gestartet. Nach und nach verwandelte sich das Konzentrationslager in ein potemkinsches Dorf mit gefälligem Stadtbild. Einrichtungen wie Kaffeehaus, Poststelle, Bank, Bibliothek, Krankenhaus, öffentliches Bad, Kinderspielplatz und Parkanlagen sollten den Anschein einer normalen jüdischen Gemeinde erwecken, deren Einwohner ein angenehmes und sorgenfreies Leben führten.
Der Theresienstadt-Propagandafilm ist nur in fragmentarischer Form erhalten geblieben und wurde nach Kriegsende zunächst unter dem vermeintlichen Titel „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ bekannt. Dieser Titel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine geistige Schöpfung einiger Häftlinge gewesen, der bereits während der Dreharbeiten im Lager rasch verbreitet wurde und den zynischen Absichten des Films mit beißender Ironie und schwarzem Humors begegnet. Selbst die wissenschaftliche Literatur zitierte diesen Titel bis in die späten 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Erst das Auffinden einiger Kader aus der Titelsequenz im Yad Vashem und die Forschungen des holländischen Historikers Karel Margry haben den authentischen Titel eindeutig belegen können: THERESIENSTADT. EIN DOKUMENTARFILM AUS DEM JÜDISCHEN SIEDLUNGSGEBIET.

Worin liegt nun die Einzigartigkeit dieses Filmdokuments? Wie bereits festgestellt, ist die weitgehende Auflösung des nationalsozialistischen Feindbild-Antagonismus „deutscher Herrenmensch versus jüdischer Untermensch“, also die ausnahmslos positive Darstellung des jüdischen Alltagslebens, in einem nationalsozialistischen Propagandafilm sehr ungewöhnlich und man kann annehmen, dass ein regulärer Kinoeinsatz zu einiger Verwirrung geführt hätte. In krassem Gegensatz dazu steht etwa der 1942 im Warschauer Ghetto gedrehte Propagandafilm „Ghetto“15.


Die Projektdurchführung erfolgte teilweise im Rahmen des E-Learning Clusters von eScience Sachsen (Projekt „KoviLern“), gefördert durch den Europäischen Sozialfond und den Freistaat Sachsen. Die Reproduktion des Films beim Bundesarchiv wurde durch die Crowd bei StartNext finanziert.

Geo Search Tool: Lokale Suche mit YouTube

Wenn sich die Welt mal wieder schneller dreht als die Medien darüber berichten können, kann eine ortsbezogene Suche Einsichten verschaffen.
YouTube hat auf Grundlage seiner aktuellen API nun eine Web-Anwendung namens Geo Search Local entwickelt, mit der die jüngsten Uploads in Abhängigkeit von Geo-Koordinaten oder Ortsnamen angezeigt werden. Die Suche kann durch Suchbegriffe, den Einzugsradius von 1-1000 km und Zeiträumen zwischen einer Stunde und einem Jahr eingegrenzt werden. In die Suche einbeszogen werden können jedoch nur Videos, die mit Ortsangaben/Geodaten getagt sind.

Derzeit kann man sich die zum Beispiel Videos von den Kampfhandlungen in der Ostukraine suchen. Aber auch die regionale Suche in sehr ländlichen Regionen hat seinen Charme.

Der Quellcode ist bei gitHub zu finden.

Geo Search Local

Final submission of 9 interaction design patterns for video learning environments

Yesterday I finished my 10 month work on two papers for the European Conference of Patern Languages of Programs 2014, held at Irsee Monastry/Bavaria. When submitting conference papers the number of externally triggered revisions of your paper is lower or equal then two. Once the reviewer provides a feedback you can incorporate it in your paper. Seldom the editor needs to advice you to fulfil the authors guidelines.
At EuroPLoP you get guided by a shepherd that provides you feedback on four to five iterations before submitting the paper for the conference. That means hard work on the text.
But it comes even better when you get the chance to hear others discussing our paper in one of the writers workshops at the conference. Any defence of the authors points of view or background considerations is prevented in order to obtain the message that other readers obtain from your written work.

Maybe more interesting is the resulting content of the two papers I’ve submitted.

Interaction design patterns for interactive video players in video-based learning environments

This paper is about interaction design patterns that describe common solutions of reoccurring problems in the design and development of video-based learning environments. The patterns are organized in two layers. The first layer incorporates the micro interactivity in the video player itself. Any manipulation that effects the presentation within the video or intervening its playback is part of the micro-level of interactivity. Currently, 17 patterns have been identified for that layer. Five of them will be object of that article: Annotated Timeline, Classified Marks, Playback Speed, User Traces, and Visual Summary.
The second layer of the pattern language consists of 12 patterns that describe interactivity on a macro-level. Macro interactivity comprises all manipulations concerning one or more videos as a whole. That does not include the playback but the organisation and structure of the video learning environment.

Interaction design patterns for design and development of video learning environments

This paper is about interaction design patterns that describe common solutions of reoccurring problems in the design and development of video-based learning environments. The patterns are organized in two layers. The first layer incorporates the micro interactivity in the video player itself. Any manipulation that effects the presentation within the video or intervening its playback is part of the micro-level of interactivity. Currently, 17 patterns have been identified for that layer. Five of them will be object of that article: Annotated Timeline, Classified Marks, Playback Speed, User Traces, and Visual Summary.
The second layer of the pattern language consists of 12 patterns that describe interactivity on a macro-level. Macro interactivity comprises all manipulations concerning one or more videos as a whole. That does not include the playback but the organisation and structure of the video learning environment.

Unser Vortrag zum HDS.Forum 2014 an der TU Bergakademie Freiberg

Reichlich später, aber immerhin überhaupt noch online, kommen hier unsere Folien, die wir beim HDS.Forum am 7. November zum besten gaben. Die Message des Vortrags lautet: Berücksichtige die W3C-Standards nicht nur bei der Entwicklung von Video Playern, sondern auch bei der Erstellung audiovisuelle Lerninhalten. Videos sind nicht barrierefrei, können jedoch durch Untertitel, Transkriptionen und eine anpassbare Wiedergabegeschwindigkeit wesentlich besser genutzt werden. Die Zielgruppe sind hier in erster Linie Lernende gewesen, die die im Video vorherrschende Sprache nicht perfekt beherrschen. Ihr Workload mit den fremdsprachigen Videos unterschied sich signifikant zu dem ihrer deutschen Kommilitonen. Um einen wirklich barrierefreien Videoplayer zu gestalten, muss man neben diesen sprachlich/auditiven Aspekten, ein verstärktes Augenmerk auf die visuellen Inhalte legen (z.B. Videoqualität, Lupe zur Vergrößerung, Filter zur Verstärkung von Kontrasten).

Für mich war dies hier nur ein erster Ausflug in das Spannungsfeld barrierefreier Lerntechnologien. In drei Feldstudien haben wir mehrere zehntausens Datensätze gesammelt, die dahingehend noch nicht ausreichend untersucht worden. Um valide Empfehlungen für die Gestaltung von Videoplayern und Video-CMS geben zu können, müssen wir umfassendere Usability-Untersuchungen durchführen.

Sprachbarrieren bei der Rezeption von Lernvideos?

Am Freitag, dem 7. November 2014, werden Stefanie Seifert und ich beim HDS.Forum an der TU Bergakademie Freiberg über Sprachbarrieren bei der Rezeption von Lernvideos referieren. Das HDS.Forum steht dieses Jahr unter dem Motto Medial.Digital.Ganz egal!?
Das die Sprachkenntnisse bei der Betrachtung von Lernvideos nicht ganz egal sind, möchten wir anhand von empirischen Daten zeigen. In mehreren Studien hatten wir deutsch- und englischsprachige Videos Kohorten von deutschen und ausländischen Studierenden angeboten. Bei der Untersuchung, in wie weit die Teilnehmer in Gruppen zusammenarbeiteten, bemerkten wir einige interessante Unterschieden zwischen den deutschen und ausländischen Studierenden. Sowohl die Aktivitäten bei der Betrachtung der interaktiven Videos, als auch die gesamte Workload unterschieden sich maßgeblich zwischen beiden Gruppen.
Im Vortrag möchten wir darauf eingehen, welche unterstützenden Technologien sich für die Bearbeitung von fremdsprachlichen Videos anbieten. Wir beziehen uns dabei auf W3C-Standards für barrierefreie Medien und die kognitiven Theorien von Richard E. Mayer. Ich knüpfe damit unmittelbar an die von mir dieses Jahr bei der EuroPLOP diskutierten Interaction Design Patterns für Videolernumgebungen an.

Vortrag WEL’14: Aufgabentypen und Einsatzszenarien für ein E-Assessment in Lernvideos

Am Donnerstag fand in Görlitz zum 12. mal der Workshop on E-Learning statt. Ich hatte die Ehre die Session zum Thema E-Assessment zusammen mit Prof. H.-J. Kretschmar zu moderieren und darin selbst einen Vortrag zu halten. Der Inhalt des Vortrags ist im Tagungsband nachzulesen.

Aufgabentypen und Einsatzszenarien für ein E-Assessment in Lernvideos Unter der Berücksichtigung der Multimedialität sowie der zeitlichen Dimension von Lernvideos lassen sich herkömmlichen Aufgabentypen wie Multiple Choice, Lückentext, Zuordnungs- und
Reihenfolgeaufgaben in einer neuen Art und Weise in Videos integrieren. In diesem Beitrag stellen wir einen konzeptionellen Rahmen für die zeitliche und räumliche Anordnung von Aufgabentypen im videobasierten Assessments vor. Wir verfolgen damit das Ziel, ausgewählte Aufgabentypen in Verbindung mit CSCL-Scripts im Rahmen der E-Tutorenqualifikation der TU Dresden einzusetzen und ihren Nutzen sowie ihre Akzeptanz zu untersuchen.

Zitation: Seidel, N., & Jödicke, C. (2014). Aufgabentypen und Einsatzszenarien für ein E-Assessment in Lernvideos. In K. Herring & J. Kawalek (Hrsg.), WEL`14 – Workshop on eLearning, S.83-92. Görlitz.

Vortragsfolien:

Ein Facharbeitkreis zu Videos in der Lehre

Üblicher Weise blogge ich im Sommer immer etwas weniger, doch in diesem Jahr liegt es an einem zweiten Kanal, den ich im Rahmen der Gründung des Facharbeitskreis »Videos in der Lehre« am 21. Juli 2014 eröffnet habe. Die Beiträge dort hätte ich auch gut hier anbringen können, obwohl ich originäre Inhalte wie diese hier bevorzuge.

Screenshot der Seite vom Facharbeitskreis

Worauf ich hier aufmerksam machen möchte, ist die virtuelle Repräsentanz des Facharbeitskreises »Videos in der Lehre«. In Gestalt eines Blog dient die Seite als Informationskanal für das Lehren und Lernen mit Video in der Hochschullehre. Interessierte können sich dort registrieren, um eigene Beiträge zu verfassen oder im Forum zu diskutieren.

Wie die Bezeichnung “Facharbeitskreis” vermuten lässt finden sich die Teilnehmer auch in regelmäßigen Abständen zusammen und bearbeiten die für sie interessanten Themen. Meine Motivation dort mitzuwirken hat nicht nur bedingt meiner Rolle als Mediendidaktiker im Projekt Lehrpraxis im Transfer zu tun. Wesentlich ist für mich das Gespräch mit Lehrenden zu führen, um neue Impulse für die Entwicklung von Videolernumgebungen zu erhalten. Aber auch Berichte aus meinen aktuellen Projekten #exif14, E-TuScript und Theresienstadt explained könnten für andere Lehrende von Interesse sein.

Das nächste Treffen ist bereits am Freitag, dem 26. September an der TU Chemnitz.