Demokratische Entscheidungen in WordPress-Communities

In einer virtuellen Gemeinschaft gibt es viele Entscheidungen zu treffen: Wer darf der Gemeinschaft beitreten? Wer soll ausgeschlossen werden? Welche Regeln gelten innerhalb der Gemeinschaft? Welche Informationen sollen nach draußen gelangen? Wer hat welche Rollen inne und darf über was entscheiden?

Üblicher Weise werden Fragen dieser Art irgendwie einvernehmlich geklärt und Konsens angestrebt. Ab einer gewissen Anzahl von Mitgliedern funktioniert das jedoch nicht mehr. Erst recht nicht, wenn die von der Gemeinschaft gewählte oder ihr auferlegte Plattform keine ausreichenden Kommunikations- und Abstimmungsmittel bereitstellt. Im Schlimmsten Fall wird die Gemeinschaft autokratisch gelenkt. Nicht selten profitieren dabei diejenigen, die die Kompetenz und Kontrolle über die technischen Systeme inne haben – die Administratoren oder Moderatoren.

Alexander Hacker hat sich in seiner Bachelorarbeit durch meine Anregung mit der Frage auseinander gesetzt, wie virtuelle Gemeinschaften bindende demokratische Entscheidungen fällen können. Ausgehend von einschlägigen Vorarbeiten (bspw. die Wikipedia), Studien und politikwissenschaftlichen Analysen von Abstimmungsmethoden hat Herr Hacker zusammen mit einer existierenden virtuellen Gemeinschaft Anforderungen und Lösungsansätze für bindende demokratische Entscheidungen entwickelt und in Form eines WordPress-Plugins implementiert. Neben Diskussionen, klassischen Abstimmungen und dem N-Augen-Prinzip hat er auch Losverfahren und eine Proxy-Voting umgesetzt. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der Umfang an demokratischen Partizipationsmöglichkeiten, sondern auch die Konsequenz mit der diese Verfahren greifen. So ist es bspw. möglich dem WordPress-Administrator den Zugriff auf die von der Gemeinschaft erstellten Beiträge und Seiten zu entziehen.

Dass solcherlei Ansätze nur in der Theorie funktionieren, jedoch in der Praxis keinen Anklang finden, kann man Hacker’s Arbeit nicht vorwerfen. Das von ihm entwickelte Plugin befindet sich seit mehreren Monaten im Einsatz und wird von mehreren Dutzend Personen regelmäßig genutzt.

Ich freue mich, dass Alexander Hacker nun den Code seines WordPress Plugins auf GitHub bereitgestellt hat und hoffe, dass auch andere Entwickler und weitere Gemeinschaften daran Interesse bekunden.

https://github.com/mystryx1337/wordpress-democracy

Die wichtigsten Funktionen sind in diesem Video erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=aUoLF-jrC50&feature=youtu.be

Sammelband (endlich) erschienen: Erinnerungs- und Gedenkorte im sächsischen Dreiländereck Polen – Tschechien – Deutschland

Im Herbst 2010 nahm ich an einer Tagung mit dem Titel »Erinnerungs- und Gedenkorte (nicht Landschaften!) im Dreländereck Polen – Tschechien – Deutschland« teil. Die Tagung fand in Großhennersdorf statt und wurde von der dort ansässigen Umweltbibliothek unter der Leitung von Andreas Schönfelder ausgerichtet. Ich hatte damals auch hier darüber berichtet und meine Vortragsfolien zur Verfügung gestellt.

Im Anschluss an die Tagung wurde ein Tagungsband kuratiert, der nun endlich vorliegt. Wie unterschiedlich die Geschwindigkeiten sein können, in denen wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht werden, überraschte mich sehr. In der Informatik kommt es auf wenige Monate an, in der Geschichtswissenschaft kommt es auf Jahre und Jahrzehnte nicht so sehr an – so lange einen die Geschichte nicht wieder einholt. Gerade in Sachsen gilt es die Erinnerungs- und Gedenkkultur zu weiter zu entwickeln. Nach dem die meisten Zeitzeugen der NS-Zeit verstummt sind, finden wir nur noch Ort vor, die uns ohne eine historische Aufarbeitung und intensive Forschung kaum ansprechen. Es handelt sich oftmals um Orte, die heute einer anderen Nutzung überführt wurden oder brach liegen. Diese Ort können uns aber etwas mitteilen, wenn wir mit ihnen vergangene Geschehnisse verbinden und mit ihnen Menschen in Beziehung bringen können. Das vorliegende Buch vermag uns helfen, von Orten und Plätzen im Dreiländereck angesprochen zu werden, die uns zuvor bedeutungslos erschienen.

Diese Publikation geht zurück auf eine Tagung zur Erinnerungs- und Gedenklandschaft im Dreiländereck Polen – Tschechien – Deutschland. Es werden Forschungsarbeiten, dokumentierte Spurensuche-Projekte und auch die Arbeit von Gedenkstätten in der Grenzregion vorgestellt. Um Lesern den Kontext und die Relevanz der mit dem Band verbundenen Thesen plausibel zu machen, wurden zusätzlich Darstellungen ausgewiesener Kenner der nationalen Prozesse für eine Erneuerung der jeweiligen Erinnerungs- und Gedenkkulturen seit den großen Umbrüchen von 1989/1990 aufgenommen.

Der Sammelband ist kostenlos bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung zu erhalten.

Studienfahrt nach Theresienstadt

Im Rahmen des Projektes Theresienstadt explained haben wir zusammen mit Forschenden und Studierenden mit einer Reihe von spannenden Anwendungen entwickelt, die nun im Feld evaluiert werden sollen. Eine weiter Gelegenheit dazu bietet uns dazu die Studienfahrt nach Theresienstadt. Zusammen mit Armin Pietsch werden wir den Theresienstadter NS-Propagandafilm vorstellen und mit den Teilnehmenden analysieren.

Termin: 13. bis 15. März, Terezin, CZ

Organisiert wird die Studienfahrt von Beatrice Pätzold (Brücke|Most-Stiftung) und Stefanie Stange (Ev. Luth. Landesjugendpfarramt Sachsen) in Kooperation mit dem Freundeskreis Theresienstadt e.V.

Weitere Information finden sich auch dem Veranstaltungsflyer.

Vortragsankündigung: Verarbeitung kontinuierlicher und periodischer Datenströme in adaptiven Lernumgebungen, CampusSource 2020, TU Dortmund

CampusSource e.V. ist ein Zusammenschluss von Hochschulen in NRW, der die Entwicklung und den Einsatz von Open Source Produkten im Bildungsbereich zum Ziel hat. Die beteiligten Hochschulen arbeiten gemeinsam an Anwendungen und stellen Quellcode sowie ihre Erfahrungen der Allgemeinheit zur freien Verfügung.

Einmal jährlich treffen sich die an der Initiative beteiligten Menschen zu einer Tagung. In diesem Jahr findet die CampusSource Tagung an der TU Dortmund statt. Ich werde dort etwas über unsere Projekte APLE und auch LA-Diva berichten:

Verarbeitung kontinuierlicher und periodischer Datenströme in adaptiven Lernumgebungen
– Niels Seidel, FernUniversität in Hagen –

In einer Lernplattform wie Moodle lässt sich das Verhalten der Lernenden in Form von detaillierten Logdaten erfassen. Adaptive Lernumgebung können anhand dieser kontinuierlichen Datenströme und den daraus berechneten Kennzahlen, Clustern und erkannten Mustern regelbasierte Entscheidungen treffen, um die Lernenden durch Empfehlungen und Interventionen in ihrem individuellen Lernprozess zu unterstützen. Neben den Logdaten können auch weniger veränderliche und periodisch anfallende Daten wie etwa Prüfungsleistungen oder Kursbelegungen in den Adaptionsregeln Berücksichtigung finden.

Die Herausforderung besteht jedoch darin, die kontinuierlichen und periodischen Datenströme auch für große Studierendenkohorten mit geringer Latenz zu verarbeiten und dabei auch umfangreichere Berechnungen durchzuführen. In dem Vortrag stellen wir unseren Lösungsansatz vor und berichten von unseren Erfahrungen im Projekt Adaptive Personalized Learning Environment (APLE) an der FernUniversität in Hagen.

Neue Fotos vom KZ-Außenlager Görlitz und einigen Überlebenden

Auf einen älteren Beitrag hier im Blog erreichte mich im Juni 2017 ein Kommentar und vor wenigen Tagen dann ein Anruf von einem Nachfahren eines Überlebenden des KZ-Außenlagers Görlitz. Von persönlichen Andenken, die über die Zeit in den KZs hinweg gerettet wurden, und von Fotos, die nach der Befreiung entstanden sind, war die Rede. Heute nun erreicht mich ein dicker Brief mit Leihgaben von Bilder, Schreiben und beeindruckenden Erinnerungsstücken.

Die Herkunft einiger Bilder bzw. der Ort der Aufnahme muss in einigen Fällen noch ermittelt werden. Zwei Bilder wurden im KZ Dachau aufgenommen (siehe [1]). Die Namen der abgebildeten Personen bzw. Überlebenden ist teilweise auch nicht bekannt.

Ich bin sehr dankbar für diese außergewöhnliche Leihgabe.

Text to Speech in der Fernlehre

Das Lernen im Kurs ist vielfach mit der Verarbeitung visueller Informationen verbunden. Viele Tätigkeiten beanspruchen den visuellen Informationskanal zumindest so sehr, dass nebenher keine Texte gelesen werden können. Auditive Lernangebote finden sich dem gegenüber bislang nur selten im Fernstudium. Audio stellt jedoch eine alternative Repräsentation der Lernmaterialien dar und eröffnet neue Lernsituation, wenn man beispielsweise beim Joggen, bei der Hausarbeit oder in der Badewanne die aktuelle Kurseinheit anhören kann. Die Popularität von Podcasts unterstreicht das Potential von Audiobeiträgen für das Lernen.

Für die Produktion und Aktualisierung von professionellen Podcasts fehlt im Lehrbetrieb jedoch die Zeit. Weitaus weniger zeitaufwendig sind Text-to-Speech-Systeme. Aus einem mit Phonemen angereicherten Kurstext im SSML-Format entsteht innerhalb von wenigen Minuten eine passable Vertonungen.

Im Folgenden stelle ich eine erste Kostprobe einer vertonten Kurseinheit zur Verfügung. Auf Grundlage dieser Audioquellen arbeiten wir gerade an einer Hyperaudio-Lernumgebung, die Abbildungen, Tabellen und Formeln als Bilddateien durch akustische Signale ankündigt und die gruppenbezogene Diskussion der Lerninhalten ermöglicht. Im Jahr 2018 hatte ich zu diesem Thema bereits zwei vielversprechende Abschlussarbeiten vergeben, deren Ergebnisse wir jetzt nutzen und in ein Produktivsystem überführen.